TONIC ist umgezogen! Hier gehts zur neuen Seite.
Für *Den Schildkrötenmann

Berthold braucht mehr Platz

12. April 2013
Von Jakob Stadler

Giftschlangen gehören zu den Lieblingen Baurs. Als er den Raum mit besonderen Sicherheitsmechanismen, einer Überwachungskamera und speziellen Terrarien betritt, erzählt er mit liebevollem Respekt von den Tieren. Einige sind hochgiftig. Falls etwas passiert, ist das rettende Antiserum im nahegelegenen Krankenhaus vorrätig. Auch im Giftschlangenraum reichen die Terrarien bis zur Decke. Man erkennt genau, wo angebaut wurde, weil der Platz nicht mehr ausreichte. Ganz oben sind weniger gefährliche und langsamere Schlangen untergebracht, da man nur auf einer Leiter zu den Tieren gelangen kann.

Wir waren viel zu lang viel zu bescheiden.

Im Moment kann die Station einmal im Monat von Privatpersonen besucht werden, wer sich als Gruppe anmeldet kann auch einen eigenen Termin bekommen. Baur würde die Station gerne für alle öffnen, nicht zuletzt um Wissen zu vermitteln. "Tierschutz kann nicht funktionieren, indem man Tiere rettet, sondern nur über Prävention." Viele Menschen wüssten gar nicht, worauf sie sich einließen, wenn sie Reptilien hielten. Um ihnen eine Vorstellung davon zu geben, wie teuer ein Reptil werden kann, würde er zum Beispiel Stromzähler an Terrarien befestigen.

Durch solche Ideen könne verhindert werden, dass Tiere ausgesetzt werden, weil der Besitzer die Kosten falsch einschätzt. "Tierschutz ist Wissen" sagt er schließlich. "Und wenn schon Geld für einen Neubau in die Hand genommen wird, dann richtig." Dass sich eine Öffnung der Station finanziell lohnen würde, ist seiner Meinung nach auch sicher – die monatlichen Führungen sind immer innerhalb sehr kurzer Zeit ausgebucht. Doch damit sich Besucher auch ohne Führung in der Station umsehen könnten, müsste viel umgebaut werden. So lange es an Platz und Geld fehlt, ist das nicht realistisch.

Um diese Pläne trotzdem in die Tat umzusetzen, muss aber auch die Außenwirkung stimmen. "Wir waren viel zu lang viel zu bescheiden", sagt Baur. Damit meint er, dass kaum jemand weiß, bei wie vielen Gesetzen zur Haltung von exotischen Reptilien die Stationsmitarbeiter schon um Rat gefragt wurden, wie viele wissenschaftliche Texte aus ihrem Haus stammen und was für Kompetenzen hier liegen.

Dazu, wie lange es noch dauern wird, bis sie aus dem Gebäude in Schwabing ausziehen können, will Baur keine Prognose abgeben. Nur: "Ich würde lieber heute als morgen hier raus."

Berthold wird sich sein Becken also noch einige Zeit mit dem Kaimanen-Paar teilen müssen. Wie er dazu steht, verrät er nicht. Vielleicht ist er einfach nur froh, dass er seine Badewanne verlassen konnte.

Der Text entstand im Grundlagen-Seminar der studienbegleitenden Journalistenausbildung des Insituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München. Bewerbungsschluss für den nächsten Stipendiatenjahrgang ist der 31. Mai 2013.


«Seite  1  2

Weiterlesen

Texte, die dich auch interessieren könnten.

Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.