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Für *Schauspieler

„Wer will anfangen?“

8. Januar 2012
Von Fabian Stark

Vor der WG: Borcherts Beckmann klopft an

Vor der WG: Borcherts Beckmann klopft an

Nach dem Vorspielen ziehen sich die beiden Professoren zur Beratung zurück. Wir Bewerber gehen währenddessen in einen weiteren Proberaum. Warten. Der dünne, ernste Professor mit der eckigen Brille kommt und bittet das erste Mädchen zu sich. Sie gehen. Wir machen indes Witze über die Rheinländerin mit dem hübschen runden Gesicht, die bei uns ist: Sie läuft im Kreis, hibbelt herum, redet und lacht laut, über ihren heiß gelaufenen Kopf. Das erste Mädchen kommt zurück: "Nein, leider nicht. Sie wussten bei meiner zweiten Rolle nicht, wo ich hinwill." Die Rheinländerin ist jetzt bei den Professoren, bei ihr dauert es länger – Sie soll noch ihr Lied singen. Und strahlt, als sie wiederkommt: "Ich bin weiter!" Unsere Freude kämpft gegen die Angst vor dem eigenen Urteil.

Bis zu meinem dauert es eine Stunde. Die Professoren bieten mir den Stuhl an, die Scheinwerfer brennen noch. "War heute das erste Mal, dass du dich an einer Schauspielschule beworben hast?" "Ja." – "Leider ist es ein Nein für dich. Wir wollen dich aber nicht entmutigen. In die erste Rolle hast du dich schön reingeworfen, am Ende wusste man aber nicht, was mit dem Jungen eigentlich los ist. Den Beckmann haben wir dich lange spielen lassen; Ich wollte sehen, wie du reagierst, wenn dir das fehlende Messingschild auffällt. Diese Wende hat man leider nicht gesehen. Wenn du noch Fragen hast, kannst du sie uns stellen." Sie lächeln.

Letztlich sollten nur zwei von uns zehn in die nächste Runde kommen, die Zugangsprüfung. Nur drei von uns hatten sich zum ersten Mal an einer Schauspielschule beworben, für einen 24-jährigen Schlaks war es der zwanzigste Versuch und der zweite an der Ernst Busch; Ein weiteres Mal wird er sich hier nicht bewerben dürfen. Aber er versucht es weiter, in Essen, Salzburg, Wien, München, Hannover.


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Der Autor über den Artikel

"Und was machst du, wenn du genommen wirst?", fragten mich vorm Vorsprechen viele Freunde. Das Glück ist selten, sollte ich es deshalb wahrnehmen? Würde ich damit nicht denen den ersehnten Platz wegnehmen, die teils Jahre für ihren Traumberuf Schauspieler kämpfen? Ich atmete auf, dass ich diese Entscheidung erstmal nicht treffen musste - aber vielleicht in ein paar Jahren, wer weiß das schon.

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