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Phoenix aus der Asche

14. April 2013
Von Louisa Zimmer

Louisa ist Autorin bei TONIC.

Texte von Louisa
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Vier Jahre nach ihrem letzten Album melden sich Phoenix aus Versailles zurück. Ist das neue Album "Entertainment" oder eher ein "Bankrupt"?

Fotos: Warner Music

Fotos: Warner Music

Was die Jungs von Phoenix wohl seit ihrem letzten Album gemacht haben? Anscheinend haben sie viele koreanische Soaps angeschaut. Jedenfalls sieht das Video zur ersten Single "Entertainment" verdächtig danach aus. Großer K-Pop und eine Liebesgeschichte im militärischen Regime – so kurbelte die Band die Erwartungen der Fans an das neue Album gewaltig an.

In Wahrheit haben die Franzosen selbstverständlich die meiste Zeit im Studio verbracht. Doch der Schritt vom Tour-Bus dorthin bereitete den Musikern trotz 13-jähriger Erfahrung einige Schwierigkeiten. "Unser Hauptproblem war, dass wir nach dem langen Touren vergessen hatten, wie man Songs schreibt. Das ist nervig, es hat ein Jahr gedauert, bis wir überhaupt etwas hatten! Nichtsdestotrotz war es ein guter Neustart", erklärte Deck D’Arcy dem britischen Q Magazine.

Moralischer Bankrott

Der Titel des neuen Albums lautet "Bankrupt!" – da sind Assoziationen mit der allgegenwärtigen Eurokrise unvermeidlich. Absicht war das aber offensichtlich nicht: Jetzt muss die Band in jedem Interview einen Zusammenhang mit der Finanzwelt bestreiten. Laut Frontmann Thomas Mars setzt sich das Album vielmehr mit dem "moralischen Bankrott" auseinander. Finanzen und Geld findet er langweilig.

Champagner gegen Heimweh

Zwar nahmen Phoenix das Album zum Teil in New York auf, trotzdem floss währenddessen eine Menge an französischem Champagner. Nach zwei Jahren Welttournee und des Fremdfühlens will die Band sich nun auf ihre französischen Wurzeln konzentrieren. Auf der Platte schlägt sich diese Absicht in tiefgründigen und melancholischen Songs nieder, zu denen auch der Titelsong "Bankrupt!" gehört. Mehr als vier Minuten des Songs sind rein instrumental, während der restlichen drei Minuten klingt die Band nachdenklicher und trauriger als je zuvor. Doch typisch für Phoenix ist: Der nächste Track ist das komplette Gegenteil. "Drekkar Noir" oder "Don't" erinnern an die Gute-Laune-Songs des letzten Albums. Hymnen wie "1901" oder "Liztomania", haben der Band einen Grammy und Weltruhm beschert. Anders als auf dem Vorgänger spielen diese eingängigen Songs aber diesmal nicht die Hauptrolle.

Tiefgründige Neuerfindung

Phoenix haben sich erneut neuerfunden und bleiben sich trotzdem treu. "Bankrupt" ist ein sehr durchdachtes und elegantes Album. Dank der neuen Tiefgründigkeit dürfte es sogar noch größere Begeisterungstürme als "Wolfang Amadeus Phoenix" hervorrufen. Die vier Franzosen werden ihrem Namen gerecht und erstrahlen im neuen Glanz. Ein Album von solcher Qualität, wie niemand sie hätte erwarten können. Ein Phoenix aus der Asche eben.

Label: Layauté/Glassnote Entertainment/Warner Music

Erscheinungsdatum: 19. April 2013

Live: 07.06. Rock im Park

08.06 Rock am Ring

11.06. Hamburg, Stadtpark Freilichtbühne


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