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Für *Kunstkenner

Ruhrpott-Männer #5: Tabledance? Kunst!

31. August 2014
Von Jule D. Körber

Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl: Jule D. Körber trifft in ihrer Wahlheimat Essen und drum herum viele Menschen. Die kuriosesten Begegnungen mit „Männern vonner Ruhr“ sammelt sie hier.

Lokalzeitungsredaktion in Duisburg, am frühen Nachmittag. Ein Mann kommt rein: knapp zwei Meter groß, solariumsrot, Hawaii-Hemd bis zum Ende des Brustkorbes aufgeknöpft, Goldkettchen, Lederjacke, Lacklederhose, Cowboystiefel mit Adlermusterung und Metallschuhspitzen, lange blonde Haare, geflochtener dünner Zopf, der Nacken darunter – ausrasiert. An fast jedem Finger ein fetter Ring, an manchen Fingern zwei. In seiner Hand – ein vergoldetes und mit Strasssteinen besetztes iPhone. Ihm folgt ein Mädchen, vielleicht 19, schwarze Langhaarperücke mit geradem Pony, hübsches, schneewittchenblasses Gesicht, roter Lippenstift, schwarz umrandete Augen, schwarzer Rollkragenpulli, der knapp über den Po geht, enganliegend, darunter eine Leggins, darüber schwarze Overknee-Stiefel, sie tänzelt von einem Bein aufs nächste und lächelt.

Der Solarium-Cowboy beginnt zögerlich und fast schüchtern: „Mir gehört die Tabledance-Bar da drüben beim Hauptbahnhof und ich habe Anfang nächsten Monats zehnjähriges Jubiläum. Und da dachte ich mir, ich mache mal was. Wir machen einen Benefiz-Abend, zugunsten der Kinderkrebsstiftung. Es kommen auch ein paar Duisburger Prominente, die Schrotthändler zum Beispiel. Und ich hatte ja noch nie was mit der Zeitung zu tun und ich dachte, sowas kann ja vielleicht in die Zeitung. Ist ja schließlich für die krebskranken Kinder und wir sind ja kein Puff, das denken ja immer viele. Die Mädchen machen ja eine Show.“ Seine Begleitung nickt eifrig und sagt: „Das ist Kunst.“


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