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Für *Straßenmusikanten

Kinder von Traurigkeit

27. Oktober 2013
Von Helene von Schwichow

Helene aus Berlin ist Plattenspieler-Redakteurin bei TONIC

Texte von Helene
autor@tonic-magazin.de

Helene von Schwichow

Sie finanzieren ihre Musik durch Crowdfunding und stehen auf Melancholie: Mit „Stripes“ veröffentlicht die junge Band Artwhy bereits ihr zweites Studioalbum. Anspielungen auf ihr Alter hören die Bandmitglieder aber nicht gerne.

Leonard, Pablo und Nils sind drei Typen um die 20, aus Berlin, die Musik machen. Klingt nach just another Indieboyband, nach tausendmal gehört. Und tatsächlich hört sich ihr aktuelles Album „Stripes“ wie ein klassisches Indie-Album an – allerdings wie ein gutes. In klassischer Rockbesetzung (Gitarre, Bass, Schlagzeug) mit Synthesizer aufgenommen, strotzt das Album vor jugendlicher Energie, die allerdings nie in Übermut ausartet. Zum Tanzen wird hier niemand animiert: Die nachdenklichen Texte und eine in den Melodien stets gegenwärtige Spur Tragik sorgen für die charakteristische Artwhy-Melancholie. Dabei reichen die drei Jungspunde offenbar bereits an die Branchenprimen des Indie heran: Ob das gerade The Whitest Boy Alive gewesen seien, haben sich Türsteher nach ihren Auftritten bereits beim Publikum erkundigt.

„Wir alle sind große Melancholie-Fans“

„In all unseren Songs schwingt Melancholie mit; sie sind oft düster und etwas diffus konstruiert“ sagt Sänger Leonard. „Wir alle sind große Melancholie-Fans“, ergänzt Bassist Pablo, allerdings mit einem Lachen.

Laut Selbstbeschreibung geht es auf „Stripes“ um „Modernität in Authentizität, Freiheit im Minimalismus und Mut zum Experiment“. Klingt kompliziert. Vor großen, weitgreifenden Selbstansprüchen schreckt bei Artwhy allerdings niemand zurück: „Als junger Mensch hast du ständig diese großen Themen im Kopf: Liebe, Freundschaft, Gesellschaft... Für uns ist Musik die perfekte Ausdrucksform dafür, weil sie unsere Gedanken anderen zugänglich macht ohne ein fester Rahmen zu sein.“

Vom Mauerpark ins Studio

Kennengelernt haben sich Leonard und Pablo bei Jam-Sessions im Berliner Mauerpark, seit drei Jahren spielen sie zusammen als Artwhy. Nils kam vor rund eineinhalb Jahren als Drummer hinzu. Für ihr zartes Alter haben die drei musikalisch schon viel erlebt; „Stripes“ ist bereits ihr zweites Album. Ihr Debüt „Wall Paint“ hatte die Band in London aufgenommen, danach auf zahlreichen Festivals gespielt und mit ihrem deutschsprachigen Song „Florestieren“ den Wettbewerb beim Treffen junger Musikszene der Berliner Festspiele gewonnen. Die Bandmitglieder selbst stört es aber, wenn diese Erfolge immer wieder im selben Atemzug mit ihrem Alter genannt werden: „Wenn Leute sagen: ‚Voll gut dafür, wie jung ihr seid!‘, heißt das dann, dass die Musik schlechter wäre, wenn wir älter wären?“, fragt Leonard. Gleichzeitig habe es auch viele Vorteile, so früh angefangen zu haben. Schon die Schule sei eine gute Plattform gewesen, um als Band Hörer zu gewinnen, die später auch zu den Konzerten kommen: „Irgendwann wusste einfach jeder: Der spielt doch bei Artwhy.“

Das Album „Stripes“ wurde durch Crowdfunding finanziert. Alternativ dazu hätten sie sich weiterhin als Straßenmusiker verdingen können, sagt Schlagzeuger Nils, „aber das hätte deutlich länger gedauert.“ Im kommenden Jahr planen Artwhy eine große Deutschlandtournee. Und sollte das nicht klappen: eine Straßenmusiktour.

Das Album „Stripes“ ist im September 2013 erschienen.


Kommentare

JohannaAm 30. Oktober 2013

Guter Artikel! Doch tanzen konnte ich auf dem Konzert von Artwhy in der Weissen Rose am Samstag sehr wohl! ;-) Dort hab ich sie entdeckt und fand sie richtig, richtig klasse.