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Knast ist besser

17. August 2012
Von Juliane Goetzke

Juliane aus Lüneburg ist Redakteurin bei TONIC

Texte von Juliane
autor@tonic-magazin.de

Juliane Goetzke

Auf anderen Bildern sieht man die Asylbewerber schlafen, rauchen, fernsehen. Auch wenn sie jetzt mehr Geld bekommen, arbeiten dürfen sie noch nicht, zumindest im ersten Jahr. Herrscht Langeweile?

Einer der Asylsuchenden, der seit zwölf Jahren in jenem Heim haust und eine sogenannte Karteileiche ist, musste mal wegen verschiedener Delikte ins Gefängnis. Er hat mir Folgendes erzählt: "Im Gefängnis wusste ich, wann ich rauskomme, ich durfte arbeiten und Geld verdienen und das Wichtigste war, dass alle Gefangenen gleich behandelt wurden." Ich denke, dieser Satz sagt alles dazu.

"Ich kann es mir nur mit Rassismus im Amt erklären; logisch ist das nicht."

Was motiviert dich zu deiner Arbeit?

Ich habe einen sehr stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und davon war ich getrieben, als ich mir vorgenommen habe, die Geschichte von Mohammad zu erzählen. Ich habe selbst die Erfahrung der Migration gemacht und so eine natürliche Nähe zu meinen Protagonisten.

Ist das auch deine eigene Geschichte?

Ich habe selbst keine Asylerfahrung, aber auch ich wurde von deutschen Behörden wie ein halber Mensch behandelt. Die Behandlung von Nicht-Europäern hierzulande hat wenig mit der Achtung der Menschenwürde und der Idee der Gleichheit zu tun. Erst wenn man einen deutschen Ausweis hat, ist man "amtlich" und wird ganz anders angesprochen und behandelt als zuvor.

Was muss sich in der europäischen Gesellschaft verändern, damit Menschen wie Mohammad hier gut leben können?

Das Problem ist ein politisches und kein gesellschaftliches. Migrationsströme sind Teil der Geschichte. Durch die Globalisierung und die Klimaveränderung erfolgen sie inzwischen jedoch in kürzeren Zyklen. Die EU ist inzwischen zu einer Festung mit hoch ausgerüsteten Außengrenzen mutiert; mit 15 000 Euro kann man trotzdem binnen zwei Wochen von Kabul illegal nach Deutschland kommen. Dies bringt nur die Schlepperwirtschaft in die Hochkonjunktur und kostet vielen unschuldigen Menschen, die weniger zahlen können und dadurch riskantere Wege gehen müssen, ihr Leben.

Info

Wer darf wohin?

Deutsche Staatsbürger können in 172 Länder der Welt ohne Visum einreisen. Ein Afghane darf aber nur in 24 Länder. (Quelle: GEO, Ausgabe Juli 2012) Kaveh sagt, die Bedingungen für ein Visum der Schengener Staaten zu erfüllen, ist selbst für afghanische Minister teilweise nicht möglich.


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