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Für *Offenbacher

Glitzernd nüchtern

9. Juni 2014
Von Louisa Zimmer

Louisa ist Autorin bei TONIC.

Texte von Louisa
[email protected]

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„Take your pleasures seriously.“ Das Debüt der fünf Frankfurter Newmen liegt irgendwo zwischen Pop, Garage und New Wave. Timm, Joerg und Joel erzählen im Interview von sauhässlichen Büsten und einem merkwürdigen Treffen mit Lou Reed.

Wie würdet ihr den Sound eurer Band beschreiben?

Timm: Glitzernd Nüchtern.

Was versteht ihr denn darunter?

Timm: Im Endeffekt gibt es zwei Grundaspekte unseres Sounds. Zum einen orientieren wir uns an der Verfahrensweise des Computers. Dem Computer ist eine sehr nüchterne und minimalistische Klangästhetik geschuldet. Über diesen Klangteppich legen wir dann schimmernde Farben. Gitarren, die psychedelisch sind, Gesang und reaktiver Text. Diese Komponente ist eher schillernd und glitzernd. So kommen wir auf zwei Aspekte. Einerseits die Nüchternheit des Stils, des Basses und auf das eher Schillernde der Gitarren, Stimmen und Synthesizer.

Hat eure Stadt Frankfurt diesen Sound beeinflusst?

Timm: Ich finde nicht, dass Musik an einen Ort gebunden ist. Das ist ja das Tolle an Musik, dass sie transferiert und international ist. Diese Sprache spricht jeder. Klar kann es einen bestimmten Sound einer Stadt geben, aber wir versuchen nicht darauf einzugehen.

Joerg: Die Stadt hat uns in gewissen Weisen unterbewusst beeinflusst. Frankfurt tritt durch Gegensätze in Vorschein. Einerseits hat man hier die Bankentürme, aber davor sitzen auch Arme. Das gibt’s in jeder Stadt, aber hier kommt das besonders zum Tragen.

Timm: Frankfurt ist auch eine Stadt der Künstlichkeit.

Woher habt ihr die Statue auf eurem Albumcover?

Joerg: Das ist eine Büste aus dem Schlafzimmer meiner Eltern, ich kann mich sogar noch daran erinnern, wie ich die gekauft habe. Die haben wir genommen, ins Fotostudio gepackt und bearbeitet.

Timm: Das ist wirklich eine potthässliche Büste. Sie sieht aus, als ob sie mit dem Kopf gegen die Wand gefahren wäre, die ist total verdäscht und sauhässlich. Eigentlich müsste man loslachen, wenn man die sieht. Es gibt nur einen Winkel, in dem die Büste normal aussieht. Den haben wir stundenlang gesucht, dann abfotografiert, verzerrt. Die Frau auf dem Cover ist eine Italienerin, die was mit Napoleon Bonaparte hatte.

Was bedeuten eigentlich die Buchstaben in dem CD Booklet?

Alle: Premiere! Du bist die Erste, die das fragt.

Joerg: Es ist eigentlich ganz einfach, das Inlet beherbergt auf der einen Seite nur Konsonanten und auf der anderen Seite nur Vokale. Wenn man diese zwei Textblätter übereinander legen würde, würde ein Gedicht rauskommen. Bestehend aus Songteilen der Songs. Irgendwo ist es natürlich nur ein Gimmick, das zum Spielen einlädt. Wer es will, kann es probieren und entziffern.
Bei der Vinyl-Edition der Platte ist dieses Booklet auf Transparentpapier gedruckt. Die Seiten kann man übereinander legen, dann kommt der Text zum Vorschein. Es ist auch ein persönliches Anliegen, dass unser Album auf Vinyl erscheint, solange das noch geht. Wir haben alle Plattenspieler und sind teilweise audiophil. Es gibt dem Ganzen eine gewisse Wertigkeit. Natürlich wird die Platte auch auf CD und als Download veröffentlicht, aber es ist ein besonderes Gefühl, seine eigene Platte aufzulegen.

Wie seid ihr auf das Plattenlabel Fisherman Records aus Offenbach gestoßen?

Joerg: Das Label ist auf uns gestoßen. Dahinter verbirgt sich ein junger Kerl aus Offenbach, der viel Idealismus mit sich bringt und an unsere Musik glaubt. Das Label ist genau wie wir gerade im Aufbau und es ist sehr schön, mit ihm zusammen zu arbeiten. Es ist sehr familiär und es gibt nichts Schöneres für einen Künstler, wenn er machen kann, ohne von außen dauernd gesagt bekommt „Mach das mal ein bisschen anders oder so“. Wir können wirklich wir selbst sein.

Wenn ihr mit einem Musiker, lebend oder tot, essen gehen könntet, wer wäre das?

Joel: Wenn wir uns einen Lebenden aussuchen müssten, würden wir mit Kevin Parker von Tame Impala Abend essen gehen. Der ist ein sehr interessanter Mensch und guter Musiker. Bei Toten gibt’s Tausende, mit denen man sich hinsetzen könnte. Mich würde Jim Morrisson interessieren.

Joerg: Lou Reed. Aber den hat Timm sogar schon getroffen.

Timm: Ja, der hat einen Bildband in Frankfurt vorgestellt. Am ersten Abend habe ich es verpasst und am nächsten Tag erfahren, dass er noch einen Termin hat. Da waren nur fünf Leute und vorne hat er seine Gedichte vorgetragen, vor so wenigen Leuten. Danach bin ich mit einer Special Edition von Velvet Underground & Nico zu ihm hingegangen, die hatte statt der gelben Banane eine grüne drauf. Ich bin mit der grünen Banane hingegangen, wollte, dass er darauf unterschreibt und er schreit mich nur an „What the fuck is this, what about the green banana, did you make this?“ Ich hab ihm versucht zu erklären, dass es nur die offizielle Version ist. Aber er meinte nur „No, it's a bootleg, you made this. I hate this“. Da hat er mich total angeschissen, weil er dachte, dass ich sie raubkopiert und einen Bootleg daraus gemacht hatte. Er wusste gar nicht, dass es die Platte mit einer grünen Banane drauf gibt. Lou Reed halt. Als ob ich Raubkopien vertreiben würde. Wenigstens hat er sie am Ende noch unterschrieben.

Das Album Rush Hush von Newmen ist bei Fisherman Records erschienen.


Kommentare

JanaAm 7. Juli 2014

TOLLE BAND!!!