TONIC ist umgezogen! Hier gehts zur neuen Seite.
Für *Zen-Buddhisten

Feilschen, feilschen, feilschen

9. Januar 2012
Von Helena Schmidt

Allerhand Tand und Schnick-Schnack kann man auf dem Markt in Lhasa kaufen. Als Westler zahlt man Wucherpreise – außer man feilscht genauso hartnäckig wie die Händler.

Helena wirft einen Blick auf eine tibetische Kette - und wird die Verkäuferin nicht mehr los.

Helena wirft einen Blick auf eine tibetische Kette - und wird die Verkäuferin nicht mehr los.

Energisch packt mich die drahtige Frau am Jackenärmel. Ich versuche, unter ihrem Arm hindurch zu schlüpfen. Sie hält mir einen überdimensionierter Taschenrechner vors Gesicht, der aussieht wie ein Kinderspielzeug. 65 Yuan, knapp sieben Euro, steht auf der Anzeige. So viel soll die tibetische Kette kosten, auf die ich einen Blick geworfen hatte. Viel zu viel.

Ich winde mich aus dem eisernen Griff der Händlerin, hebe beschwichtigend die Hände, als sie mich erneut von meiner Flucht abhalten will. Nun gut. Ich tippe 6 Yuan ein, ein halbherziger Versuch, sie abzuwehren und meine Ruhe zu bekommen. Ihr Ehrgeiz ist geweckt. Spöttisch schüttelt sie den Kopf, beginnt zu lamentieren, gestikulieren, als feilschten wir um millionenschwere Aktien an der Börse und nicht bloß um ein Lederband mit Anhänger.

Sie verlangt 45, das sei ein"good price, good price!". Niemals. Mein nächstes Angebot lautet 7. Sie verzieht das Gesicht, merkt, dass ich eine harte Nuss bin, nicht so leicht an der Nase herumzuführen wie die meisten Westler.

"Looki, looki, cheapi, cheapi", schallt es Helena entgegen.

Es folgt ein Vortrag – in einer Mischung aus Tibetisch, Chinesisch und Englisch – darüber, dass sie leer ausginge, wenn alle so wenig zahlten und das Amulett zudem aus feinstem "Yak bone", also Rinderknochen geschnitzt sei. Dabei spricht sie es "Jacke bohne" aus.

Für mich ist das Jacke wie Hose. Ich weiß, dass ich die gleiche Kette deutlich günstiger erstehen kann; wenn nicht bei ihr, dann bei einem anderen Händler. Ich überschütte die Tibeterin auf Englisch mit Vorwürfen wegen Wucherpreisen. Sie zuckt noch nicht einmal mit der Wimper. Wahrscheinlich versteht sie mich ohnehin nicht, viele Chinesen können kaum Englisch. "Give me how much, your last price", fleht sie und hält mir erneut den Rechner unter die Nase.

Entschlossen drücke ich die acht. "My last price", verkünde ich und grinse entschuldigend, als sie mich mit unbewegter Miene anstarrt. 25 ist ihr Angebot. Dann eben nicht. Betont langsam schlendere ich zu den anderen Ständen, dessen Besitzer mich mit einem "Looki, looki, cheapi, cheapi!" bereits zu ihren Auslagen locken wollen. Überall der gleiche Tand. Nachdem ich mich einige Schritte entfernt habe, brüllt die Frau mir ein "Okay, okay!" hinterher. Acht?, frage ich und wende mich in ihre Richtung. "15", kommt prompt die Antwort. Demonstrativ weiche ich zurück. "Okay, okay, eight!"

In einem Mischmasch aus Englisch, Chinesisch und Tibetisch wird gefeilscht.

In einem Mischmasch aus Englisch, Chinesisch und Tibetisch wird gefeilscht.


Weiterlesen

Texte, die dich auch interessieren könnten.

Kommentare

cosmaAm 5. November 2013

anmerkung: zen-buddhismus kommt aus japan. in tibet und nordindien leben menschen nach prinzipien des tibetischen buddhismus, wobei es wiederum verschiedene inhäerente schulen gibt, z.b. vajrayana, mahayana etc.