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Für *Prinzessinnen

James Blake – Enough Thunder

12. Oktober 2011
Von Ben Grosse-Siestrup

Ben aus Essen ist Autor bei TONIC

Texte von Ben
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Mit seinem Debütalbum entfachte der Brite James Blake einen Medienhype, der in England sonst nur Prinzen zuteil wird. Jetzt legt er mit der neuen EP Enough Thunder nach.

Es war schon fast ein bisschen beängstigend, als Blake Anfang des Jahres sein Debütalbum der Weltöffentlichkeit übergab und damit einen nicht enden wollenden Sturm der Begeisterung entfachte. Obwohl bereits seine ersten EPs äußerst positiv aufgenommen wurden, beschränkte sich der Rummel bis zum ersten Longplayer auf Fachpublikum und die Underground-Szene. 2011 gab es dann aber kein Vorbeikommen mehr und James wurde in der Presse gefeiert wie die Traumhochzeit zwischen Windsor-Prinz William und Kate Middleton. Das Hinterteil von Middletons Schwester Pippa soll an dieser Stelle natürlich nicht unerwähnt bleiben.

Niemand konnte sich dem medialen Flächenbrand entziehen. Kurz bevor die Flamme zu erlöschen droht, legt James nun nach. Sechs Blake-typische Tracks haben es auf die EP geschafft. Neben dem Joni Mitchell-Cover "A Case Of You" und Bon Iver Feature "Fall Creek Boys Choir”, die durch eine Acoustic Performance bei Radio BBC 1 schon bekannt waren, birgt Enough Thunder vier gänzlich neue Songs.

Schon früh sah Blake die Notwendigkeit der klassischen Klavierausbildung, obwohl er dazu nie wirklich Lust hatte. In der Retrospektive und im Bezug auf Mitchells "A Case Of You" und "Enough Thunder”, beides reine Klavierstücke, sind wir ihm für die Hartnäckigkeit und die Ausdauer aber überaus dankbar. Diese absolute Reinheit hält aber nicht lange an. "All went in the fire, drowning the sea.” Autotune Wortfetzen zerschneiden die von vorher aufgebaute Stille in einem längst überfälligen Duett mit dem stilistisch verwandten Bon Iver. Der androide Sound von "Fall Creek Boys Choir" ist zwar wie die meisten Stücke des 22-jährigen Wunderkindes von Grime inspiriert und lose im Dubstep-Genre verwurzelt, dennoch beeindruckend organisch. "Der Mensch soll im Vordergrund stehen" ist der erklärte Motto des Engländers, und so gibt er seiner Musik vor allem eines: Raum und Zeit, um vollends zur Geltung zu kommen. Besonnene Momentaufnahmen, schluchzender zerbrechlicher Gesang, untermalt von gesampelten Telefon-Einwahlgeräuschen. Blake liebt das Spiel mit dem Ungewöhnlichen, Störgeräusche werden mal dezent, mal offensiv, aber immer ins melodische Schema seiner Songs passend, eingesetzt. Während "Not Long Now" sich in diesen Belangen noch bis Minute 3:21 in britischer Zurückhaltung übt und das Rhythmusgebilde ganz sachte steigert, ist "We Might Feel Unsound" weniger subtil und 'belästigt' den Zuhörer gleich von Beginn an, mit Samples hängengebliebener Schallplatten und Synths, aus denen sich dann immer wieder seine verzerrte Stimme erhebt.

So gediegen lächeln 22-jährige Wunderkinder

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Insgesamt viel Lob und kaum erwähnenswerte Kritik: 2011 ist nach wie vor das Jahr seiner Royal Highness James Blake. Jetzt fehlt nur noch, dass die Engländer Tassen mit seinem zerkitschten Konterfei bedrucken und damit das Heldenepos offiziell machen. So ist es halt üblich und auch vom Look würde Blake eigentlich gut in die Windsor-Familie passen. Am 7. Oktober erscheint übrigens auch ein Re-Pack seines Albums mit zwei Tracks ("Tep And The Logic" und "You Know Your Truth") die vorher nur auf der Vinylversion zu finden waren. Die EP Enough Thunder liegt in diesem Paket als CD 2 bei.

 

Interpret: James Blake

Albumtitel: Enough Thunder (EP)

Erscheinungsdatum: 7. Oktober 2011

Label: Polydor/Universal

James Blake auf Tour:

15. November Hamburg / Docks

16. November Berlin / Admiralspalast

17. November Köln / Gloria?

19. November Frankfurt / Cocoonclub


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Kommentare

JohannesAm 25. Oktober 2011

hätte ich diesen Artikel geschrieben, würde er nur zwei Halbsätze umfassen : "ALTER!!!!!! JAMES BLAKE DER JUNGE IST G_O_T_T!!!" Bester Künstler seit Langem, wenn auch Enough Thunder ähnlich wie Bon Ivers EP "Blood Bank" auch schwache und halbfertigen Ideen eine Zuflucht bietet. Aber auf EPs kann man sich ein paar bedeutungslose Tracks ja mal leisten.