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Für *Seelenstripper

#5: Verhör, Beichte, Therapie

18. Oktober 2012
Von Juliane Goetzke

Juliane aus Lüneburg ist Redakteurin bei TONIC

Texte von Juliane
autor@tonic-magazin.de

Juliane Goetzke

Wie gefährlich ist Scientology? Wie funktioniert die Organisation und wie gewinnt sie ihre Mitglieder? Juliane wollte für TONIC den Mythos Scientology brechen, trat der Kirche bei und erlebte die Manipulation am eigenen Leib. In Teil 5 der Serie eröffnet sie dem Auditor ihr Trauma.

Das Auditing offenbart Scientology ganze Biografien.

Das Auditing offenbart Scientology ganze Biografien.

Unten kannst du zu den weiteren Teilen der Serie springen.

Besonders neugierig war ich bei Scientology auf das Auditing – Wurde es mir doch als die einzige Möglichkeit zur Befreiung von allen negativen Gefühlen verkauft. Ich fragte also mehrmals vorsichtig nach; nach zwei Wochen hatte ich dann einen Termin zu einer Probesitzung. Auditing kommt aus dem Lateinischen: "audire", zuhören. Es ist eine von Scientology-Gründer Ron Hubbard entwickelte Fragetechnik, eine Mischung aus Verhör, Beichte und Therapieform. Ausgebildete Auditoren entlocken ihren Klienten persönliche Lebensdaten.

Die Hände auf dem Schoß, die Augen geschlossen. So sitze ich bei meiner ersten Auditingsitzung mehr als zwei Stunden. Beim Auditing erzählt man von einem traumatischen Erlebnis, sehr Privates und Bewegendes aus dem eigenen Leben. Dabei wird man emotional alleine gelassen. Der Auditor stellt Fragen, neutrale Stimme, kein Mitgefühl. Nachdem man einige Stunden Auditing absolviert hat, weiß dieser Auditor - und somit die ganze Scientology-Organisation - sehr viel Persönliches.

Die Hände auf dem Schoß, die Augen geschlossen. So sitze ich bei meiner ersten Auditingsitzung mehr als zwei Stunden. Beim Auditing erzählt man von einem traumatischen Erlebnis, sehr Privates und Bewegendes aus dem eigenen Leben. Dabei wird man emotional alleine gelassen. Der Auditor stellt Fragen, neutrale Stimme, kein Mitgefühl. Nachdem man einige Stunden Auditing absolviert hat, weiß dieser Auditor - und somit die ganze Scientology-Organisation - sehr viel Persönliches.

Mir sitzt ein glatt rasierter Mann im Anzug gegenüber, sanfte Art, intensiver Blick – ich bin irgendwie angeekelt. Ich muss ein Video anschauen, das mir erklären würde, wie negative Erfahrungen, so genannte Engramme, sich in meinem Verstand abspeichern und zu unpassenden Situationen wieder hochkommen – der Grund für unkontrolliertes, irrationales Verhalten, das mir und meiner Umgebung schadet.

Danach begeben wir uns in einen hellen Raum, zwei Stühle, die sich gegenüber stehen. Meditative Stimme, ich soll meine Augen schließen und an ein schlimmes Erlebnis denken, mich in die Situation von damals hineinversetzen. Ich erinnere mich an den tödlichen Autounfall und die Beerdigung einer Lehrerin, die ich sehr mochte. Jetzt soll ich ihm erzählen, was genau damals passiert ist. Immer und immer wieder. Ich beschreibe detailliert, wie die Umgebung aussah, wer sonst noch anwesend war, wie ich mich gefühlt habe. Dadurch soll ich alle Emotionen dem Ereignis gegenüber verlieren und es so verarbeiten. Mich sozusagen von seiner Macht befreien. Wenn ich sage, ich könne mich an ein bestimmtes Detail nicht mehr genau erinnern, wird seine Stimme ein wenig lauter und bestimmter, er hakt nach, so oft es geht. Ob man das in der Auditorenausbildung lernt?

Werbung für ein Auditing

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Zu den anderen Teilen springen:

#1 Stechend, konzentriert, direkt in die Augen

#2 "Es geht hier um deine Probleme"

#3 Scientology bringt mich "auf Kurs"

#4 Distanz bewahren? Pustekuchen.

#6 Der Gottesdienst


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