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Für *Erdbeerenpflücker

Das gute Leben im eigenen Staat

27. März 2012
Von Anne Kratzer

Anne aus Regensburg ist Autorin bei TONIC

Texte von Anne
autor@tonic-magazin.de

Anne Kratzer

Demokratische Klassengesellschaft

In einem Dorf in Norditalien wurde 1975 die Föderation von Damanhur gegründet. Ein "esoterisches Disneyland" nennt es Giada Chi, Anwärterin zur A-Bürgerin. Damanhur wird demokratisch regiert, es gibt eine eigene Währung, Post, Schulen, Gerichtssprechung und Krankenhäuser. Die fast eintausend Damanhurianer werden anhand ihrer Bereitschaft zum gesellschaftlichen Engagement in A-, B-, C- und D-Bürger unterschieden. Nur A- und B-Bürger wohnen direkt in der Föderation, je zehn bis zwanzig von ihnen bilden eine Wohngemeinschaft, sogenannte "Nucleos". Jeder Nucleo widmet sich einem Forschungsgegenstand aus Ökologie, Spiritualität oder Kunst.

Damahur. Die Verfassung verpflichtet hier zur Verbreitung positiver Gedanken

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In Damanhur liegt der Fokus auf innerer Vervollkommnung und Freude. Es ist nicht das unbedingte Ziel, dies in einem autonomen Staat zu verwirklichen.

"Manche spielen einfach gerne König"

Größeren Wert auf Unabhängigkeit legt das Fürstentum von Hutt River, das hatte 1970 in seinem Kampf um Anerkennung Australien den Krieg erklärt – und wurde ignoriert. Der (ehemals) australische Farmer Leonard George Casleys hatte ein Problem mit der Produktionsquote des Weizenanbaus in Australien. Deshalb erklärte er sein Land zum unabhängigen Fürstentum von Hutt River. Heute muss der Fürst keine Steuern zahlen und kann so viel Weizen anbauen, wie er möchte. Das Fürstentum ist nicht offiziell anerkannt und wird von Australien einfach in Ruhe gelassen. In seinem Staat kommen auf 23 Einwohner 200 Diplomaten , eigene Briefmarken, viele Touristen, die während des Besuchs eine"oversea citizenship" erwerben, und eine Armee. Vielleicht hat Prince Leonard sein Fürstentum auch nur gegründet, weil er gerne König spielt.

Städte der Vergänglichkeit

Die schwimmenden Städte von Serenissima erobern Venedig

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Sie nennen sich "Die schwimmenden Städte von Serenissima" und bestehen aus dreißig amerikanischen Punkkünstlern und Schrott. Dazwischen stecken Nägel und eine Überzeugung. Viele der Aktivisten stehen der Dumpster Diving Bewegung nahe, holen sich also Lebensmittel, die von Supermärkten weggeworfen worden sind, aus deren Containern. Für die Schwimmenden Städte haben die Künstler aus ihren Funden drei Flöße gebaut. Schwimmende Kunstgebilde aus Holz, weißem Stoff, Automotoren, Metallschnörkeln und sich küssenden Pappfiguren. Damit sind sie 2009 von Slowenien aus über die Adria zu Biennale nach Venedig gefahren. Von weitem sehen die Flöße aus wie schöne, versinkende Städte, wie Venedig. Irgendwann werden sie wieder Müll sein.

Die Utopien werden Wirklichkeit
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