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Für *Pflegekräfte

Für die Familie im fremden Land

7. September 2014
Von Theresa Lackner

Wioleta und Theresa kommen regelmäßig aus Polen nach Deutschland, um hier Alte zu pflegen – für sie ein Weg aus der Arbeitslosigkeit. Doch deutsche Vermittlungsagenturen verdienen am meisten dabei.

Wioleta sitzt in ihrem kleinen Zimmer auf dem Bett, blickt auf ihr Nachtkästchen neben sich, einen alten Holzschrank, in den sie ihre Sachen eingeräumt hat, einen Schreibtisch. Wenn sie nach rechts aus dem Fenster sieht, blickt sie in den blühenden Frühlingsgarten mit einem bepflanzten Blumenkasten auf dem Fensterbrett.

Sie hat hier alles, was man eben so braucht, und noch ein bisschen mehr, wenn man für zwei Monate in einer deutschen Familie als Pflegekraft arbeitet.

Auch Theresa sieht einen Garten, wenn sie rausguckt. Dort wachsen Blumen, die sie im Frühjahr angepflanzt hat, und dort liegt ein Gemüsebeet, um das sie sich kümmert. Sie arbeitet seit drei Jahren in Deutschland als Pflegekraft. Die ältere Dame, die sie pflegt, hat Demenz und braucht ihre Unterstützung im Alltag.

Wioleta und Theresa, sie haben dreierlei gemeinsam: Sie sind Frauen aus Polen, mehr oder weniger gut ausgebildete Pflegekräfte und arbeiten oder suchen Arbeit in Deutschland, um ihre Familien zu ernähren.

Schlechte Bezahlung trotz Pflegenotstand

In der Bundesrepublik herrscht der Pflegenotstand. Dennoch gestaltet sich die Arbeitssuche kompliziert: Die Bedingungen, unter denen Pflegekräfte hierzulande arbeiten müssen, sind schwierig. Sie werden für ihre harte körperliche und psychische Arbeit schlecht bezahlt.

Der Personalschlüssel gibt in der Pflege an, wie viele Pflegekräfte vorhanden sein müssen, um die Patientinnen und Patienten angemessen zu versorgen. Aline Wirsig, Altenpflegerin aus Dresden, erzählt, dass dieser jedoch oft nicht eingehalten werden kann: „Der Personalmangel hat sich bis jetzt in allen Einrichtungen, in denen ich gearbeitet habe, gleichermaßen bemerkbar gemacht.“ Sie berichtet von 12-Stunden-Schichten und sogenannten „kurzen Wechseln“. Die Pflegekräfte arbeiten am Abend bis 22.30 Uhr und beginnen am nächsten Tag um 6.30 Uhr die nächste Schicht. Dazu kommen viele Überstunden.

Die Motivation der Mitarbeiter ist gering, der Beruf des Altenpflegers nicht sehr beliebt.

Wioleta kommt aus der polnischen Provinz, keine 40 Kilometer von der Grenze zu Deutschland entfernt. In Polen hat sie als Krankenschwester gearbeitet. Das Krankenhaus, in dem sie beschäftigt war, wurde geschlossen.

Tagsüber kümmert sich die 55-Jährige um die pflegebedürftige Dame, räumt auf, staubsaugt, kocht, macht die Wäsche. Nachts steht sie auf, um mit der alten Frau auf die Toilette zu gehen, hievt sie aus dem Bett in den Rollstuhl, schiebt sie die paar Meter ins Bad, wartet und führt sie wieder zurück in ihr Zimmer, hebt sie aus dem Rollstuhl wieder ins Bett. Manchmal mehrmals die Nacht. 24-Stunden-Betreuung nennt sich das.

Ein Urlaubstag in der Woche stünde ihr laut Vertrag zu, doch sie möchte lieber durcharbeiten. Sie braucht das Geld und möchte nach zwei Monaten wieder nach Polen zu ihrer Familie.

950.000 Menschen füttern, putzen Zähne und wechseln Windeln

Laut Bundesgesundheitsministerium gibt es in der Bundesrepublik derzeit rund 2,5 Millionen pflegebedürftige Menschen, das entspricht der Einwohnerzahl von Rom. Ein Drittel der Pflegebedürftigen wird vollstationär gepflegt, zwei Drittel in häuslicher Umgebung. Zweieinhalb Millionen Menschen, die schon jetzt in irgendeiner Weise Hilfe im Alltag brauchen. Vom Helfen beim Schuheanziehen über das Zähneputzen und das Füttern bis zum Windelwechseln ist alles dabei. Und die Zahl der Pflegebedürftigen wird noch deutlich höher werden, sobald die geburtenstarken Jahrgänge in dieses Risiko-Alter kommen und Pflege beanspruchen. Schon 2030 sollen es 3,5 Millionen Pflegebedürftige sein.

Wie viele Pflegekräfte braucht es also, um dieser Zahl an Pflegebedürftigen beizukommen? Gut 950.000 Menschen waren laut Statistischem Bundesamt Ende 2011 in der Altenpflege beschäftigt. Das ist eine immense Zahl, und doch scheinen es nicht genug zu sein.

Auch die deutsche Politik ist auf dieses Problem aufmerksam geworden. Und trifft Maßnahmen, um dem künftigen „Pflegeengpass“, wie er dort gern bezeichnet wird, entgegenzuwirken.

Unter dem neuen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) soll die Pflege reformiert werden. Er hat versprochen, sich in dieser Legislaturperiode „mit ganzer Kraft“ für verbesserte Rahmenbedingungen der Pflegeberufe einzusetzen, wie er in einer Rede auf dem deutschen Pflegetag verlauten ließ. Die Gehälter sollen steigen, Umschulungen zum Altenpfleger vom Staat finanziert werden.

Dass die Pflege ein immer wichtigeres Thema ist, zeigt sich schon daran, dass die Bundesregierung erstmals einen Beauftragten für die Belange der Patientinnen und Patienten und Bevollmächtigten für Pflege ernannt hat. Der auserwählte Karl-Josef Laumann wirbt unter anderem für eine Pflegeausbildung mit einer gemeinsamen Grundausbildung und einer erst daraufhin folgenden Spezialisierung zur Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege.

Sozialversicherung, Rentenbeiträge – alles legal

„In meiner Nähe finde ich keine Arbeit“, erzählt Wioleta. Auch ihr Mann als Maurer fand in Polen keine Anstellung. Überhaupt sei die Arbeitssituation in dem osteuropäischen Staat schlecht. Wioleta schüttelt resigniert den Kopf. Sie und ihr Mann haben zwei Töchter. Eine 21-jährige, die in einem Berliner Hotel eine Ausbildung absolviert, und eine 5-jährige, die noch den Kindergarten besucht.

Dass Arbeitskräfte aus Polen überhaupt in Deutschland arbeiten können, ist erst seit dem 1. Mai 2011 möglich. Damals trat die Arbeitnehmerfreizügigkeit für Polen und einige andere europäische Mitgliedsstaaten in Kraft.

In Deutschland arbeiteten 2010 immerhin 113.000 Arbeitsmigrantinnen und –migranten in Pflegeberufen. Hinzu kommt noch eine Dunkelziffer, die niemand so richtig schätzen kann. Von diesen Arbeitsmigrantinnen und –migranten, die in Deutschland einen Pflegeberuf ausüben, stammen 23 Prozent aus Polen. Das sind knapp 26.000 Menschen.

Aber warum sind es gerade Polen, die nach Deutschland kommen, um in Pflegeberufen zu arbeiten? Die Arbeitslosenquote in Polen lag im September 2013 bei zehn Prozent. Vor allem die ländlichen Regionen wie die, aus der auch Wioleta kommt, sind davon stark betroffen.

Wioleta ist über eine Vermittlungsagentur angestellt. Sie ist in Polen sozialversichert und zahlt Rentenbeiträge. Alles legal. Zumindest von deutscher Seite aus scheint alles zu klappen. Der Vertrag ist kündbar, es ist genau vereinbart, wann wie viel gezahlt werden muss. Doch irgendwann kommt der Familie, bei der Wioleta arbeitet, der Verdacht, dass der polnische Vertrag, den sie unterschrieben hat, und der deutsche, den die Familie gezeichnet hat, nicht identisch sind.

Ab und an treffen sich die polnischen Pflegerinnen abends zum Tee

Margit Wittlinger, eine erfahrene Schwester vom Palliativteam Erding, erklärt, dass eine polnische Pflegekraft für viele Familien mit Pflegefall die beste Alternative darstelle. Eine 24-Stunden-Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst ist oft unbezahlbar. Die Preise fangen dort bei 4.000 bis 5.000 Euro monatlich erst an.

Der Pflegedienst biete zwar ausgebildete Krankenschwestern, sei aber einfach zu teuer. Der Vorteil an den polnischen Pflegekräften sei, dass sie gut versichert und gut organisiert seien. Außerdem habe Wittlinger die Erfahrung gemacht, dass die Polinnen sehr willig und hilfsbereit sind: „Sie möchten alles richtig machen.“ Nicht alle können dabei eine pflegerische Ausbildung vorweisen, aber durch langjährige Erfahrung gebe es selten Probleme. „Insgesamt habe ich von den Familien mit polnischen Pflegekräften nur positive Rückmeldungen bekommen“, sagt sie.

Theresa arbeitet für Heike Pflüger (Name von der Redaktion geändert) und ihren Bruder, weil deren Mutter nach und nach zum Pflegefall wurde. Pflüger hat ein sehr gutes Verhältnis zu Theresa, wie sie erklärt. Warum hat sich Pflüger mit ihrem Bruder für eine häusliche Pflege entschieden? „Im Heim sind die Menschen oft sehr verwahrlost“, schildert sie ihre Erfahrungen. Mit Theresa könne sie sich darauf verlassen, dass ihre demente Mutter in einem gepflegten Umfeld lebt. Und wie geht es Theresa in Deutschland? Pflüger erzählt, dass Theresa sich mittlerweile ein großes soziales Netzwerk aufgebaut hat. In und um Karlsruhe, wo die Mutter lebt, gibt es mehrere polnische Frauen, die sich ab und an abends auf einen Tee treffen. Sie reden und tauschen sich über ihre Erfahrungen aus. Sie fühlt sich wohl hier, hat auch Kontakt zur Nachbarin. Sie könne hier zum Arzt gehen, es gebe eine deutsche und eine polnische Betreuerin, falls Probleme auftreten. Alle drei Monate fährt sie für einen Monat zurück zu ihrer Familie nach Polen.

Die Pflügers sind sehr zufrieden mit Theresas Arbeit: „Wir haben angeboten, sie direkt anzustellen, damit sie mehr Geld bekommt.“ Doch das wollte Theresa nicht. Pflügers bezahlen jetzt 2.100 Euro monatlich an die Agentur, bei der Theresa angestellt ist. Davon bekommt Theresa nicht einmal ganz die Hälfte, sondern nur 1.000 Euro. Der Rest des Geldes bleibt bei der Agentur. Pflügers wollen sie nun wechseln.

Wenn die ältere Dame schläft oder in der milden Frühlingssonne döst, ist Wioleta oft im großen Garten der Familie. Sie kniet dann vor dem Blumenbeet, jätet Unkraut oder pflanzt kleine Primeln. Oder sie kümmert sich um das Beet hinter dem Haus, setzt dort Salatpflänzchen, Karotten und Bohnen ein. „Das ist meine Erholung“, sagt sie. Dann genießt sie die Ruhe und erholt sich von den oft anstrengenden Nächten.

Täglich telefoniert Wioleta mit ihrer kleinen Tochter, wünscht ihr eine gute Nacht. Sie vermisst sie sehr.

Am späten Nachmittag stellt sie sich dann in die Küche, schneidet Gemüse und Fleisch. Meist kocht sie ländlich-polnische Gerichte. Für die ältere Dame, die sie pflegt, püriert sie das Essen oder schneidet es ganz klein. Dann setzt sie sich neben sie und füttert sie geduldig, Löffel für Löffel und Schluck für Schluck.

Wioleta erzählt der Familie, sie bekäme für einen Monat Arbeit 1.100 Euro. Das hat ihr die Vermittlerin so mündlich mitgeteilt. Die Familie überweist an die polnische Partnerfirma der Vermittlungsagentur jedoch monatlich 1.600 Euro. Was geschieht mit dem Rest? Die Vermittlerin schiebt es auf die Versicherung. 500 Euro Versicherung im Monat? Das glauben sie nicht. Außerdem ist Wioleta doch in Polen versichert.

Ein Drittel bis Hälfte an die Agenturen?

Ausländische Pflegekräfte müssen nach den gleichen sozial- und arbeitsrechtlichen Bestimmungen beschäftigt werden wie deutsche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Dann begrüßt das auch die Bundesregierung. Karl-Josef Laumann sagt über die polnischen Pflegekräfte: „Ich finde, wenn ihre Beschäftigung offiziell angemeldet und vernünftig und fair geregelt ist, sind sie nicht nur für die Pflegelandschaft eine Bereicherung. Das heißt: Sie müssen fair bezahlt, sozial-, kranken-, unfall- und haftpflichtversichert und selbstverständlich gut untergebracht werden.“

„Und zwar nach deutschen Maßstäben“, das fügt er ausdrücklich hinzu.

Nun stellt sich die Frage, ob 1.100 Euro eine angemessene Bezahlung für Wioleta darstellen, wenn man bedenkt, dass sie zwei Monate lang 24 Stunden am Tag abrufbereit ist.

Doch sie selbst beklagt sich nicht. Zu Hause in Polen könnte sie in diesem Beruf monatlich nicht so viel verdienen. Ein Lehrer, erzählt sie, verdiene dort im Monat umgerechnet 500 Euro.

Theresa, die Pflügers demente Mutter pflegt, habe sich in ihrer Zeit als Pflegekraft in Deutschland mit ihrem Mann einen bescheidenen Reichtum anhäufen können, wie Pflüger berichtet.

Dann die Rüge der Vermittlerin an Wioleta. Es sei ihr verboten, über ihr Gehalt zu sprechen. Sollte dies noch einmal vorkommen, gelte dies als Vertragsbruch. Denn der Vertrag besagt, dass sie eine Strafe von mehreren Tausend Euro zu zahlen habe, falls sich herausstellen sollte, dass sie mit der Familie, oder sonst irgendjemandem, über ihren Verdienst gesprochen hat. Wioleta hat Angst. Angst davor, einen Betrag bezahlen zu müssen, der so hoch ist, dass sie ihre Familie davon ein Jahr lang ernähren könnte.

Eine lupenreine Einschüchterungstaktik, denkt sich die Familie, ein sittenwidriger Vertrag.

Der Vertrag spricht gar nur von 50 Euro Lohn

Für die polnischen Pflegekräfte, die häufig eine 24-Stunden-Betreuung anbieten, gibt es zwei Modelle: das Angestelltenmodell und das Vermittlungsmodell. Das Vermittlungsmodell ist weit verbreitet. Die Pflegekräfte melden sich bei einer Agentur an und werden dann an eine Familie vermittelt, die sich ebenfalls an die Agentur gewendet hat. In der Regel sind die Pflegekräfte dann zwei oder drei Monate in der Familie, bevor sie wieder eine Zeit lang nach Hause fahren. In dieser Zeit kommt dann eine andere Pflegekraft, damit die Familie immer versorgt ist. Für die Pflegekräfte bietet das Modell einige Vorteile. Sollte die zu pflegende Person sterben, können sie sofort an einen neuen Kunden weitervermittelt werden. Sind sie bei einer Familie angestellt, ist das schwieriger. Deswegen hat auch Theresa das Angebot einer Anstellung bei der Familie abgelehnt. Durch das Vermittlungsmodell ist sie abgesichert.

Bleibt die Frage, was mit dem restlichen Geld passiert, das die Familien bezahlen, die Pflegekräfte aber nicht bekommen. Im Fall der Pflügers sind das monatlich 1.100 Euro, in Wioletas Fall „nur“ 500 Euro.

Wioleta hat mittlerweile in Erfahrung gebracht, dass in ihrem eigenen Vertrag steht, dass sie für einen Monat Arbeit nur knapp 200 Zloty bekommen soll. Das sind nicht einmal 50 Euro.

Sie raucht ohnehin viel, doch jetzt raucht sie noch mehr. Sie steht draußen auf der Terrasse, es ist bitterkalt, und raucht eine selbst gestopfte Zigarette nach der anderen, telefoniert mit ihrem Mann. Sie müsse noch einmal mit der Vermittlerin telefonieren, sagt sie der Familie.

Wioleta spricht gebrochen deutsch. Das, was sie kann, hat sie sich selbst beigebracht. Sie spricht in Infinitiven, sucht oft nach den richtigen Worten. Wenn man langsam spricht, versteht sie das meiste. Sie kann sich verständigen, wenn es auch manchmal mehrere Anläufe braucht.

Am Tag von Wioletas Abreise stirbt auch die alte Frau

Die Vermittlerin, sagt Wioleta, sei beim Unterschreiben des Vertrags sehr in Eile gewesen: „Alles ging schnell, schnell.“ Wioleta sei in ihr Büro gekommen, sie habe telefoniert. Sie habe sie gedrängt, den Vertrag schnell zu unterschreiben, ohne ihn vollständig durchzulesen. Fragen würden später geklärt, sie habe jetzt keine Zeit dafür, erklärt sie Wioleta. Und Wioleta unterschreibt. Was sollte sie auch anderes tun? Sie bekommt eine Kopie des Vertrags und kommt erst später dazu, sich durchzulesen, was sie in dem Moment unterschrieben hat.

Am Telefon erklärt ihr die Vermittlerin, dass sie ihren Verdienst von 1.100 Euro natürlich bekomme, so wie es im Vorhinein mündlich abgemacht wurde. Warum dann 200 Zloty im Vertrag stehen? Auf Nachfrage möchte sich die Vermittlerin nicht zu den Finanzen oder dem genauen Ablauf der Vermittlung äußern.

Wioleta erfährt, dass eine ihrer Cousinen mit Mitte 30 wohl an Brustkrebs erkrankt ist. Sie muss nach Hause, mit ihr zum Arzt, sich um sie kümmern. Am Tag ihrer Abreise stirbt auch die alte Frau. Es ist ein schwerer Abschied für alle. Später erfährt die Familie, dass Wioleta ihr Geld wie abgemacht bekommen hat und der Verdacht auf Brustkrebs bei ihrer Cousine sich nicht bestätigt hat.

Wioleta bleibt nun für eine Weile zu Hause bei ihrer Tochter. Mit dem Geld, das sie verdient hat, können sie einige Zeit leben. Dann wird sie ihren Mann für ein paar Monate nach Deutschland schicken, damit wieder etwas Geld in die Kasse kommt. Und so wechseln sie sich ab und hoffen, dass sie irgendwann nicht mehr in fremden Zimmern in fremden Ländern leben müssen.

Ob Wioleta ihren vollen Verdienst nur bekommen hat, weil die Familie bei der Vermittlerin skeptische Nachfragen gestellt hat, wird sich wohl nie klären.

Info

Die Familie, in der Wioleta arbeitet, ist die Familie der Autorin. Die pflegebedürftige Dame ist ihre Großmutter. Wioleta kam als wildfremde Frau in das Haus der Familie und ging als Schwester im Herzen. Sie hat die Familie unterstützt, wenn wieder eine schlechte Nachricht über den Gesundheitszustand der Mutter und Großmutter sie erreichte. Am Küchentisch wurde oft gemeinsam über Wioletas Familie und deren Situation in Polen gesprochen. So kam es auch zu Diskussionen über die schlechten Bedingungen polnischer Pflegekräfte, woraufhin dieser Artikel entstand.

Theresa schrieb diese Reportage im Rahmen unseres ersten TONIC-Recherchestipendiums. Als Mentorin betreute Laura Diaz den Beitrag.


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