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Für *Nachteulen

„Dank Wikipedia brauche ich keine Instrumente“

4. Oktober 2013
Von Louisa Zimmer

Louisa ist Autorin bei TONIC.

Texte von Louisa
autor@tonic-magazin.de

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Headliner auf dem Glastonbury, ein Song mit Kele von Bloc Party und jede Woche in einem anderen Land – so sieht der Alltag von Nick Douwma aka Sub Focus aus. Für TONIC hat sich der Brite Zeit genommen, um über seine untalentierte Schulband und den Wandel der Musikwelt zu sprechen.

Du bist seit 10 Jahren im Musikgeschäft, was hat sich seitdem für dich verändert?

Ziemlich viel. Am Anfang habe ich nur Underground House gemacht, mittlerweile ist meine Musik viel durchmischter: Ich schreibe Songs und mache Tanzmusik mit verschiedenen Tempi, wie Drum’n’Bass, Dubstep, House und viel mehr. Mein Stil hat sich sehr geändert. Gleichzeitig hat sich auch die Musikindustrie gewandelt. Meine ersten paar Singles kamen nur auf Vinyl raus. 2005 habe ich Musik auch digital und auf CD veröffentlicht. Die ersten Singles auf Vinyl haben sich noch über zehntausendmal verkauft; heute kaufen viel mehr Menschen Musik digital und streamen. Damals waren auch soziale Netzwerke nicht da. Nicht mal MySpace war angesagt.

Wie hast du den Weg zur Elektronik gefunden?

Zuerst war ich an Rockmusik interessiert, als Jugendlicher hatte ich meine erste Schulband. Später habe ich angefangen, Musik am Computer zu mixen. Ich konnte kein einziges Instrument besonders gut spielen, wollte aber trotzdem Musik machen – nur eben ohne Instrumente. Wie das funktioniert, hat mich Wikipedia gelehrt. Bands wie The Chemical Brothers und The Prodigy haben mich begeistert, später kamen Daft Punk dazu.

Was hast du in den letzten vier Jahren seit deinem letzten Album gemacht?

Ich arbeite seit drei Jahren daran, davor bin ich um die Welt getourt und habe viele Remixe aufgenommen. Ich nehme mir gerne eine Weile, um Songs zu schreiben. Kein gutes Album entsteht in ein paar Wochen. Als Künstler solltest Material sammeln, wieder verwerfen und von vorne anfangen. Am Nachmittag fange ich an, meine Musik aufzunehmen. Dazu lade ich verschiedene Künstler ein. In der Nacht arbeite ich an dem Material, was wir tagsüber aufgenommen haben. Ich schätze, ich arbeite nachts am besten. Dann gibt es weniger Ablenkung, niemand mailt mir oder ruft mich an.

Wie hast du die ganzen Künstler, die auf dem Album gefeatured sind, gefunden?

Alpines, die auf dem Track „Tidal Wave“ sind, habe ich durch gemeinsame Freunde kennengelernt. Kele von Bloc Party kenn ich über das Management. Wir haben angefangen, uns gegenseitig Musik zu schicken. Damals lebte er in New York, in London haben wir den Track aufgenommen. Andere kenne ich über das Internet, manche habe ich nie getroffen. Ich habe versucht, Leute zu finden, die etwas ungewöhnlich für Elektronik sind. Dadurch ist auch mehr Indie auf dem Album vertreten, so etwas findet man in meinem Genre normalerweise nicht.

Welche andere Musik begeistert dich?

Momentan höre ich viel House von Paul Woolford und Grimes aus Kanada. Außerdem mag ich gerade viel Hip-Hop, Künstler wie A$AP Rocky oder Kendrick Lamar. Hip-Hop findet sich allerdings nicht in meiner eigenen Musik wieder. Bei Ambient Musik, zum Beispiel von Brian Eno, ist das anders; davon habe ich durchaus Aspekte einfließen lassen. Ich habe einen sehr weit gefächerten Musikgeschmack.

Was machst du, nachdem die Festivalsaison beendet ist?

Ich bin fast jede Woche in einem anderen Land, als nächstes folgt allerdings erst mal eine große Tour in Großbritannien. Wir haben auch eine Dokumentation über die Technik hinter den Shows gemacht und ins Netz gestellt. Ende des Jahres sind wir auch in Europa und Amerika, danach geht’s nach Australien. In Deutschland habe ich noch keinen Termin, zum letzten Mal haben wir auf dem Rock’n’Heim gespielt. Diese Saison waren besonders das Reading&Leeds Festival sowie Glastonbury toll. Es gibt noch viele weitere Festivals, auf denen ich spielen will. Das Melt! soll sehr gut sein, auf das Lollapalooza in Kalifornien möchte ich auch einmal.

Das Album „Torus“ ist bereits auf Universal erschienen.


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