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Für *Virtuosen

Es war einmal in Liverpool

15. Mai 2013
Von Louisa Zimmer

Louisa ist Autorin bei TONIC.

Texte von Louisa
autor@tonic-magazin.de

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Nachdem er Gitarrist bei der Indie-Band The Coral war und mehrere Soundtracks schrieb, veröffentlicht der Engländer Bill Ryder-Jones nun sein Debütalbum als Singer-Songwriter. Im TONIC-Interview schwärmt er von Deutschland und verrät Filmtipps.

Bill ist kein gewöhnlicher Singer-Songwriter

Bill ist kein gewöhnlicher Singer-Songwriter

Für welchen Film wäre dein Album "A Bad Wind Blows in My Heart" der Soundtrack?

Das ist eine gute Frage, darüber habe ich so noch gar nicht nachgedacht. Es wäre vermutlich kein Thriller, eher ein alternativer britischer Film. Ich denke dabei an einen Film, der in Nordengland während der Sechziger spielt, wir nennen das "Kitchen Sink Films".

Es gibt momentan unzählig viele Singer-Songwriter aus Großbritannien. Warum hast du dich dafür entschieden, auch einer zu werden?

Ich glaube, dass ich in meinem Album eine andere Art dieses Genres aufgegriffen habe. Ich sehe mich nicht wirklich als Singer-Songwriter, eher als Musiker. Manchmal singe ich selber, manchmal schreibe ich Werke für Orchester oder produziere für andere Bands. Es war keine bewusste Entscheidung. Ich schreibe sehr viel verschiedene Stücke und dachte, dass es gut wäre, auch mal zu singen. Ich sehe mich nicht als neuer Ed Sheeran. Wir sind sehr verschieden, ich verkaufe auch nicht so viele Alben wie er, das wäre lustig (lacht)!

Laut Wikipedia spielst du neun Instrumente. Welches ist dein Liebstes?

Steht das wirklich dort? Ich spiele am Liebsten auf dem Klavier, höre mir aber lieber die Violine an. Sie hat einen sehr persönlichen Klang. Ich kann ein paar Instrumente gut spielen, bin jedoch auf keinem ein Überflieger. Auf dem Album habe ich die meisten Instrumente selbst gespielt.

Von was handelt dein Album?

Es geht um meine Kindheit und Familie. Ich wollte eine Geschichte schaffen, mit der sich der Zuhörer identifizieren kann. Die Geschichte ist eine Reflektion von Dingen, die in meiner Kindheit geschehen sind. Es ist kein revolutionärer Stoff, aber es ist meine Geschichte und nicht die eines Anderen. Mein Leben ist sehr bunt, es gibt viel, über das ich schreiben kann. Es handelt von mir, einem Jungen aus dem Nordwesten, der in einem kleinen Ort außerhalb Liverpools wohnt.

Du hast auch mit Alex Turner von den Arctic Monkeys gearbeitet. Was meint er zu deinem neuen Album?

Er ist gerade in Los Angeles, wenn wir reden, sprechen wir nicht so viel über unsere eigene Musik. Er hat aber gesagt, dass ihm das Album gefällt. Es wäre auch schön, mal ein Soloalbum von ihm zu hören. Mein Album war halbfertig, als ich angefangen habe, mit ihm zu arbeiten. Dadurch wurde meine Musik beeinflusst, die gemeinsame Arbeit am Soundtrack des Filmes "Submarine" war aufschlussreich und hat mir sehr weitergeholfen.

Aus dem Nordwesten Englands: Bill Ryder-Jones

Aus dem Nordwesten Englands: Bill Ryder-Jones

Was ist dein nächstes großes Projekt?

Ich habe schon einige neue Projekte, beispielsweise einen neuen Soundtrack, mehr kann ich darüber nicht verraten. Als nächstes produziere ich ein Album der Band "By The Sea". Die haben erst einen Plattenvertrag unterschrieben und werden vermutlich nächstes Jahr groß rauskommen. Ich fördere außerdem eine Künstlerin namens "MiNNETONKA". Ich schätze jeden, der in seinem Schlafzimmer sitzt und versucht, Songs zu schreiben. Immer mehr Leute wollen raus und kreativ sein. Ich selber kann nie genau vorhersehen, in welche Richtung mein nächstes Soloprojekt geht. Ich habe in diesem Jahr schon einige Stücke geschrieben und möchte als nächstes wieder Instrumentalmusik schreiben.

Willst du dich auch mal an einem ganz anderen Projekt ausprobieren?

Ja, am Ende des Jahres werde ich an einem kleinen, experimentellen Projekt basteln. Aber mein Label lässt mir viel Spielraum, ich kann entscheiden, an was ich arbeite. Wenn ich ihnen morgen sagen würde, dass ich ein Rap-Album mache, was definitiv nicht passieren wird, wäre das kein großes Ding für die (lacht).

Zum Schluss noch einmal zurück zum Thema Filme: Welche kannst du unseren Lesern empfehlen?

Wieder eine schwierige Frage, von den meisten Filmen war ich in letzter Zeit eher enttäuscht. Mein Lieblingsfilm ist "Es war einmal in Amerika" mit Robert De Niro. Der Soundtrack ist sehr schön. Ich gucke aber viel Fernsehen, Serien wie "Twin Peaks" oder "Broadwalk Empire". Casting-Shows kann ich Nichts abgewinnen!

Können wir dich bald live in Deutschland erleben?

Ich werde definitiv bald in Europa touren und bin ein großer Deutschlandfan! Bislang habe ich die Deutschen als sehr bescheiden kennengelernt, sie haben ihre Vergangenheit gut verarbeitet. Ich liebe deutsche Musik wie Kraftwerk und kann mich auch für die deutsche Geschichte begeistern. Am meisten interessiert mich die Zeit der Sechzigerjahre. Meine Künstlerfreunde sind oft in Deutschland, die Kultur ist sehr progressiv und unkonventionell. In der Szene passieren momentan sehr coole Sachen. Ich war zwar erst in München, Berlin und Hamburg, will aber bald wieder hin!

Vielen Dank für das Interview!

Das Album "A Bad Wind Blows In My Heart” ist bereits bei Domino Records erschienen.


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