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Für *Freiheitskämpfer

Demonstrieren für Anfänger

25. Oktober 2011
Von Leo Mayatepek

Leo aus Bochum ist Autor bei TONIC.

Texte von Leo
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Die Demonstranten halten eine "Asamblea", also eine Vollversammlung ab.

Die Demonstranten halten eine "Asamblea", also eine Vollversammlung ab.

Irgendwann trauen sich dann doch Einzelne die bekannten Parolen anzustimmen: "Brecht die Macht der Banken und Konzerne!" oder "Wir sind hier! Wir sind laut! Weil man uns die Zukunft klaut!" Als sich die Menge der Düsseldorfer Pracht- und Flaniermeile, der Königsallee, nähere, bleiben immer mehr Schaulustige am Straßenrand stehen. Sie wunderten sich über diesen komischen Haufen, der da geschlossen bei Rot (!) über die Ampel ging. "Leute, lasst das Glotzen sein! Reiht Euch in die Demo ein!" tönt es ihnen vereinzelt entgegen.

Am Mikrofon: Enttäuschte Kommunisten und 68er-Romantik

Als die doch leicht angewachsene Menge eine Filiale der Deutschen Bank erreicht, gibt es die Möglichkeit, das "offene Mikrofon" zu nutzen. Ein enttäuschter Kommunist fordert die Leute auf, Marx und Engels zu lesen. Ein auf Woodstock hängengebliebener 68er beendet seinen Beitrag mit den Worten "mehr Liebe!" Ob sich Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, davon zu einer 180°-Kehrtwende seines Denkens verleiten lässt, darf bezweifelt werden.

Das Programm der Demonstranten: Auf die Wiese setzen. Zuhören. Nach Hause gehen.

Das Programm der Demonstranten: Auf die Wiese setzen. Zuhören. Nach Hause gehen.

Ziel der Demonstration ist das Abhalten einer "Asamblea", einer Vollversammlung, auf dem Graf-Adolf-Platz. Plötzlich ertönt griechische Musik aus dem Lautsprecherwagen und für zwei Minuten – vielleicht sogar für drei – tanzen die Leute. Sie tanzen! Dann ist es aber auch wieder gut. Für den Großteil gilt nun: Auf die Wiese setzen. Zuhören. Nach Hause gehen. Mit beruhigtem Gewissen einschlafen, endlich mal wieder etwas "richtig Politisches" getan zu haben.

Neben dem Demokratiedefizit, das die Demonstranten beklagen, scheint es auch ein Defizit innerhalb der deutschen Demonstrationskultur zu geben. Für beide gilt ein Spruch, der auf einem Plakat zu lesen war: "Veränderung ist alternativlos."

Am 11.11.'11 findet erneut ein "worldwide day for global change" statt. In über 1000 Städten werden die Empörten wieder weltweit auf die Straße gehen.

Diesen Artikel findet ihr auch auf Leo Mayatepeks Blog.

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Kommentare

FranziAm 14. Januar 2012

Ziele sind nicht "heer", sondern "hehr".