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Für *Gender-Experten

„Der Sex ist nur das Gimmick“

7. Juli 2014
Von Fabienne Kinzelmann

Fabienne aus Dresden ist Autorin bei TONIC

Texte von Fabienne
[email protected]

Fabienne Kinzelmann

Mit quasinormal wollen Hildesheimer Studenten eine Webserie schaffen, die nah an ihrem eigenen Alltag dran ist – sexuelle Vielfalt und Künstlertum gehören dazu. Die letzte Szene ist schon im Kasten, jetzt fehlt nur noch das Geld. Mit Drehbuchautorin Fionna und Regisseurin Laura plaudern wir via Skype über das Vorhaben.

Quasi normal, das sind Lotta, Johannes, Malte und Merle (v. l. n. r.). Jede Figur ist an jemanden aus dem Drehteam angelehnt.

Quasi normal, das sind Lotta, Johannes, Malte und Merle (v. l. n. r.). Jede Figur ist an jemanden aus dem Drehteam angelehnt.

Ihr dreht eine Serie über „langweilige Lebensretter, hippe Fotografen, ideenlose Autoren und queere Erotikliteratur“, eure Hauptfiguren leben zusammen in einer WG und irgendwie geht es oft um Beziehungen und Sex abseits der „Norm“ – wird das also sowas wie ein deutsches „Girls“?

Fionna: Oh, ich habe „Girls“ noch gar nicht gesehen! Es steht aber ganz oben auf meiner Liste.

Laura: Die HBO-Serie „Looking“ ist unserer Serie ähnlicher. Wobei die Protagonisten dort ihre Daseinsberechtigung aufgrund ihrer Homosexualität haben. Bei uns ist die Sexualität nur das Gimmick.

Inwiefern?

Laura: Wir möchten unseren Alltag darstellen. Zeigen, dass sexuelle Viefalt bei uns längst dazu gehört.

Fionna: Schwule oder lesbische Charaktere in Serien sind selten unverklemmt, das Outing spielt immer eine große Rolle, dieses „OH GOTT, ich bin schwul!“. In unserem Umfeld erleben wir das anders.

Wunder der Technik: Beim Skype-Interview mit Laura (links – 22, studiert Szenische Künste) und Fionna (24, studiert Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus) versagte die Verbindung Berlin-Hildesheim nur ein Mal.

Wunder der Technik: Beim Skype-Interview mit Laura (links – 22, studiert Szenische Künste) und Fionna (24, studiert Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus) versagte die Verbindung Berlin-Hildesheim nur ein Mal.

Also wollt ihr damit für Toleranz werben?

Fionna: Wir wollen zumindest den Leuten zeigen, dass man damit auch locker umgehen kann.

Laura: Unsere Charaktere sind ja schon ein bisschen bekloppt, aber die freuen sich auch und leben damit.

In quasinormal zieht die kreuzbrave Merle in ihre neue WG – bestehend aus der überengagierten Lotta, Fotograf und Aufreißer Malte und dem von Schreibblockaden geplagten Autoren Johannes. Wie nah dran ist das jetzt an eurem wirklichen Alltag?

Fionna: Die Charaktere bestehen zu Teilen aus uns selbst.

Laura: Ich leugne das zwar meistens, aber eigentlich bin ich Merle; so ein bisschen spießiger halt. Vor drei Jahren kam ich - lange blonde Haare, Brille - zum Studieren nach Hildesheim, um irgendwas mit Theater zu machen. Mit den Leuten und der Uni hatte ich dann auch erstmal einen kleinen Kulturschock.

Fionna: Jede Figur ist an irgendjemanden aus dem Team angelehnt, am wenigsten ähnlich ist uns aber Malte: viel zu selbstsicher, viel zu erfolgreich.

Die sechsteilige Webserie quasinormal wurde bereits Ende Juni abgedreht, auch ein popschnulziger Titelsong – die Macherinnen nennen ihn „angenehm unhipsterig“ – ist schon fertig. Doch jetzt geht es an die Postproduktion, noch sind nicht alle Fahrt- und Cateringkosten gedeckt und auch der Launch wird noch mal ordentlich Kohle kosten. Auf der Crowdfunding-Plattform startnext kann man das Projekt noch bis zum 13. Juli 2014 unterstützen.


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