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Mariachi El Bronx – Mariachi El Bronx II

27. Oktober 2011
Von Ben Grosse-Siestrup

Ben aus Essen ist Autor bei TONIC

Texte von Ben
autor@tonic-magazin.de

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Es sind wieder Los Wochos bei The Bronx – oder was passiert, wenn das Alter Ego mal wieder übermütig wird.

El Bronx ist eigentlich eine Hardcore-Punk Band aus dem sonnigen Kalifornien. In regelmäßigen Abständen aber, wenn den Jungs die Sonne mal wieder zu kräftig aufs Dach geschienen hat, tauschen sie ihre elektrisch verstärkten Instrumente gegen klassisches Mariachi-Equipment. Dann werden Punks zu sensiblen Männern, die in Cowboystiefeln, feinster mexikanischer Tracht und mit Akustik-Gitarre bewaffnet die Liebe besingen – mit Druck.

"The greatest thing about our band, and the most torturous, is that it’s unpredictable for us too! We don’t know where the chaos will take us, but that’s a good thing – it’s always exciting.” (Caughthran, Sänger)

Chaos oder zu viel Sonne hin oder her, wirklich entstanden ist das Alter Ego-Projekt im Vorfeld einer Fernsehshow, in der El Bronx ganz 90´s eine Unplugged-Session spielen sollten und dies in dem Sinne verweigerten, als das sie mit Sombrero auftraten und ihre, sonst teils sperrigen Songs, in lateinamerikanisches Soundgewebe verpackten. Unplugged war ihnen zuwider und sie wollten es eben einfach mal ein bisschen anders machen, lautete die knappe Erklärung von Gitarrist Joby J. Ford für den kurzweiligen Ausflug in ein nicht gänzlich unbekanntes Genre. Man sei halt einfach keine Band die auf ruhig machen kann und außerdem sei man ja auch in einem mexikanisch geprägten Umfeld aufgewachsen. Damit erübrigt sich weitestgehend die unbequeme Frage nach dem "warum". Long story short: Diesem Impuls folgend, brachten El Bronx unter ihrem neuen Pseudonym Mariachi el Bronx 2009 ihr erstes gleichnamiges Album heraus. Seitdem haben sie ständig Ideen gesammelt und Songs geschrieben. 2011 waren es genug um Album Nummer zwei abzuliefern.

Wo das irreführende Cover des Albums noch zünftigen Gangsta-Rap verspricht, offenbart sich aber eine Stimmung, die romantischer nicht sein könnte. Es geht weder um den neusten Maybach, noch um sonstige Verherrlichung von Statussymbolen. Unter der Sonne Kaliforniens ist in John Avila´s Studio Brando´s Paradiese (San Gabriel) über Weihnachten 2010 ein Album entstanden, das nicht nur mit den Verehrern von Mariachi-Klängen flirtet. 48 Roses (Download) eröffnet den fröhlichen Fiestareigen mit temperamentvoll aufspielenden Trompeten, Geigen und Gitarren. "I´ve always been reckless and foolish with love", tönt uns Caughthrans Stimme entgegen.

Das man angesichts dieser feurigen Klänge an die großen Heroen Los Lobos denkt, bleibt nicht aus. Nach der musikalischen Verbindung braucht man in diesem speziellen Fall auch nicht lange zu suchen. Bereits 2007 trat Vincent Hidalgo, Spross von Los Lobos- Mitglied David Hidalgo, der Formation bei und komplettierte damit das heutige Line-Up. In wahrscheinlich keinem Genre ist Kitsch so schön und so wechseln sich romantische und melancholische Balladen (Fallen; Bodies of Christ) und pikante Up-Tempo-Songs ab. Auch die von deutschen Auswanderen nach Amerika und Mexiko verschleppte Ziehharmonika findet in Mariachi el Bronx wieder Verwendung und macht einen deutlich fideleren Eindruck als bei unseren heimischen Musikern. Western: Mariachi el Bronx fürchten weder Tod noch Teufel und machen sich in ihrem kalifornischen Kontext auf, einem unpopuläreen Genre mit ordentlich Punk und Revolutzer- Spirit wieder frischem Atem einzuhauchen. Allerdings sollten sie den Bogen nicht überspannen.

 

Interpret: Mariachi El Bronx

Albumtitel: Mariachi El Bronx II

Erscheinungsdatum: 23. September 2011

Label: Wichita/Pias


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Kommentare

MarkusAm 27. Oktober 2011

gute Rezension, Ben. Das Album ächzt aber meiner Meinung nach unter alten Schwächen: Der Aktualisierung durch die Texte. Gerade diese Texmex-Musik bietet sich doch an, auch genau das Verhältnis zwischen Amerikanern und Mexikanern zu thematisieren.

Mariachi El Bronx verweigern sich aber dieser Auseinandersetzung und weichen mit ihren Songs bloß aus. Beim ersten Werk haben sie zumindest noch großartige Melodien geboten und ein spannendes Flair - dieses Werk hingegen ist bloßes Mittelmaß in allen belangen und ist zurecht von fast allen anderen Kritikern in diesem Herbst übergangen worden.