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Für *Obstler

Die Banane

17. November 2012
Von Marc Eppler

Marc aus Freiburg ist Redakteur bei TONIC

Texte von Marc
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Marc Eppler

Im zweiten Teil seiner Kolumne "Überschätzt!" geht Marc ein Licht auf: Trotz Calcium braucht die Welt keine Bananen. Lieber isst Marc Haferflocken, wenn sie auch aufgeweicht sein mögen durch Milch und andalusische Sonne.

Fäden, Matsch, graugelbe Wurst.

Fäden, Matsch, graugelbe Wurst.

Ein neuer Tag bricht an. Die Sonne steht schon einige Zeit über den Dächern Sevillas. Die 30ºC-Marke ist bereits überschritten, als ich mich, noch leicht verschlafen, an den Frühstückstisch begebe. Frisch gepresster Orangensaft, Ananas, ich schneide mir eine Banane ins Müsli. Die ersten Schweißperlen erscheinen auf meiner Stirn, vom Nachbarbalkon mischt sich der allmorgendliche Flamenco-Gesang in das fröhliche Vogelgezwitscher. Ich freue mich auf den Tag, wie jeden Morgen. Einen Monat in Sevilla zu leben, war eine super Entscheidung. Und ich schneide mir die Banane ins Müsli und plötzlich geht mir ein Licht auf, wie zuvor nur Thomas Edison. Bananen werden völlig überschätzt.

Meine Banane verblasst in der andalusischen Mittagssonne.

Mal ehrlich, wie diese – als könnte sie sich für keine Farbe entscheiden – matte, graugelbe Wurst aus ihrer fleckigen Schale emporsteigt, sich beinahe widerstandslos von einem stumpfen Messer zerstückeln lässt, um dann hilflos in meine geilen Haferflocken zu plumsen. Bemitleidenswert. Und man denke an die Fäden! Diese Bastarde, halb Schale, halb Frucht, die uns den Appetit verderben, lange bevor sich der langweilige Matsch um unsere Backenzähne hüllt und unseren Gaumen zum Kampf herausfordert. Angewidert befreie ich das Müsli von bereits eingedrungenen Bananenklumpen, das Frühstück scheint fürs erste gerettet. Die restliche, noch in der Schale lauernde Frucht lasse ich achtlos auf dem Beistelltisch, wo sie zwischen Ananas und Orangensaft und später in der andalusischen Mittagssonne verblasst.

Man sagt ja auch nicht "Mangorepublik".

Doch der Vorfall, diese Erkentnis lässt mich nicht los. Und während ich mich den geilen Haferflocken und den "echten" Früchten widme – zur Ananas haben sich noch ein paar liebliche Trauben gesellt –, eröffnet sich mir schlagartig das Gesamtbild. Als sei es die einzig wahre Wahrheit, die nur darauf gewartet hat, entdeckt zu werden:

Gab es in der DDR Bananen? Nix da! Gurken haben die da verkauft und das Volk im Glauben gelassen, das sei der neueste Shit aus dem Süden. War doch so, oder so ähnlich. Und apropos, habt ihr euch mal gefragt, warum es "Bananenrepublik" heißt? Sicher nicht, weil Mangorepublik blöd klingt, sondern weil Bananen am untersten Ende der Obstkette stehen. Die kann doch keiner ernst nehmen. Noch vor ein paar Jahren hat sich ganz Süddeutschland täglich über "'S Äffle und's Pferdle" und ihren "Hafer- und Bananenblues" schlapp gelacht, weil sie erkannt haben, das Bananen zu nichts anderem Nutze sind. Und wer nicht Super Mario ist oder sich – wie Rémi Gaillard – für selbigen hält, muss dem wohl zustimmen. Zu guter letzt wäre da noch Moritz Bleibtreu, der es sich in Knockin' on Heaven's Door nicht nehmen lässt, sich über diese überschätzte Frucht lustig zu machen – was ich ihm jedes Mal aufs neue mit einem Lachanfall danke: "Willst du ein' Banane?" – der wohl dümmste Satz, den Moritz alias Abdul hätte sagen können, herrlich.

Ich sitze immer noch am Frühstückstisch. Die Sonne brennt, die Milch hat inzwischen meine Haferflocken aufgeweicht. Was soll's. Mir egal. Ich halte inne und breche dann in schallendes Gelächter aus. Ratet mal, wie man auf Türkisch sagt, dass einen etwas nicht juckt?


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Kommentare

CoralieAm 27. Januar 2013

http://www.youtube.com/watch?v=h3ilLEN1Qew

Philippe Katerine, La Banane