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Für *Lobbyisten

Du sollst dir ein Bild machen

8. Oktober 2013
Von Claudia Flach

Fotos von Krebsgeschwüren auf Zigarettenschachteln, weg mit Schokogeschmack und Lipstickpackungen: Die EU will schärfere Regeln für Zigaretten, die Tabakindustrie sieht ihr Kerngeschäft bedroht. Gekämpft wird mit harten Bandagen – gut so, denn in Brüssel steht unsere Gesundheit zur Debatte.

161 Lobbyisten hat der Zigarettenhersteller Philip Morris auf die Abgeordneten des EU-Parlaments angesetzt. 161 Lobbyisten und ein Budget von 1,25 Millionen Euro. Der Konzern setzt derzeit alles daran, die anstehende Überarbeitung der Tabakrichtlinie in seinem Sinne zu beeinflussen. 130 Millionen Raucher machen das Geschäft in Europa besonders lukrativ. Allein Philip Morris erzielt auf dem Kontinent Milliardengewinne.

Nun will Brüssel den Marketingtricks der Industrie einen Riegel vorschieben: große Fotos von Krebsgeschwüren auf den Packungen, keine irreführenden Geschmacksrichtungen, keine besonders dünnen Blümchenzigaretten mehr für junge Frauen.

Die Tabakindustrie ist entsetzt und fürchtet, welch Ironie, um das Wohl der Kinder: Sollten die Schockbilder Wirklichkeit werden, könne man mit seinem Nachwuchs ja auch gleich in den Sexshop gehen oder sie sonntags vor den "Tatort" setzen. Da gebe es Leichen en masse. Geht es noch zynischer?

Dass Tabakkonsum die häufigste Todesursache in der EU ist, hören Tabaklobbyisten nicht gern. Viel lieber reden sie über Freiheit, über Markenrechte und Arbeitsplätze. Und über die neuen E-Zigaretten, die bei der Entwöhnung helfen sollen.

Gesundheitsexperten schlagen trotzdem Alarm: Unbemerkt kann Nikotin austreten, die Langzeitfolgen des Chemiecocktails sind nicht absehbar. Alles Panikmache und völlig unwissenschaftlich, sagt die Tabakindustrie. Aber was sollte sie auch sonst sagen? Einmal am Glimmstängel, immer am Glimmstängel – darauf spekulieren "Philip Morris" und Co. 94 Prozent aller Raucher beginnen ihre Sucht vor dem 24. Lebensjahr. Grund genug, ihnen jetzt die Augen zu öffnen. Ein Bild sagt ja bekanntlich mehr als tausend Worte.


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