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Ritterrock und fummelnde Fans

9. August 2013
Von Louisa Zimmer

Louisa ist Autorin bei TONIC.

Texte von Louisa
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Nachdem sie mit ihrem Album "Friends and Enemies" bereits die Bühnen Deutschlands erobert haben, bringen Abby mit "Blood and Water" jetzt ihre dritte Single heraus. Im TONIC-Interview sprachen Filou, Henne und Lorenzo über komische Konzerterlebnisse und Mittelalterrock.

Erzählen die Geschichten ihrer Freunde: Abby

Erzählen die Geschichten ihrer Freunde: Abby

Abby ist nicht nur euer Bandname, sondern auch ein außergewöhnliches Bandkonzept. Warum singt ihr aus der Perspektive eurer Freunde und nicht aus eurer eigenen?

Filou: Es ist zum gewissen Teil auch unsere eigene Perspektive, gerade weil es die unserer Freunde ist. Ich wollte einen neuen Rahmen schaffen, in dem ich die Songs schreibe. Es war eine interessante Idee, es gab dazu keinen bestimmten Beweggrund.

Welche Geschichten "erzählen" die Charaktere auf dem Album?

Filou: Unterschiedliche. Es fängt an, als Abby 16 Jahre alt ist und endet in der Gegenwart. Es ist wie ein Mosaik, es gibt keine stringente Zeitstruktur. Wir greifen Geschichten aus verschiedenen Zeiträumen auf, aus denen sie berichtet.

Wie haben die besungenen Freunde auf dieses Konzept reagiert?

Filou: Sie waren einverstanden, sogar froh darüber. Ob sie geehrt waren, weiß ich nicht, aber glücklich waren sie. Sie treten ja auch nicht unter ihren wirklichen Namen auf.

"Friends and Enemies" lautet der Albumtitel. Wer sind denn eure Feinde?

Filou: Es geht gar nicht darum, seine Feinde zu benennen. Es geht um die kleinstmögliche Einheit, also einen selbst, und darum, dass man mit sich selbst im Reinen ist. Besonders der Track "Monsters" greift das auf.

Euer Album habt ihr in London aufgenommen. Gefällt euch die Musikszene in London oder in Berlin besser?

Lorenzo: Das ist eine komplett andere Szene. Die Berliner Szene ist, das kann man nicht leugnen, sehr elektronisch geprägt. Die ersten Einflüsse für unsere Band stammen einfach aus England und nicht aus Berlin. London und Berlin kann man schlecht vergleichen, schließlich ist London ungefähr dreimal so groß wie Berlin.

Ihr werdet oft mit Indie-Bands wie Phoenix oder Two Door Cinema Club verglichen. Seid ihr mit diesem Vergleich einverstanden? Welche anderen Bands haben euch geprägt?

Lorenzo: Wenn wir von Bands sprechen, die uns inspiriert haben, sind wir stark von der Musik der Siebzigerjahre geprägt, von Bands wie Led Zeppelin oder The Doors. Auch aktuelle Bands wie Tame Impala haben Einfluss auf uns, die werden bestimmt mehrere zukünftige Bands prägen. Phoenix und Two Door Cinema Club sind zwei großartige Bands, aber wir tun uns relativ schwer damit, musikalische Vergleiche zu ziehen. Wir versuchen nicht den Weg einer Band mitzugehen, wir machen unser eigenes Ding.

Abby sind keine Schlagerfans.

Abby sind keine Schlagerfans.

Mit welchen Künstlern würdet ihr gerne einmal zusammen arbeiten?

Lorenzo: Ich würde gerne mit James Murphy vom LCD Soundsystem zusammen arbeiten.

Filou: Mit Thom Yorke.

Henne: Und ich würde mit Eek-a-Mouse.

Ihr kommt eigentlich aus der Klassik, macht mit Abby "Raverock". Einige Bandmitglieder probieren sich elektronisch. Welche Musik könnt ihr überhaupt nicht mehr hören?

Filou: Schlager, ich hasse Schlager.

Henne: Ich glaube, die größte Allergie haben wir gegen Ritterrock!

Lorenzo: Das heißt Mittelalterrock.

Henne: Oder einen gut einstudierten Funk!

Lorenzo: Auch als große Fans der elektronischen Musik können wir nichts mit Schranz anfangen. Das haben wir nicht gesagt (lacht)!

Welches war die erste Platte, die ihr gekauft habt?

Lorenzo: Meine erste Platte war "The Moment of Truth" von Gangsterr. Ich bin immer noch stolz drauf. Eines der geilsten HipHop-Alben überhaupt.

Filou: "Bad" von Michael Jackson

Henne: "The Roots & Erykah Badu"

Im Herbst seid ihr auf großer Deutschland-Tour. Welches war euer bislang verrücktestes Liveerlebnis?

Filou: Mein unangenehmstes Erlebnis war tatsächlich in Hamburg. Da haben wir vor Everything Everything gespielt. Direkt vor mir stand ein Pärchen. Sie hatte ein durchsichtiges Netzhemd an, das Licht hat auf ihren Busen geschienen, den man natürlich durchgesehen hat. Währenddessen stand ihr Partner neben ihr, hat um sie herum gegriffen, ich will das jetzt nicht vormachen, und für zwei Stunden einen Busen in der Hand gehalten. Everything Everything kamen danach zu uns und haben gefragt, ob die bei uns auch schon rumgefummelt hätten. Die standen die ganze Zeit wie angegossen da, das war auch eine sehr kleine Bühne. 30 Zentimeter entfernt vom mir im Molotow, das war absurd, wirklich absurd.

Ruht ihr euch nach der Tour aus oder strebt ihr die Weltherrschaft an? Was sind die nächsten Pläne?

Lorenzo:(lacht)Genau, die Weltherrschaft! Wer muss sich denn heutzutage ausruhen?! Als Nächstes veröffentlichen wir im Vereinigten Königreich bei einem kleinen Indielabel unsere EP. Das Album wollen wir auch im restlichen Europa und auf der ganzen Welt releasen. Demnächst haben wir auch ein paar Konzerte in Holland. Also gar nichts mit Ausruhen.

Welche aktuellen Platten könnt ihr unseren Lesern empfehlen?

Lorenzo: "Lonerism" von Tame Impala!

Filou: Das aktuelle Album von Alt-J. Die neue Moderat soll auch großartig sein!

Henne: Koze: "Amygdala"!

Lorenzo: Bonobo: "The North Borders"

Und unser Album! (lachen)

Danke für das Gespräch!

Das Album "Friends and Enemies" ist bei Universal erschienen.


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