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Schlagabtausch ums Urheberrecht – Entscheidung gefallen?

20. April 2012
Von Alexander Wolff und Tim Schatto-Eckrodt

Alexander aus Lüneburg ist Autor bei TONIC

Texte von Alexander
autor@tonic-magazin.de

Alexander Wolff

Inwiefern bringt es denn bitte unsere Gesellschaft weiter, wenn wir das Recht an geistigem Eigentum abschaffen? Dann arbeitet ein Autor ein Jahr lang an einem Buch und einen Tag nach der Veröffentlichung landet es kostenlos und ganz legal im Netz, weil der Autor kein Recht an seinem Werk mehr hat. Niemand wird dieses Buch mehr kaufen wollen, er kann es ja kostenlos bekommen. Die Konsequenz: Der Autor verdient kein Geld mehr durch den Verkauf seines Werkes.

Jetzt gibt es unterschiedliche Möglichkeiten: Der Autor geht auf Lesereise und nimmt horrende Eintrittsgelder, damit er sich irgendwie über Wasser halten kann. Oder: Der Staat subventioniert die Künstler, wie er es bereits mit Theatern und Opernhäusern tut. Und in beiden Fällen wirst du dich beschweren. Kultur wird etwas für Besserverdienende. Du wirst dir den hohen Eintritt nicht mehr leisten wollen. Du gehst auf die Barrikaden, weil mit deinen Steuergeldern auch Künstler unterstützt werden, die du gar nicht magst. Und genau deshalb ist es eben nicht nebensächlich, wie ein Künstler sich finanziert. Denn dann bestimmt irgendwann der Staat, was du zu hören bekommst und was nicht.

Und ja, wenn ein Werk immer und überall verfügbar ist und das kostenlos, dann ist es weniger wert. Natürlich haben dann mehr Menschen Zugang dazu. Und man könnte jetzt denken, dass es damit wertvoller wird. Aber das ist nicht so. Denn es wird jede Menge Menschen geben, die sich einen Song nur deshalb runterladen, weil er umsonst ist. Wie viele Songs hast Du auf deiner Festplatte? Und wie viele hättest du, wenn du für jeden einzelnen hättest bezahlen müssen? Wenn man für ein Kunstwerk nichts mehr ausgeben und nicht mal mehr das Haus verlassen muss, dann schätzt man es nicht mehr. Wer nicht bereit ist, für einen Song ein paar Cent auszugeben, der braucht diesen Song auch nicht. Deshalb kaufe ich noch CDs. Ich frage mich vor jedem Kauf: Ist mir das jetzt die zwölf Euro wert? Wenn nicht, dann brauche ich dieses Album nicht.

Und genau deshalb lässt sich Kunst eben sehr wohl mit Backwaren vergleichen. Wenn das Essen umsonst ist, dann nehme ich im Supermarkt alles mit, was ich kriegen kann, und schmeiße den Rest am Ende weg. Es hat keinen Wert mehr für mich, wenn ich mir mal einen Teller Sushi gönne. Und genauso ist es mit Kunst. Wenn Du unsere Eltern fragst, was die erste Schallplatte war, die sie sich gekauft haben, so werden sie dir das noch heute sagen können. Ich weiß auch noch, welche meine erste CD war, die ich mir gekauft habe, weil es damals etwas Besonderes war. Es hatte nicht nur einen monetären, sondern auch einen ideellen Wert. Aber was war die erste MP3, die du dir heruntergeladen hast?

Genau das ist das Problem unserer Gesellschaft. Das Problem unserer Generation. Uns ist nichts mehr etwas wert, weil wir alles haben, weil alles immer und überall verfügbar ist. Und genau deshalb bringt es unsere Gesellschaft nicht weiter, wenn wir das Urheberrecht abschaffen.

- Alexander Wolff

Mail 2: Macbeth ist kein Brötchen
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Kommentare

BrianAm 8. April 2012

Q.E.D.! Schön auf den Punkt gebracht - freue mich darauf, die Antwort auseinander zu nehmen ;)

MattAm 9. April 2012

Vermisse hier irgendwie das Journalistische. Man kriegt hier zwei Meinungen, die sich so gegensätzlich sind, dass sie sich einfach nur Widersprechen. Bisschen mehr dynamik und Konversation würde dem Ganzen vielleicht echt gut tun! ;)