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Für *Spielkinder

Und plötzlich bin ich verflucht

14. Januar 2014
Von Alexander Wolff

Alexander aus Lüneburg ist Autor bei TONIC

Texte von Alexander
autor@tonic-magazin.de

Alexander Wolff

Mysteriöse Anrufe, verkohlte Briefe und Geister aus der Vergangenheit: Mit wohldosierten Adrenalinschüben sollen die Erlebnisgeschichten des Unternehmens Thadeus Roth den Alltag etwas spannender machen. "Sudden Life Gaming" nennt sich das im Fachjargon. TONIC-Autor Alexander Wolff hat es ausprobiert.

Grüße aus der Vergangenheit?

Grüße aus der Vergangenheit?

„Werter Herr Wolff,
in meinem Auktionshaus wurde ein erfolgreiches Gebot zu Ihren Gunsten abgegeben. Der fällige Betrag von CHF 16,66 ist bereits bar eingegangen. Das ersteigerte Objekt wird in den nächsten Tagen an Sie verschickt.“

Die Geschichte, die mich die nächsten Wochen meines Lebens begleiten soll, beginnt mit einer geheimnisvollen E-Mail. Neugierig tippe ich den Namen des Auktionshauses bei Google ein. Eine Webseite erscheint, doch worum es sich handelt bei jenem „zu meinen Gunsten ersteigerten Objekt“, kann ich nicht herausfinden. Also erwidere ich die Mail und frage, was für ein Schmuckstück da zu mir unterwegs sei und wer es für mich ersteigert hat. Die kryptische Antwort: "Manchmal suchen sich die Dinge ihre Besitzer selbst."

Wenige Tage später erhalte ich einen Brief, darin ein Verlobungsring aus dem 14. Jahrhundert. Die Geschichte, in die ich hineingeraten bin, wird mir immer rätselhafter. Doch damit fängt das Abenteuer erst an: Plötzlich erhalte ich Anrufe, am anderen Ende der Leitung melden sich Stimmen, die sich als mysteriöse „Geister der Vergangenheit“ ausgeben. Verflucht soll ich sein. Ein paar Tage darauf erhalte ich einen Umschlag mit einer Postkarte und verschiedenen Briefen drin. Es handelt sich um den Briefwechsel eines Liebespaars; offenbar lag mein Fluch einst auch auf ihnen...

Danach passiert lange Zeit nichts.

Eines Tage sitze ich in der Bibliothek und schreibe an meiner Abschlussarbeit. Es ist Samstag. Der Wind pfeift, draußen ist Sturm. Plötzlich erhalte ich eine Mail. Eine Frau meldet sich bei mir: Sie könne mich von dem Fluch befreien, wenn ich ihren Anweisungen folge. In den Stunden darauf überschlagen sich die Ereignisse. Die Antwort liegt in den Briefen! Am Ende kann ich das Rätsel tatsächlich lösen und mich vom Fluch befreien.

Rätseln nach Feierabend

Klingt, als hätte ich dramatische Wochen hinter mir. Zumindest, wenn ich nicht von Anfang an gewusst hätte, dass alles nur ein Spiel ist. Ich spiele eine Erlebnisgeschichte von Thadeus Roth, die für vier bis sechs Wochen den schnöden Alltag ein klein wenig spannender macht. Die Dosierung kann ich selbst wählen: Damit die Erlebnisgeschichte nicht stört, kommen die Anrufe stets in einem von mir festgelegten Zeitfenster. Wann genau sich wieder etwas ereignet in der Spielwelt, weiß ich natürlich nicht. Tatsächlich verstehen es die Macher, mich so sehr zu überraschen, wie es innerhalb abgesteckter Zeiten nur möglich ist.

Hinter der Dramaturgie steckt ein genaues Konzept: Zwar ist das Spielerlebnis mit langen Pausen nicht so intensiv wie ein Horrorfilm, doch dafür hat man über Wochen etwas davon. Die Idee: Die kleinen Rätsel sollen eine Weile den Alltag würzen, ohne dass Studium oder Job währenddessen vernachlässigt werden müssten. Man spielt allein, nicht gegen andere. Wie stark ich mich im Spiel engagiere, ist meine Sache. Die Macher reagieren auf das individuelle Verhalten der Spieler. Je nachdem, wie sich ein Spieler verhält, kann ein Geschichte ganz andere Wendungen nehmen. "Wir haben gelernt, dass unsere Spieler sich sehr unterschiedlich verhalten. Deswegen müssen wir immer Sicherheitsnetze stricken und die Geschichten auf unterschiedliche Ebenen erzählen," sagt Geschäftsführer Dennis Levin.

Das Angebot wächst

Spannend ist das Ganze nicht zuletzt wegen der liebevoll gestalteten Devotionalien. Versengte Postkarten und vergilbte Briefe finden sich in meinem Briefkasten. Das meiste davon entsteht in Handarbeit. "Wir kokeln noch selbst", sagt Levin. "Es ist uns sehr wichtig, dass es wirklich eine Geschichte zum Anfassen ist." Das Auktionshaus, mit dem das Abenteuer beginnt, hat sogar seine eigene Webseite.

Thadeus Roth entstand aus einem Geburtstagsgeschenk, das die Gründer Nicolas Wiethoff und Dennis Levin einem Freund zum Dreißigsten machten. Sie wollten ein Präsent, das nicht einfach nur übergeben werden konnte – es musste schon etwas spektakulärer sein. So entstand die erste Erlebnisgeschichte, mittlerweile sind weitere dazugekommen. Nicht nur Gruselgeschichten, sondern auch Krimis, Musikstorys und Märchen sind im Sortiment. Die Entwicklung einer neuen Geschichte braucht aber Zeit. Derzeit wird an einem Kinderabenteuer gearbeitet.

„Geeignet für Personen von 9 bis 99 Jahren“ versprachen einem früher die Verpackungen von Brettspielen. In Zukunft wird womöglich das „Sudden Life Gaming“ den Abenteuerbedarf für alle Alters- und Interessensgruppen bedienen. Schon jetzt ist es eine Alternative für alle, die nicht länger bloß mit einem Würfelbecher oder einer Tastatur spielen möchten.


Kommentare

ClaudeAm 13. Februar 2014

Klingt wie in dem Film "The Game".... :-)