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The Field – Looping State Of Mind

19. September 2011
Von Hannah Seichter

Hannah aus Essen ist Autorin bei TONIC

Texte von Hannah
[email protected]

Hannah Seichter

Axel Willner kommt aus Stockholm und ist das Gegenbeispiel zum Klischee der hippen und chartstauglichen Schweden-Musik. "Looping State Of Mind"oder ein alternatives Autogenes Training.

Axel Willner

Axel Willner

Hätte man Axel Willner alias the Field mit 13 gesagt, er würde später einmal Tracks in ihre Fragmente zerlegen und zu einem elektronischen Ganzen zusammenfügen, so hätte er vermutlich ungläubig mit dem Kopf geschüttelt. Zu dieser Zeit muss man sich den Schweden etwa so vorstellen: Gitarre in der Hand, vielleicht noch ein Paar Docs an den Füßen, Punk-Kluft und die amerikanischen Punk-Bands Misfits oder den Dead Kennedys in den Ohren. Erst nach seiner Punkbandzeit kam er über den langsamen Drone Doom Metal Mitte der 90er zur elektronischen Musik. Es klingt kategorisch, wenn man von Willners Kindheit und Jugend auf die Entwicklung seiner musikalischen Vorlieben schließt. Doch tatsächlich mag es auch an dieser bewegungsreichen Zeit gelegen haben, dass er sich nicht nur physisch, sondern auch künstlerisch von einem Ort bzw. Genre zum nächsten bewegte.

The Field – Looping State Of Mind

The Field – Looping State Of Mind

Geboren in der Nähe von Stockholm bringt er es in seiner Kindheit auf drei Umzüge; beim ersten ist er gerade mal zarte drei Jahre alt. Das Springen zwischen verschiedenen Orten macht sich aber nicht nur in den differenten Musikrichtungen, sondern auch in seinem aktuellen Schaffen bemerkbar. Axel Willner springt nicht mehr zwischen Genres, sondern Songfetzen hin und her, seziert Musik und schneidet dann, nimmt sie auseinander, entfremdet und bearbeitet sie, um anschließend alles wieder unkenntlich zu etwas ganz neuem zusammenzusetzen. "Looping State Of Mind" strahlt genau diese grenzenlosen Möglichkeiten aus, die sich dadurch ergeben, denn im Gegensatz zum Groß der schwedischen Technoszene, die seit den Eurodance-Zeiten Mitte der 90er vor allem hierfür steht, fokussiert sich Willner gerade nicht auf die Dancefloors, sondern hat sich hauptsächlich dem unaufdringlichen, gemächlichen Ambient zugewandt. Allerdings finden sich auch immer wieder reduziert Techno-Elemente: durch fast alle Tracks zieht sich immer noch der für diesen typische 4/4-Takt und das Hauptstilelement des Openers "This Is Power" ist der monotone Drumsampel-Rhythus. Die Fusion der Genres bedeutet für Willner vor allem Weitläufigkeit: "Ich könnte zurück gehen, vorwärts, seitwärts, einfach überall hin, diese Stellen doppeln, loopen, neue Instrumente hinzufügen. Und natürlich den Beat."

So ist "Looping State Of Mind" die Weite und Kompromisslosigkeit des Ambients und die Dynamik des Techno. Mit den Hauptwerkzeugen Loop und Sampel wird eine ständige lautlose Bewegung assoziiert, die futuristisch ist und nicht von dieser Welt zu sein scheint. Als reise man mit einer solchen Geschwindigkeit, dass die völlig verschiedenen vorbeiziehenden Landschaften durch die Schnelligkeit allesamt gleich verschwommen und ähnlich werden. Songstrukturen lösen sich auf zu fließenden, untrennbaren Fragmenten; alles ist völlig unbewusst in Bewegung, weil der Punkt der Änderung nicht klar definiert werden kann. Das Gefühl, unterwegs und gleichzeitig angekommen zu sein, macht sich breit. Man lässt die einzelnen Trackfragmente ziehen anstatt -wie bei elektronischer Musik anderer Genres- durch Leerstellen oder catchy Soundkonstruktionen auf gewisse Parts gestoßen zu werden und an ihnen hängen zu bleiben. Kein Wunder, dass dem Ambient nachgesagt wird, er entfalte erst dann seinen besonderen Reiz, wenn man sich nicht auf ihn fokussiere und damit bestimmte Elemente ins Unterbewusstsein schleichen können. Doch ausschließlich auf songstrukturvacante Tracks aus fließenden Klangsphären will sich Willner dann doch nicht beschränken, wenn "Then It's White". schon fast Jazz-ähnlich daherkommt, sich ein ungewöhnlich langer und weniger geloopter Keyboardlauf auf eine touchierte Hi-Hat legt und monotone Stimmfragmente den Bass stellen.

Axel Willner ist mittlerweile angekommen und lebt seit 2008 in Berlin; das Genre hat er seit 2003 -der Gründung von The Field- nicht mehr gewechselt. Bleibt zu hoffen, dass das auch so bleibt.

 

Interpret: The Field

Albumtitel: Looping State Of Mind

Erscheinungsdatum: 11. Oktober 2011

Label: Kompakt Germany


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