TONIC ist umgezogen! Hier gehts zur neuen Seite.
Für *Musikfanatiker

Bush – The Sea of Memories

21. November 2011
Von Matthias Seier

Matthias aus Heiden ist Autor bei TONIC

Texte von Matthias
autor@tonic-magazin.de

Matthias Seier

Auf ihrem ersten Album seit Golden State (2001) präsentiert die Grunge-Band aus London zwar keine Innovationen oder Stilbrüche, liefert aber eine unterhaltsame und solide Platte ab.

Bush also. Eine britische Band, die auf ihren frühen Alben den eigentlich damals schon klinisch toten Grunge mit beträchtlichem Publikumserfolg neu aufbereitete. Als sich die Band jedoch mit geringer werdenden Plattenverkaufszahlen konfrontiert sah, Gitarrist Nigel Pulsford aus familiären Gründen die Band verließ und man nicht komplett in der Bedeutungslosigkeit vergehen wollte, löste sie sich 2002 auf. Nun hat Gavin Rossdale die Truppe wieder zusammengeführt und Bush haben ihr fünftes Studioalbum, das von Fans innig herbeigewünschte erste Lebenszeichen nach zehn Jahren, veröffentlicht. Neben Nigel fehlt aber auch der ehemalige Bassist Dave Parsons in der Comeback-Formation. Die qualifizierten Ersatzmänner sind Chris Traynor und Corey Britz.

Das Resultat heißt "The Sea of Memories" und wird hierzulande auf earMusic/Edel veröffentlicht. Durchgängig gut produziert, die ganze Band ist mit Herzblut dabei und die Songs sind so kraftvoll wie eh und je. Die Fanbase dürfte über das Album zu Recht entzückt sein. Songs wie "The Mirror of the Signs" oder "The Afterlife" sind perfekte Ohrwürmer und das schnelle, energiegeladene "She’s A Stallion” elektrisiert den Hörer so sehr wie ein beherzter Griff in die nächstgelegene Steckdose.

Doch es bleibt zweifelhaft, ob Bush mit ihrem Comeback-Album den ganz großen Wurf gemacht haben. Die Songs sind energetisch, klingen gut und sind durchweg bewusst radiotauglich produziert, allerdings ähneln sich deshalb viele Songs bisweilen so sehr, dass wirklich markante Momente ausbleiben. Ansonsten geht es um Extreme: große Gefühle und wahre Emotionen.

Ein bisschen bemüht, ein bisschen sehr künstlich, das ist das offiziellen Musikvideo zur Single "The Sound of Winter". In der ersten Hälfte des Clips stapft der Sänger Gavin Rossdale in bester Coldplay-Video-Manier einsam über einen leeren, grauen Strand und schaut beinahe im Sekundentakt poetisch-verloren und daraufhin kämpferisch-selbstbewusst in die Kamera. Plötzlich ändert sich das Video und man sieht die üblichen und langweiligen Musikvideo-Aufnahmen: lachende Bandmitglieder im dunklen Tonstudio, lachende Bandmitglieder am sonnigen Strand, weibliche Schönheiten lachend am Strand, plötzlich alle zusammen lachend am Strand.

"The Sea of Memories" ist kein sonderlich experimentierfreudiges Album. Doch laut Bush-Frontmann Gavin Rossdale war das auch nicht der Sinn der Sache: Das Album führe die Band bewusst hin zum Mainstream, den Grunge von damals hört man aber nur noch in Nuancen raus. Konzertsäle werden sie mit der Taktik weiterhin füllen können, die Kritiker werden weiterhin verhalten reagieren. Doch wer auf soliden, unterhaltenden und guten Rock mit Ohrwurmqualitäten steht, wird dieses Album bestimmt mögen und hören.

Zusatzinfo: The Sea of Memories wird als Einfach-CD sowie als limitierte Doppel-CD mit acht exklusiven Tracks veröffentlicht, die die Band persönlich aus ihrem Archiv an unveröffentlichten Remixen und Live-Aufnahmen für den europäischen Markt ausgewählt hat.

 

Interpret: Bush

Albumtitel: The Sea of Memories

Erscheinungsdatum: 28. Oktober 2011

Label: Zuma Rock Records


Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.