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Wie in den guten alten Zeiten, nur nüchtern

1. September 2013
Von Louisa Zimmer

Louisa ist Autorin bei TONIC.

Texte von Louisa
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Für das neue Album der Babyshambles ist Peter Doherty jeden Morgen um halb acht aufgestanden und hat konzentriert bis um fünf gearbeitet. Kaum zu glauben? Die Wahrheit sieht vermutlich anders aus und doch treten der Brite und seine Kollegen auf "Sequel to the Prequel" so diszipliniert und geordnet auf wie nie zuvor – mit hörenswerten Ergebnissen.

Das Cover stammt vom britischen Künstler Damien Hirst

Das Cover stammt vom britischen Künstler Damien Hirst

Es ist eine Rückkehr, an die nicht einmal die Bandmitglieder geglaubt haben. Doch anders als in den meisten Comeback-Fallen waren es nicht deren leere Bankkonten sondern ein Fahrradunfall des Bassisten Drew McConell, der der Wiedervereinigung der Babyshambles den Weg bahnte. Nachdem der Ire mehrere Monate brauchte, um das Laufen wieder zu erlernen, fasste er den Entschluss, ein neues Album mit seinen Bandkollegen aufzunehmen. Im Gespräch mit dem britischen NME verriet er, wie es zu dem neuen Album kam: "Es hat gedauert, bis ich bemerkt habe, dass ich eine begrenzte Zeit habe, in der ich mit dieser verdammt guten Band auf Erden bin. Ich kann ein paar gute Songs schreiben und wenn ich den Käfig der Anderen solange schüttele, bis sie rauskommen, warum zum Teufel sollte ich das dann nicht tun?" Mit dieser neuen Lebensenergie und neuen Songs im Gepäck fuhr er zu Peter Doherty nach Paris. Auch wenn die Bandmitglieder jahrelang nichts miteinander zu tun hatten, fühlt es sich für den Bassisten McConnell an "wie in den guten alten Zeiten, nur nüchtern."

Im Januar kommen die 'Shambles' für drei Konzerte nach Deutschland

Im Januar kommen die 'Shambles' für drei Konzerte nach Deutschland

In Paris wurde auch das Album "Sequel To The Prequel" mit Produzent Stephen Street aufgenommen. Dieser ist auch für Alben wie "Parklife" von Blur oder "Strangeways, Here We Come" von The Smiths verantwortlich. Street sorgte auch dafür, dass die Aufnahmen schnell und konzentriert ablaufen konnten. Was für andere Künstler selbstverständlich ist, war eine Herausforderung für Doherty. Der Sänger, der dafür bekannt ist, verspätet oder gar nicht bei Konzerten aufzutauchen, zeigte sich im NME beeindruckt von der Arbeitsweise Streets: "Wir haben das Album extrem schnell aufgenommen. Stephen hat nicht zugelassen, dass wir Zeit verplempern. Es ist eine sehr kraftvolle Platte geworden, die er uns quasi aus der Tasche gezogen hat." Vermutlich ist es dieser neuen Disziplin geschuldet, dass eine Art Ordnung in die Musik der Babyshambles eingekehrt ist. Wo die ersten beiden Alben chaotisch wirken, ist im dritten Album endlich eine Struktur erkennbar.

Die Babyshambles sind: Peter Doherty, Drew McConnell, Mick Whitnall

Die Babyshambles sind: Peter Doherty, Drew McConnell, Mick Whitnall

Das bedeutet nicht, dass das Album dadurch weniger spannend ist. Ganz im Gegenteil: "All killer, no filler" – nach dem Prinzip funktioniert "Sequel To The Prequel". Kein Lied wirkt fehl am Platz, die Babyshambles wissen, wie man gekonnt mit den Genres spielt und steigern sich von Lied zu Lied. Dabei erzählen sie stimmungsvolle Geschichten: Der Titeltrack "Sequel To The Prequel" erinnert an einen lustigen Abend im Pub, die Ballade "Farmer’s Daughter" an einen Ausflug aufs Land. Dohertys Gesang ist überzeugender als auf den Vorgängeralben der Babyshambles; doch die Qualität der Platte ist vor allem das Verdienst von Drew McConell. Nachdem er einen Großteil der Songs selbst geschrieben hat, half Doherty ihm bei den Liedtexten, Gitarrist Mick Whitnall bei der Musik. Nebenbei suchte er Produzenten und neue Schlagzeuger für die Band.

"Penguins" ist eine der größten Überraschungen auf dem Album. Doherty singt in Balladenform "We could see monkeys/We could see snakes/We could see penguins/ Ah penguins are great!" Der Track entwickelt sich letztendlich zu einem der schnellsten des Albums. Es sind diese Überraschungseffekte, die das Album auszeichnen.

Vermutlich werden die Babyshambles nie im selben Atemzug wie The Smiths oder Blur genannt werden. Dafür können sich die Briten auf die Fahne schreiben, dass sie als womöglich chaotischste Band der Welt ein großartiges Rockalbum gezaubert haben.

Das Album "Sequel To The Prequel" ist bei Warner erschienen.

Die Babyshambles sind auf Tour:

27.01.2014 – Köln

28.01.2014 – Berlin

29.01.2014 – Hamburg


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