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Revolution per Mausklick

19. Oktober 2011
Von Khoa Ly

Khoa aus Madrid ist Autor bei TONIC

Texte von Khoa
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Khoa Ly

Sie sind ohne Arbeit, aber nicht ohne Hoffnung: Junge Spanier organisieren über das Internet Demonstrationen gegen den herrschenden Finanzkapitalismus. Um sich Gehör zu verschaffen, twittern und bloggen sie – und wollen eine Alternative zu den großen Medien werden.

Die Aufruf zur Revolution beginnt mit einem Eintrag auf twitter: "#feliz15o: Weiß du immer noch nicht, wie du mitmachen kannst? Klicke hier! Wir sehen uns auf der Straße!", wird früh-morgens gepostet. Per Mausklick erreicht die Nachricht die 68.000 Abonnenten der Gruppe "#acampadasol".

Wer auf hier klickt, gelangt auf eine Internetseite, die über die weltweite Demonstrationsbewegung Occupy Wall Street informiert. Die Bewegung wendet sich gegen das aktuelle Finanzsystem, sie kritisiert die Gier der Spekulanten. Auf der Website fordern die Aktivisten weltweit zu Demonstrationen auf, die Einträge sind in 18 Sprachen verfügbar.

Marta ist Teil dieses Aktivisten-Netzwerks. Die 27-Jährige trägt ein buntkariertes Hemd, pinke Chucks und eine auffällige, beige Brille. Sie hat Journalismus studiert. Um sie herum: Tausende Menschen, die mit Trompeten, Pfeifen und Sprechchören dem Aufruf gefolgt sind und Richtung Plaza de Cibeles, dem Bankplatz in Madrid, laufen.

Revolution in Bildern

Tausende Menschen demonstrierten am 15. Oktober in Madrid mit Trompeten, Pfeifen und Sprechchören gegen die Auswüchse des Kapitalismus.

Tausende Menschen demonstrierten am 15. Oktober in Madrid mit Trompeten, Pfeifen und Sprechchören gegen die Auswüchse des Kapitalismus.

Marta und ihre fünf jungen Begleiter quetschen sich durch die Menschenmenge. Sie folgen einem Kollegen, der einen mobilen Schreibtisch hinter sich herzieht: Ein Getränkekarren, auf dem eine Plastikbox als Unterlage liegt und auf der zwei Notebooks befestigt sind. Die Notebooks sind an drei Internet-Sticks angeschlossen.

Ihr Arbeitsplatz zieht viele Blicke auf sich. Ein Mitglied aus dem Team hat den heutigen Aufruf über twitter versendet. Marta wirkt ein wenig gestresst und müde. Sie schaut beim Reden andauernd auf ihr Smartphone, mit ihrem linken Zeigefinger streicht sie über das Handydisplay. "Ich lese tweets, Nachrichten auf twitter", sagt sie.

Die Gruppenmitglieder haben sich vor einem halben Jahr kennengelernt. Sie waren bei der Protestbewegung am 15. Mai dabei, bei der junge Menschen mehrere Tage in Zelten die Puerta del Sol besetzt und gegen die spanische Regierungen protestiert hatten. Diese Empörung ist von Madrid in über 58 spanische Städte übergegangen, dann nach Griechenland, Portugal und weitere Länder.

"Wir sind die Alternative zu den Mainstreammedien"
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