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Für *Vielflieger

Musikalisches Pingpong

10. Oktober 2013
Von Louisa Zimmer

Louisa ist Autorin bei TONIC.

Texte von Louisa
autor@tonic-magazin.de

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Der Funk der Zukunft ist international: Der amerikanische Produzent Chief XCel und der französische Keyboarder Hervé Salters haben sich für ihr gemeinsames Projekt „Burning House“ vor allem von Berlin inspirieren lassen. Im Interview erzählt Hervé von den Aufnahmen in drei verschiedenen Ländern und erklärt das musikalische Pingpong-Prinzip.

Hervé Salters

Hervé Salters

Herve, du kennst Chief XCel schon seit einigen Jahren, aber erst jetzt habt ihr ein gemeinsames Projekt in Angriff genommen. Warum?

Wir hatten diese Zusammenarbeit schon lange geplant. Aber weil wir ständig unterwegs waren, hatten wir für ein gemeinsames Projekt keine Zeit. Wir legten die ersten Songideen zurück. Vor zwei Jahren haben wir uns dann entschlossen, endlich zusammen ein Album aufzunehmen. Nachdem ich aus Kalifornien weggezogen bin, begannen wir mit den Aufnahmen, die größtenteils in Paris entstanden sind.

Ihr habt euer Album in drei verschiedenen Ländern aufgenommen, wozu dieser Aufwand?

Das war keine Absicht! Wir haben das Album an den Orten aufgenommen, an denen ich während dieser Zeit gelebt habe. Damit ich nicht ständig nach San Francisco fliegen musste, kam Chief XCel nach Berlin und Paris. Wir haben versucht, die Inspiration der unterschiedlichen Städte aufzusaugen: von den Vibes in Berlin bis zu dem San Francisco Funk, den wir schon vorher hatten. In Berlin haben wir die Arbeit an dem Album abgeschlossen. Da ist etwas sehr radikales und künstlerisch Außergewöhnliches an der Stadt. Das weckt das Verlangen in dir, mit deiner eigenen Musik so radikal zu sein, wie du kannst.

War es nicht sehr anstrengend, so oft den Ort zu wechseln?

Es war nicht wirklich schwer für uns. XCel und ich spielen überall Pingpong mit musikalischen Ideen. Wir bringen beide unser unterschiedliches Handwerk mit und tauschen uns aus. Es ist kein berechnendes Album, es versucht nicht, irgendeinen bestimmten Punkt zu treffen. Wir versuchen, den Spaß, den wir im Studio hatten, an den Hörer weiterzugeben. Die vielen Ortswechsel waren aufregend. Wenn etwas aufregend und neu ist, fühlst du dich wie ein Baby. Dann kannst du frischere Musik machen.

Hervé Salters und Chief XCel

Hervé Salters und Chief XCel

Wie und weshalb habt ihr euch für den Bandnamen „Burning House“ entschieden?

Ich spielte damals für eine andere Band Keyboard in einer Fernsehshow gespielt. Die Atmosphäre in dieser Band war verrückt, alle haben rumgeschrien und sind anderen an den Hals gesprungen. Als ich die Story XCel erzählte, meinte er: Hört sich an, als seist du in einem brennenden Haus gewesen! Zuerst war es eine Idee für einen Songtitel, jetzt ist es unser Bandname geworden. Die Musik ist so heiß, dass sie dein Haus abbrennen lässt.

Welche anderen Genres außer Funk sind in euer Projekt eingeflossen?

Es ist mehr als nur Funk, es ist ein sehr bunter und vielfarbiger Funk. Da sind viele andere Aspekte, besonders der Hip Hop in XCels Beats. Manchmal kannst du sogar freejazzen. Der Hörer wird ganz andere Stile darin finden. Es lässt dir viel Spielraum. Wenn du das Album zu Ende gehört hast, kannst du entscheiden, wonach es für dich klingt. Man kann das Album nicht in eine Schublade stecken. Wenn überhaupt, würde ich es ‚Future Funk‘ nennen.

Was passiert nach der Albumveröffentlichung im Oktober?

Wir sind seit September auf Tour in Großbritannien und Frankreich, nach Deutschland kommen wir vorrausichtlich Anfang nächsten Jahres. Wir geben aber richtige Konzerte, keine DJ-Sets. Auf der Bühne sind wir zu viert, wir werden von einem Bassisten und einem Schlagzeuger begleitet. Noch bevor wir überhaupt etwas veröffentlicht hatten, sind wir auf ein großes Festival in Paris eingeladen worden und dort aufgetreten. Das hat uns den nötigen Kick gegeben, um das Album zu beenden.


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