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Für *Eltern

Oma und Opa vs. Weichkäse

26. August 2014
Von Tom Rhein

Tom Rhein heißt eigentlich anders, ist 26 und lebt und wohnt an Rhein und Ruhr. Hier berichtet er von der Vorbereitung aufs erste Kind. Weil er seinem Nachwuchs noch keine digitale Identität schaffen will, bleibt er hier anonym.

Texte von Tom
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„Wie Ameisenfernsehen!“, denkt Tom, als er das erste Ultraschallbild in der Hand hält. Geht es nach seiner Familie, folgt jetzt der nächste logische Schritt. Dabei beschäftigen ihn gerade ganz andere Dinge. Teil 2 der Vater-Kolumne

Schwanger sein betrifft nur Frauen? Von wegen! Wir lassen einen werdenden Papa zu Wort kommen – in seiner Kolumne plaudert der Student Tom Rhein über Vaterfreuden und fiese Entscheidungsmomente.

Das erste Foto kostet 30 Euro und erinnert an das gute alte Bildrauschen aus den Neunzigern – Ameisenfußball. Ein Ultraschall-Bild ist bei der Erstuntersuchung keine medizinische Notwendigkeit, dem Arzt reicht das Abtasten als Schwangerschaftstest. Aber wir konnten in dem Moment einfach nicht „Nein“ sagen. Immerhin das erste Mal, dass wir unser Kind sehen dürfen. Denken wir so jedenfalls. Der Arzt ist außerdem so nett, den richtigen schwarzen Punkt zwischen den ganzen anderen zu markieren. Bei genauerer Betrachtung könnte er auch die Form einer Kidneybohne haben.

Dass die Arzthelferinnen noch so aus dem Häuschen sind und ich ihre Glückwünsche als ehrlich und herzlich empfinde, überrascht mich ein wenig. Sowas müsste sie doch mittlerweile eigentlich kalt lassen, oder? „Schwanger? Wow… Frau Müller bitte! Frau Müller bitte in Zimmer 2!“. Noch überraschender allerdings sind die Reaktionen unserer Familie und Freunde.

Wem sollen wir es aber überhaupt erzählen – und wann? Nur den engsten Freunden oder dem engeren Freundeskreis? Wer gehört eigentlich dazu? Sagt man es nur den Eltern oder auch den Geschwistern? Immerhin sollen die ersten drei Monate ja besonders kritisch sein. Lieber noch warten? Andererseits wollen wir ja auch niemanden belügen. Am Ende setzt sich dann die Euphorie durch: Wir erzählen es allen.

Die Reaktionen sind überwältigend. Es ist schon erstaunlich, wie viel Freude und Glück so eine Nachricht verbreiten kann. Alle sind vollkommen begeistert – trotzdem fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. Einige fühlen sich verarscht und frotzeln: „Haha, ja klar! Und wer ist der Vater?!“ Als wir cool bleiben und nur genüsslich lächeln, fällt ihnen dann die Kinnlade runter. Auch schön und besonders beliebt bei der Familie nach dem ersten Jubel: „Wow. Toll. Und wann wird geheiratet?“ Oder alternativ: „Ach wie schön. Dann zieht ihr ja jetzt wieder näher hierher oder?“ Während wir also noch fieberhaft versuchen, zwischen schwarzen und weißen Punkten unser Kind auf dem Ultraschall zu entdecken, planen Oma und Opa lustig unsere Zukunft. Es wird Zeit, da mal klarzustellen, dass uns gerade wesentlich mehr beschäftigt, wie wir die temporäre Streichung von Weichkäse aus dem Speiseplan verkraften.


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