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The Black Keys – El Camino

23. Dezember 2011
Von Ben Grosse-Siestrup

Ben aus Essen ist Autor bei TONIC

Texte von Ben
autor@tonic-magazin.de

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In einem 92er Plymouth Grand Voyager haben sich die Black Keys damals auf den Weg gemacht sich die Weiten Amerikas und den Rest der Welt untertan zu machen. Ihr siebtes Album "El Camino" bringt sie dem Ziel Weltherrschaft wieder ein kleines Stück näher.

Nicht mit Wehmut, sondern mit Freude erinnern sich Dan Auerbach und Patrick Carney an die Zeiten zurück, in denen sie mit diesem Vehikel durch die Staaten fuhren um ihre Musik an den Mann zu bringen. 2011 schließt sich der Zirkel und dem Plymouth wird im Gedenken an vergangene Tage und angesichts der assoziierten Bodenständigkeit das Cover ihres siebten Albums El Camino gewidmet. Der Titel könnte nicht passender sein, "der Weg" und die Entwicklung waren immer schon fester Bestandteil des Bandkonzepts. Kein Album klang bisher gleich, die letzten zwei markieren gar ihren Durchbruch. Wo Attack & Release und Brothers noch deutlich bluesiger klingen, ist El Camino auf die Grundmauern runter gebrannter, schmutziger Rock mit rustikalen Rhythmen zu denen sich fantastisch mitklatschen lässt.

Obwohl sie den Komfort großer Tonstudios durchaus nachempfinden können, halten sie persönlich nicht allzu viel von den überequipten Brutstätten der großen Plattenfirmen. Lieber mieten sie sich damit Low-Fi–Aufnahmematerial in der 'Music City' Nashville, Tennessee ein und frickeln dort ungestört in Jack Whites musikalischer Nachbarschaft vor sich hin. Mehr als ihre Instrumente, ein paar Verstärker und wohltuende Abgeschiedenheit benötigten sie gar nicht um den rauen Vintage-Sound von El Camino zum Leben zu erwecken und für immer auf Plastik zu bannen. Die Ruhe hatten sie dabei auch bitter nötig, standen sie vor nicht allzu langer Zeit durch den Hype um ihre Person und den Stress, den die intensiven Touren mit sich bringen, am Rande eines Burnouts. In Interviews verraten Dan und Patrick aber, dass sich ansonsten am Aufnahmeprozess nicht viel verändert hat, außer dass sie nun deutlich länger brauchen um ihre Songs einzuspielen.

Derrick Tuggle spielte zufällig in diesem Video mit, jetzt proben alle seinen Lonely Boy-Tanz.

Dass nach Brothers und der Übersingle "Tighten Up" nun die erste Singleauskopplung "Lonely Boy" der nächste Hit wird, ist so gut wie abgemacht. El Camino´s verrockter Retrosound bildet zum Jahresende einen markanten Gegenpunkt zu anderen herausstechenden Alben, die durch trendigen Dubstep und 80er Synthie-Disko-Revival punkten konnten. Musste es zwangsläufig so deutlich herausstechen, weil es schlicht und einfach Rock ist? Mitnichten, denn auch wenn mit "Lonely Boy" die dickste Kugel verschossen wurde, funktioniert das Album auch über die volle Länge ganz hervorragend. Stücke wie "Sister", "Gold on the ceiling" oder "Little Black Submarines" sind nicht weniger gefällig. Während die ersten beiden durch hibbelige Tanzbarkeit bestechen, ist der dritte im Bunde besonnener, ja dreht die Zeit noch ein bisschen weiter zurück. Ein Geheimtipp, der uns zurückführt in das Jahr 1971. Led Zeppelin spielen erstmals "Stairway to heaven" und genau mit diesem Spirit ist auch "Little Black Submarines" ausgestattet. Auerbachs Stimme, die eindringlich und meditativ über sanft gezupfter Akustikgitarre thront, lässt uns bis Minute 2 und Sekunde 5 in der Illusion eines kurzen Interludes. Doch dann bricht die Riffwelle wie beim großen Bruder völlig überraschend über uns zusammen, begräbt uns unter wuchtigem Rock. Ob Dan Auerbach in Anlehnung an Jimmy Page bei diesem Gitarrenriff auf der Bühne wohl auch in Zukunft Schlaghose trägt? Das wäre für das Hipstertum wohl Premiere.

Schön, dass die Black Keys angesichts der release-schwachen Periode um Weihnachten mit El Camino, das auf den ersten Blick eher durchschnittliche Musikjahr 2011, noch zu einem versöhnlichen Ende bringen. Man möchte sie dafür drücken. Im Gegensatz zu Gregorians- und Chris de Burgh Best-of muss sich El Camino unterm heimischen Christbaum weder rechtfertigen noch rot anlaufen.

Dan Auerbach (links) und Patrick Carney von den Black Keys

Dan Auerbach (links) und Patrick Carney von den Black Keys

 

Interpret: The Black Keys

Albumtitel: El Camino

Erscheinungsdatum: 2. Dezember 2011

Label: Nonesuch / Warner


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