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Für *Gitarristen

Stimmig und reifer

13. Juni 2012
Von Victoria Schlusche

Victoria aus Lörrach ist Autorin bei TONIC

Texte von Victoria
autor@tonic-magazin.de

Victoria Schlusche

Das Mädchen mit der Gitarre wird erwachsen: Amy Macdonald hat ihr drittes Album "Life In A Beautiful Light" herausgebracht. Dabei ist es seltsam: Alles ist wie immer, aber irgendwie auch nicht.

Das Cover einer neuen Zee-Dee.

Das Cover einer neuen Zee-Dee.

Ich gebe es zu: Die folgenden Zeilen sind geprägt vom Nachhall der zwei vorausgegangen Alben einer Künstlerin, die ich schlichtweg bewundere. Der beständige Gitarren-Klang, der sich in den Liedern mal mehr, mal weniger mit anderen Instrumenten kombiniert immer zum typischen Amy-Sound zusammenfügt, hat es mir angetan. Und diese Stimme! Seit dem ersten Lied, das ich damals gehört habe (»This is the Life«, obwohl es nicht einmal zum Besten ihrer Besten zählt), bin ich verfallen. Zum Konzertbesucher mutiert, zum CD-Käufer bekehrt. (Ja. Zee-Dees! Ich habe es selbst kaum geglaubt...) Aus diesen Gründen ist es naheliegenderweise problematisch, wertend über das neue Album Life In A Beautiful Light zu schreiben, welches soeben erschienen ist. Also lasse ich es.

Stattdessen ist es an der Zeit, ein bisschen auf das zu schauen, was Amy jetzt so macht. Immerhin ist sie nun schon etwas länger unterwegs auf dem populären musikalischen Pflaster. Ein paar kleine Facts zur Erinnerung: Ihr Erstling, das Album This is the Life, erreichte 2008 doppelten Platinstatus und war allein in den UK-Charts wochenlang auf Platz Eins festgeklebt – in ganz Europa verkaufte sich die gleichnamige Singleauskopplung ganze 1,2 Millionen Mal. Da war sie »das Mädchen mit der Gitarre« und irgendwie so gar nicht das, was man sich als DEN Newcomer vorstellt. Sie ist auch nicht das, was man trendy nennen würde, von Anfang an nicht. Ihre Musik ist kein Disco-Sound und keine synthetische Plastikmusik. Sie hat eine eigene Stimme, die man aus dem Radio-Einheitsbrei deutlich heraushört. Meist urig und auf dem Boden geblieben, dabei aber rockig und folkgeladen. Es ist nicht das große Kino, über das Amy Macdonald in ihren Liedern singt; oft klingen sie nach Country und wilder Prärie. Sie sind wie die Person Amy Macdonald selbst sehr geerdet.

Bereits in vergangenen Liedern ging es viel um Ausbrüche und das Leben an sich, wenn man jung ist – so auch jetzt auf ihrem neuen Album in Songs wie »The Days of being Young and Free«. Sie selbst sagt über sich, dass sie in Ruhe durch Glasgows Straßen spazieren kann, ohne von vielen erkannt zu werden. Sie ist kein typischer Star. Einerseits. Eine weitere Besonderheit ist, dass Amy Macdonald all ihre Lieder selbst schreibt, und das bereits seit jüngsten Jahren. Sie singt über Dankbarkeit, Heimat, spricht immer wieder die Probleme an, die man auf einmal hat, wenn man berühmt wird. »I'm lost in the game / The game they call the fame.« Auch bei Macdonald selbst meint man zu sehen, wie der Ruhm den Menschen verändert, zumindest äußerlich.

Für den Radiomusik-Hörer muten die meisten Songs langweilig an

Und hier ist das Andererseits: Inzwischen sind die Wangenknochen schärfer, der Körper schlanker, die Outfits gewählter, kurzum: weniger auffällig geworden als früher. Mehr wie alle anderen Stars im Musikbusiness. So auch ihr Album, über das ich persönlich nicht recht sagen kann, ob es nun gezähmter klingt oder doch gut in die Reihe passt. Insgesamt ist es ruhiger, erwachsener als seine Vorgänger, es sind weniger reine Gitarrensongs darunter und weniger Pepp. Im Gegenzug finden sich in einzelnen Liedern mehr Country-Elemente als je zuvor. Man merkt dem Sound des Albums an, dass Amy Macdonald in den letzten Jahren viel mit Orchestern zusammengearbeitet hat: Längere Streicherpartien, ausgemalte Hintergrundmusik und viele unterschiedliche Instrumente wechseln sich ab. Eine Ausnahme ist der Song »Slow it down«, welcher schon seit einigen Wochen als Einzeltitel zu haben war – dieses Lied hätte auch gut auf das letzte Album gepasst.

Man muss auch sagen: Für den Radiomusik-orientierten Hörer werden die meisten Songs langweilig anmuten. Vieles klingt ähnlich. »Across the Nile« zum Beispiel gehört meiner Meinung nach zu den schwächeren Liedern, obwohl der Inhalt an sich sehr vielversprechend wäre (es geht darin um die Aufbruchstimmung in Ländern wie Ägypten). Wer also vor allem auf die populären ihrer bisherigen Lieder stand, kann sich den Kauf des kompletten Albums wohl sparen. Für alle aber, die bisher auch die »Neben«-Tracks gut fanden, empfehle ich nur: Ran an den Speck!

Also wird es zum Schluss nun doch noch wertend: Das Mädchen mit der Gitarre hat es immer noch drauf. Und ich einen Grund, auch in Zukunft eine Zee Dee zu kaufen – denn: Das nächste Album kommt bestimmt!

 

Interpret: Amy Macdonald

Albumtitel: Life In A Beautiful Light

Erscheinungsdatum: 8. Juni 2012

Label: Mercury/Universal


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