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Für *Abenteurer

Wasser marsch!

14. August 2011
Von Helena Schmidt

Auf ihrer zweiten Mission wühlt sich Helena nicht nur durch anderer Leute Müll, sondern holt sich auch noch nasse Füße.

Ein Schatz im Mülleimer? Die Bergung ist nicht ganz so ekelhaft, wie Helena befürchtet.

Ein Schatz im Mülleimer? Die Bergung ist nicht ganz so ekelhaft, wie Helena befürchtet.

JuppJupp spinnt. Zähneknirschend drücke ich einzelne Tasten. Heute steht ein Geocaching-Marathon an und mein GPS-Gerät macht Faxen, noch bevor ich den ersten Schatz gehoben habe. Ratlos stehe ich vor einem überfüllten Mülleimer. Rundherum floriert es, ein idyllisches Refugium in der Abendsonne, aber JuppJupp gibt unmissverständlich bekannt, dass dieser Abfalleimer mein Ziel ist. Nie im Leben. Ich mache das nicht, ich wühle mich nicht durch anderer Leute Dreck und Schmutz, nur um an den Cache zu kommen. Aber was ist mit meiner Mission? Ich kann nicht erneut kläglich klein beigeben allein wegen meines Ekels. Ich luge in den Mülleimer, mir weht ein bestialischer Gestank von faulenden Bananenschalen, Apfelkiepen und virenverseuchten Taschentücher entgegen. Ich bekomme Asthma.

Ein Loch im Eisenrohr, eine Tupperschüssel – der Cache fordert Helenas Kombinationstalent.

Angewidert wende ich mich ab und stolpere das Ufer eines plätschernden Flusslaufes hinab. Wie der Blitz durchfährt mich die Erkenntnis: Die empfohlenen Gummistiefel, der wasserdichte Behälter und die Betitlung des Caches mit H2O, alles passt perfekt zusammen. JuppJupp irrt, auch Technik ist nicht allwissend. Der Cache muss im Schlamm dieses Biberbaches verborgen sein.

Während ich über glitschige Flusssteine balanciere, fällt mir wieder ein, dass ein Behälter zum Wasserschöpfen benötigt wird. Stolz kombiniere ich, dass der Schatz in einem Erdloch versteckt ist und an die Oberfläche treibt, wenn man seine Höhle unter Wasser setzt. Beflügelt begebe ich mich auf die Suche nach Erdlöchern, schwemme wahllos das Ufer auf unter emsigen Einsatz meiner mitgebrachten Tupperschüssel. Das Wasser färbt sich langsam schlammfarben, aber kein Cache taucht auf. Erschöpft kraxele ich über den Biberbach zurück und lasse mich auf eine Bank neben dem Mülleimer fallen. Welch ein glorreicher Beginn. Mein Blick wandert ziellos vorbei an den Weg säumenden Infotafeln über heimische Wasservögel, streift den Abfalleimer und bleibt an einem Loch hängen.

Nach getaner Arbeit holt Helena sich nasse Füße.

Nach getaner Arbeit holt Helena sich nasse Füße.

Das Loch macht mich stutzig. In das Eisenrohr, an dem der Müllereimer befestigt ist, hat jemand knapp über dem Boden eine fingergroße Öffnung gebohrt. Mit pochendem Herzen werfe ich einen Blick in das Rohr und kann ganz unten etwas blau Schimmerndes ausmachen. Der Cache. Während ich aufgeregt das Loch abdecke, befülle ich das Rohr von oben mit Flusswasser. Trudelnd wie ein Schwimmer, kurz vor dem Ertrinken, treibt die Dose an die Oberfläche. Gierig greife ich mit beiden Händen danach und bekomme nasse Füße. Aus dem Loch schießt zischend das aufgestaute Wasser heraus.

Auf Kreuzfahrt mit der Titanic
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