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Für *Flaschenpostschreiber

Eine wichtige Entscheidung, Asyl in Heathrow und der geschmähte Gauck

23. Februar 2012
Von Fabian Stark

"Freiheit oder Sicherheit?," fragen wir uns immer wieder, ob in Studium, Liebe, Beruf. Jerry aus Simbabwe ist von Freiheit weit entfernt, er hofft auf Asyl. Und Joachim Gauck macht sich schon unbeliebt – Teil 1 der TONIC Presseschau.

Freiheit oder Sicherheit?

"Kann man sein Studium hinschmeißen, weil die Aussichten zu verlässlich sind? Weil das Ungeplante fehlt? Kann es verkehrt sein, sich für Sicherheit zu entscheiden?" Christian Heinrich schreibt in ZEIT Campus über die anscheinend dringendste aller Studentenfragen: Freiheit oder Sicherheit? Zwar bietet er keine Antwort, aber eine Erklärung für das Entscheidungs-Problem, welches – so oder so ähnlich – auch der NEON-Titel-Schlager schlechthin ist*:

Wir gehören nicht mehr einer, sondern vielen Gruppen an. Wir haben uns individualisiert und dadurch weniger die Möglichkeit, uns an "festen Mustern zu orientieren," so der Soziologe Gert-Joachim Glaeßner zu ZEIT Campus. Dazu kommt: Freie Entscheidungen sind selten frei, wie friederike-vonhelden auf jetzt.de demonstiert. Sie (Geisteswissenschaftlerin) unterhielt sich im Zug mit einer "alten Dame". Das Gespräch kam auch auf das Studium von Friederikes Freund (Maschinenbauer): "Wenigstens macht dein Freund was Vernünftiges," bekam sie zu hören. Also: Entscheidungen sind nur frei, wenn man sie nicht nur vor sich selbst, sondern auch vor anderen rechtfertigen kann.

Eine einfache Antwort auf das Entscheidungs-Problem bot übrigens Aristoteles: "Wer Sicherheit der Freiheit vorzieht, ist zu Recht ein Sklave." (zitiert aus ZEIT Campus)

*Planen oder treiben lassen? – August 2007; Freiheit statt Liebe – Februar 2009; Wann ist es Zeit? – Mai 2009; Hast du den richtigen Job? – März 2010; Vertraue dem Zufall! – Mai 2010; Guter Job oder große Liebe? – April 2011; Abenteuer oder Liebe? – Dezember 2011

Jerry aus Simbabwe, gefangen in Heathrow

Aus der Reihe "Die Stadt der Gesichtslosen"

Aus der Reihe "Die Stadt der Gesichtslosen"

Chris Grodotzki dokumentierte für TONIC bereits die Zustände der Flüchtlinge im französischen Calais. Asyl- und Menschenrecht: zwei Sachen, aus denen Europa noch keinen Kuchen backen konnte. Alice McKeeve von der Organisation Freedom From Torture traf sich für das Magazin VICE mit Jerry. Der floh vor zehn Jahren aus Simbabwe und sitzt seit vier Jahren nahe London-Heathrow in Abschiebehaft, unter Aufsicht einer privaten Sicherheitsfirma, die pro Insassen und Tag bezahlt wird. Was Jerry erwartet, weiß er nicht – etwa, ob er irgendwann gehen dürfe und wenn ja, wohin. Er sagt: "Manche springen einfach, letzte Woche versuchte ein Mann, eine Flasche Bleichmittel zu trinken, weil er herausfand, dass er nach Hause geflogen wird." Zu Hause, das ist das Simbabwe unter Robert Mugabe, wo Jerry zusehen musste, wie Menschen gefoltert, vergewaltigt, verletzt, und getötet wurden.

Gauck ohne Konsens

Künftiger Bundespräsident Joachim Gauck

Künftiger Bundespräsident Joachim Gauck

Als Christian Wulff zurückgetreten war, zog man Joachim Gauck wieder aus dem Zylinder. Doch der ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen ist kein "Konsens-Kandidat", wie Bundeskanzlerin Angela Merkel behauptete. Nicht nur, dass Die Linke mit Beate Klarsfeld eine Gegenkandidatin ins Rennen schickt, die Deutschen (oder sind es nur Twitterer, Blogger, Medien?) scheinen mit Bundespräsidentschafts-Kandidaten kritischer geworden zu sein. Kam Gauck 2010 noch als linker Bürgerrechtler rüber, so ist er jetzt ein konservativer Sarrazin-Befürworter, pro Vorratsdatenspeicherung, Stuttgart 21 und Hartz IV, der sich wie Wulff zu oft mit Unternehmern ablichten lässt. Folgend ein Meinungsspiegel zum Durchklicken:

Es ist ein reaktionärer Stinkstiefel, der demnächst Bundespräsident dieses Landes werden wird. Aber er ist sicher nicht [der] erste und wird vermutlich nicht der letzte bleiben.

Deniz Yücel/TAZ


Kommentare

Klaus RudolfAm 2. September 2014

der Typ links ? äh. Der verkauft seine FaschoPapi als ddr Widerstandskämpfer. Rechter geht nicht.