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Für *Gitarrenschüler

„Ich habe mich zu sehr im Kreis gedreht und davon musste ich kotzen“

9. Mai 2014
Von Franziska Gromann

Es gibt wenige Künstler, die kreischende Teenies und kulturinteressierte Mittzwanziger gemeinsam in einen Raum bringen und diese dort auch noch für über anderthalb Stunden gut unterhalten. Maeckes, 'a nice guy playing the gitarre', wie er auf einem Weimarer Programmflyer angekündigt wird, kann das. Sein Geheimnis versuchten wir im Interview herauszufinden.

Ein freundlicher Mann mit Gitarre in Weimar

Ein freundlicher Mann mit Gitarre in Weimar

Wie ist die Idee der Gitarrenkonzerte entstanden? Denn eigentlich kommst du ja – durchaus erfolgreich – aus dem Hiphop-Bereich.

Meine Entwicklung hat sehr, sehr klar mit Hiphop angefangen. Freestyle-Rap, um genau zu sein. Damals gab es für mich nichts anderes, aber irgendwann habe ich mich in dieser Themenwelt zu oft im Kreis gedreht und davon wurde mir schwindlig und ich musste kotzen. Als Folge daraus habe ich mich sehr früh, dann aber auch sehr krass distanziert, weil ich vieles, was in Sachen Hiphop so abging, einfach nicht nachvollziehen konnte, aber gleichzeitig Hiphop stets die Musik war und sein wird, die ich am meisten fühle. Es war immer Ratio gegen Bauch: mein Bauch hat gesagt 'hey, das ist super' und mein Kopf hat gesagt 'das ist völliger Mist – was reden die?'. Aus diesem Konflikt heraus versteht man aber sicher auch, dass ich wieder zurückgekommen bin zum Hiphop. Und inzwischen gehe ich einfach dahin, wo ich mich wohl fühle, wo ich kreativ bin und achte nicht so sehr auf die Etiketten. Natürlich ist mir bewusst, dass ich nicht mehr puristisch Hiphop mache, aber im Endeffekt weiß ich auch: Wenn ich irgendetwas anderes machen würde, dann würde ich mich selbst belügen. Und so gehe ich dahin, wo ich denke, dass ich hingehen muss, auch wenn die Wege manchmal komisch sind.

Und welche Wege haben dich dann zu den Gitarrenkonzerten geführt?

Ich wollte mich reduzieren, denn ich hatte zum einen das Gefühl, dass ich langweiliges Zeug mache und zum anderen, dass ich die Leute nicht mehr erreiche. Und auch bei den Konzerten, die immer größer werden, sodass man gar nicht mehr jeden sieht. Dem wollte ich etwas entgegensetzen und es schaffen, meine kleinen, traurigen Liedchen in einer Form zu präsentieren, in der man sehr viel gemeinsam lacht. Also habe ich überlegt, wie ich mich reduzieren kann: Ich bin sehr unmusikalisch, mit 13 habe ich mal ein halbes Jahr lang Gitarre gelernt, aber so richtig gut spielen, oder auch richtig gut singen konnte ich noch nie. Trotzdem habe ich die Gitarre mal wieder in die Hand genommen, aber stets nur als Performance. Das hat sich dann weiterentwickelt und ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich so viel mehr auf den Moment reagieren kann, auf das Publikum und dessen Antwort auf mich.

Wie muss man sich so eine Interaktion mit dem Publikum vorstellen? Wird alles improvisiert?

Grundsätzlich gibt es natürlich einen Rahmen für die Show, aber der ist kein Korsett. Das sind dann immer kleine Liedchen, die eben gerade im Moment entstehen. Ich sehe ja das Publikum – ein bisschen Saallicht habe ich immer an – und wenn dann jemand zum Beispiel pinkeln gehen muss oder so, kann ich auch darauf reagieren. Und dieses offene Interaktion macht es dann auch spannend für mich.

Als du zum ersten Mal diese Veranstaltungen gemacht hast, fanden sie im noch viel kleineren Rahmen statt. Was hat sich inzwischen geändert?

Dieses Jahr waren es tatsächlich jedes mal mehrere Hundert, die zu den jeweiligen Konzerten gekommen sind. Auf der letzten Tour hingegen waren es jeweils nur so 100 bis 150 und versuchsweise hatten wir das Abschlusskonzert in Stuttgart größer gemacht, um auszuprobieren, ob das überhaupt funktioniert. Ich hatte davor echt Angst, dass es unglaublich unprivat werden würde und das Intime der Konzerte verloren geht.

Natürlich hat sich dadurch die Dynamik geändert, es ist nicht mehr so, dass mir die Leute auf dem Schoß sitzen, aber auch wenn mehrere hundert Leute im Publikum sitzen, ist es mir ganz wichtig, dass es den Geist dieser Intimität behält, auch wenn der jetzt weitaus theatralischer rüberkommt, durch die klar abgegrenzte Bühne, das Bühnenbild, und so weiter.

Welche Themen sprichst du auf der Bühne in deinen Songs an und welche sprichst du bewusst nicht an?

Ein sehr präsentes Thema ist Gier, dazu habe ich auch einen Song, dann Erfolg und wie alles erfolgsorientiert ist. Gerade weil die Gitarrenkonzerte ja als Gegenentwurf dazu gestartet sind und nun selbst so einen großen Erfolg haben. Und schließlich geht’s noch um den Tod. Ganz schön viel. Ich bin nicht explizit politisch. Ich versuche mir den Zeigefinger wegzutrainieren und vielleicht eher mal den Mittelfinger zu zeigen, oder manchmal auch verschämt ein Peacezeichen. Dieses ganze Zeigefingergehabe finde ich schwierig. Musik und sehr klare Themen feiere ich nicht wirklich ab. Ich mag, wenn Musik zum Denken anregt, wenn sie abstrakte Elemente enthält, also immer noch Raum zum Atmen hat und nicht zu einer Diskussion mit Musikuntermalung wird. Abgesehen davon kann ich aber fast alles auf den Konzerten ansprechen. In diesem Klima kann man über schlimme Sachen reden und wir lachen trotzdem gemeinsam.


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