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Für *Käppi-Träger

Base-Cap on – Base-Cap off

7. März 2014
Von Helene von Schwichow

Helene aus Berlin ist Plattenspieler-Redakteurin bei TONIC

Texte von Helene
autor@tonic-magazin.de

Helene von Schwichow

Die bulgarische Rapperin DENA veröffentlicht ein Debütalbum mit ordentlich tanzbarem 90ies-HipHop, Pop und Balkanbeats. Ein Gespräch über die Berliner Hipster-Szene und den Soundtrack einer Jugend in Bulgarien.

DENA kommt manchmal vom Block. Hier nicht.

DENA kommt manchmal vom Block. Hier nicht.

Hey! Dein Debütalbum erscheint am 10. März bei deinem eigenen Label, warum?

Im Endeffekt geht es nur um die Master-Rechte, über die ich gerne selbst verfügen möchte. Es ist sinnvoll, das ganze firmenintern zu halten und so alle kreativen Entscheidungen selbst treffen zu können. Es ist allgemein heutzutage ein sehr smarter Move, Musik selbst zu veröffentlichen.

Ein smarter Move?

Die Zeiten, in denen die Millionendeals abgeschlossen wurden und megaviel in Künstler investiert worden ist, sind glaube ich vorbei. Es gibt auf der einen Seite die krassen Major-Labels und auf der anderen Seite diese DIY-Kultur, die ganzen Underground-Künstler. In der Mitte stehen die Indie-Labels, klar. Ich wollte einfach versuchen, das alles selber zu machen. Und ich versperre mir dadurch nicht den Weg für das zweite Album oder das dritte... Wenn Jay-Z dann anruft, kann ich mein zweites Album mit ihm releasen (lacht).

Auf FLASH hört man HipHop, Pop und Balkanbeats. Trifft das auch deinen persönlichen Geschmack?

Im Endeffekt schon, ja. Auf dem Album sind schon sehr unterschiedliche Songs dabei. Ein Freund von mir sagt, ich bin immer so „Basecap on – Basecap off.“ Das stimmt irgendwie. Ein Track ist immer so „Yo - Rap“, und dann kommt wieder ein Popsong.

Du lebst in Berlin, stammst aber aus Bulgarien. Was hört man als bulgarischer Teenager für Musik?

Viel R'n'B und MTV-Musik (lacht). Ich hatte alle möglichen Phasen. Es gibt in Bulgarien aber so krassen Pop-Folk, Chalga, der dort alle möglichen Musikrichtungen geprägt hat. Das ist eigentlich sehr ehrliche, von den Balkanbeats geprägte Musik, die aber super oft unglaublich trashig, entweder mit Plastikinstrumenten oder schlechten Aufnahmen umgesetzt ist. Und dann gibt es natürlich eine Menge halb-nackter Solo-Sängerinnen. Da wird viel mit einem Luxusbegriff gearbeitet, der mit der Umgebung total kollidiert.

Über dich wurde geschrieben: „She’s so now, she appears to be criticising the Hipster-mind-set." Du bist schon einerseits eine Leitfigur dieser Berliner Hipster-Szene, scheinst sie aber von innen heraus total zu durchblicken und kritisch sehen zu können.

So komme ich mir eigentlich auch vor. Ich gehe nicht so viel aus, aber ich bin hier. Und ich habe für FLASH sehr viel beobachtet und mir meine Gedanken gemacht und es stimmt, dass ich auf der einen Seite total drin bin, aber gleichzeitig immer versuche herauszuzoomen.

Deine Texte handeln sehr viel von persönlichen Beziehungen. Ist das ein Gesamtkonzept auf dem Album?

Wenn ich einen Text schreibe, bedeutet das, dass ich mir schon sehr lange Gedanken über eine Sache gemacht habe. Der Text entsteht dann aber total spontan. Das Album ist schon mehr oder weniger aus einem Guss entstanden. Deswegen habe ich auch beschlossen, dass diese Songs jetzt das Album sind, weil das Ganze irgendwie Sinn gemacht hat.

Gibt es eine Message?

Wir leuchten im Dunkeln!

Deine Muttersprache ist Bulgarisch, du lebst in Deutschland, warum ist Englisch die Sprache deiner Musik?

Ich habe das Gefühl, dass sich auf Englisch meine Gedanken am besten komprimieren lassen. Dazu kommt natürlich, dass wirklich viele Menschen Englisch verstehen.

Ich habe gelesen, dass du dich selbst als „Word-Explorer“ bezeichnest. Warum hast du die Musik als Medium für deine Texte gewählt und kein Buch geschrieben?

Das erschien mir sinnvoll, weil ich mich auch für Audioproduktion interessiere. Und ich singe auch schon seit langem und spielte in Bands. Wenn man es genau nimmt, war die Musik zuerst da und dann kam der Text, wobei der Text irgendwie mein Tool ist, womit ich hauptsächlich arbeite.

Zum Schluss noch eine Frage zu deinem Youtube-Hit „Cash, Diamond Rings, Swimming Pools.“ Bist du froh, ein Teil der Youtube-Hype-Ära zu sein?

Besser als einen Sack VHS-Kassetten bei MTV vorbeizubringen!

 

Interpret: DENA

Albumtitel: Flash

Erscheinungsdatum: 10. März 2014


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