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Mitbewohner Theofanis: PLEITE!

4. April 2012
Von Jakob Hinze

Jakob aus Hamburg ist Autor bei TONIC

Texte von Jakob
[email protected]

Jakob Hinze

Ist der Grieche noch zu retten? Diese Frage plagt nicht nur seit Monaten die mächtigen Männer und Frauen Europas, sondern auch die Bewohner einer kunterbunten Studenten-WG: Nach der Pleite ihres Mitbewohners Theofanis müssen sie nun eine folgenschwere Entscheidung treffen: Schmeißen sie den Unglücksraben raus oder wird er durchgefüttert? Eine (nicht ganz) fiktive Geschichte.

Ein Gespenst ging um im "Europa-Haus". Theofanis, der beliebte griechische Kunstgeschichtestudent, hatte sich in den frühen Nachmittagsstunden des Sonntags gerade aus dem Bett gepellt und torkelte nun desorientiert durch die Wohnung. Wo war das verdammte Portmonnaie? Als er es endlich mit zittrigen Fingern unter einem Stapel fremder Klamotten hervorgekramt hatte, fuhr ihm der Schreck durch alle Glieder: Kahlschlag! Dort, wo ihn gestern noch üppige Banknoten angelächelt hatten, klaffte jetzt ein riesiges Finanzierungsloch.

Was tun mit dem blanken Griechen?

Was tun mit dem blanken Griechen?

Als seine Mitbewohner Angelika, die resolute VWL-Studentin, und Niklas, der großspurige kleine Franzose, davon Wind bekamen, schrillten bei ihnen alle Alarmglocken: Das Monatsende war noch lange nicht in Sicht, die Miete stand noch aus – und dass Theofanis diese ohne ihre Hilfszahlungen nicht würde begleichen können, verstand man selbst mit einer fortgeschrittenen Kopfrechenschwäche. Also trommelte Angelika, in der WG nicht weniger für ihre Strenge als für ihre Liquidität bekannt, die ganze Runde für den Abend zu einer Krisensitzung zusammen. Auch Rodriguez, den schüchternen Portugiesen, ließ sie dazu antanzen. Denn die Schieflage, in die Theofanis geschlingert war, drohte für sie alle zum faustdicken Problem zu werden.

Dabei hatte der Traum von der gemeinsamen Wohn-Union die vier so lange durch Dick und Dünn gehen lassen. Angelika und Niklas, die beiden Gründungsmitglieder der Gemeinschaft, hatten damals erst Rodriguez, später auf dessen flehendliche Bitte hin auch Theofanis mit ins Boot geholt. Seiner Zeit hatten sie generös beide Augen zugedrückt, obwohl sie wussten, dass Theofanis bei den Angaben zu seiner finanziellen Situation geflunkert hatte: Es war bei weitem nicht so sicher, dass dieser die hohe Miete in ihrem gemeinsamen "Europa-Haus" würde stemmen können. Schließlich war dieser schon immer für seinen ausschweifenden Lebensstil bekannt gewesen: Durchzechte Nächte und verschlafene Werktage waren in Theofanis Alltag keine Seltenheit. Angelika und Niklas aber, im Überschwang des anfänglichen Wir-Gefühls, hatten darüber hinweggesehen: "Der Mitnahme-Effekt ist gar nicht zu überschätzen", frohlockte damals Niklas und Angelika pflichtete mit heftigem Kopfnicken bei: "Wenn Theofanis unseren Fleiß und unsere Produktivität bemerkt, wird er sich davon eine Scheibe abschneiden und mit unserer Anschubhilfe selbst fette Gewinne erwirtschaften!" Jetzt aber holte die vier die Wirklichkeit ein. Statt wie geplant im Geld zu schwimmen, verhandelten sie an diesem Abend um nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft ihres Gemeinschaftsprojekts.

Rettungsschirm für die Schicksals-WG
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Kommentare

KommentatorAm 4. April 2012

Sensationell!

BrianAm 8. April 2012

Wirklich ein guter Start! Freue mich auf die Fortsetzung :) Dann vielleicht ein Blick in die Nahost-WG? Werden Benjamin und Mahmud sich kloppen? Oder greift der gute Obi doch noch ein?