TONIC ist umgezogen! Hier gehts zur neuen Seite.
Für *Flashmobber

Revolution per Mausklick

19. Oktober 2011
Von Khoa Ly

Khoa aus Madrid ist Autor bei TONIC

Texte von Khoa
autor@tonic-magazin.de

Khoa Ly

Tausende Menschen demonstrierten am 15. Oktober in Madrid mit Trompeten, Pfeifen und Sprechchören gegen die Auswüchse des Kapitalismus.

Tausende Menschen demonstrierten am 15. Oktober in Madrid mit Trompeten, Pfeifen und Sprechchören gegen die Auswüchse des Kapitalismus.

Madrid und New York sind die Ausgangspunkte der weltweiten Occupy-Bewegung. Marta und ihr Team sendeten sich damals Kurznachrichten über soziale Netzwerke. Seitdem bloggen sie gemeinsam. Alle verfügen über ein Fotohandy mit Internetfunktion. Die beiden Notebooks auf dem Getränkekarren unterstützen sie dabei.

Eine Gruppe von Demonstranten trägt einen Pappsarg, aus dem Geldscheine schauen. Sie knien sich hin und wollen den Kapitalismus sinnbildlich zu Grabe tragen. Die Internet-Blogger beobachten die Szene kurz und knipsen Fotos mit ihrem Handy. Sekunden später sind die Bilder im Netz. Marta und der Großteil ihres Teams arbeiten hauptberuflich als freie Journalisten.

Doch Aufträge von Zeitungen erhalten sie kaum. Also bloggen sie zusammen. "Die meisten Spanier glauben nicht mehr den großen Zeitungen. Sie suchen eben nach Alternativen", sagt Marta und rennt auf eine andere Sitzblockade zu, um sie zu fotografieren. Sie beschreibt die Szene in 140 Zeichen und sendet sie per Kurznachricht über das Internet.

"Wir sind die Alternative zu den Mainstreammedien", sagt sie. Sie gehören einer Generation an, die mit dem Internet aufgewachsen ist und sich über dieses Medium informiert – und einer Generation, die keine Arbeit mehr findet. 40 Prozent der Spanier unter 35 Jahren sind arbeitslos.

"Was ist los, was ist los? Wir haben kein Zuhause mehr!”

Das Team ist am Bankplatz angekommen. Sie stehen zwischen zwei großen Bankgebäuden und einer immensen Menschenmenge. Die Veranstalter werden am Ende 150.000 Personen auf dem Platz gezählt haben.

"Was ist los, was ist los? Wir haben kein Zuhause mehr!”, wird im Chor gegrölt. "Globale Revolution ist der einzige Weg!", "Echte Demokratie, jetzt!" oder "Weg mit diesem Regierungssystem!" steht auf den Spruchbändern der Demonstranten. Ein anderer Demonstrationszug kommt auf den Platz. Sie halten ein Transparent in den Händen und fordern: "Wir wollen sie alle!".

Die Berufsfeuerwehr in der Nähe hängte ein Transparent vor ihrer Halle: "Park Nummer 3: Heute 9 Feuerwehrmänner für 27.500 Einwohner." Es ist eine Demonstration ohne genauen Fokus – eine Demonstration gegen die Unzufriedenheit.

Marta tippt weiter Nachrichten in ihr Handy ein. Sie beschreibt, was sie gesehen hat: "Plakat des Tages: Auch wir Snobs sind empört!" Ohne die Wörter noch einmal durchzulesen, ist die Nachricht mit Foto schon abgeschickt. Ihren Eindruck lesen jetzt über 68.000 Menschen auf der Welt.

Info

Lob, Dank und Ehre

Dir hat der Text gefallen? Dann freuen wir uns, wenn du auf den flattr-Button klickst! Keine Ahnung, was flattr ist? Hier gibt's Infos.


«Seite  1  2

Weiterlesen

Texte, die dich auch interessieren könnten.

Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.