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Für *Liebesphilosophen

Strategisch verliebt

15. August 2011
Von Gustav Beyer

Gustav aus Münster ist Autor bei TONIC

Texte von Gustav
autor@tonic-magazin.de

Gustav Beyer

Kriegt man sie mit Superlativen herum? Gustav bezweifelt es.

Kriegt man sie mit Superlativen herum? Gustav bezweifelt es.

Ich bin normalerweise der Typ, der korrigiert, wenn die Begleitung von "Spagettis" spricht: "Weißt du, 'Spagetti' ist schon der Plural. Die Singleform ist 'Spagetto'." Zu spießig? Wahrscheinlich. Aber Alternativen scheinen mir zu oberflächlich, um an Aufmerksamkeit zu gelangen: Erobere ich sie vielleicht mit Superlativen? Daran sind wir doch gewöhnt. Der Naturjoghurt aus der Werbung ist der leckerste, der Blockbuster ist der beste aller Zeiten, die Brust der RTL2-Moderatorin ist am größten. Deutschland ist das Land der superlativen Vollendung: Superstar und Europa-Park, totaler Krieg und Vollkornbrot. Wollt ihr das, ihr Frauen? Du bist die schönste, größte und beste? Kann ich mir kaum vorstellen, das würde ja die Trennung vom Rationalen bedeuten, Frauen, am Ende wärt ihr unvernünftig!

Erkenntnis Nummer zwei: Raritäten sind gefragt.

Gib's doch zu, Schlange! Die Etikette des brav erzogenen Lustmolchs, das Musterverhalten des ahnungslosen Traum-Boys, der in göttlichen Worten den Himmel auf die Erde lügt – das ist doch unnötig! Eine hübsche Frau kriegt ihre Männer. Basta. Und sie kriegt ihre Komplimente von den Männern. Immer dieselben, wetten? "Du siehst vor dem Hintergrund dieses Kastanienbaums rein farblich echt hinreißend aus." Ausgelutscht, sag ich euch. Je origineller die Komplimente, umso peinlicher. Damit Frau tatsächlich anbeißt, muss Mann eine Rarität darstellen.

Erkenntnis Nummer drei: Lieber die Dame kämpfen lassen.

Die Lösung heißt Distanz. Während die ganzen Muskelpakete mit Discounter-Sprüchen um Frischfleisch buhlen, nimmt sich Frau vielleicht doch den schüchternen, vermeintlich desinteressierten Gustav aus der Ecke, der die Taktik längst eiskalt durchschaut hat. Die Taktik nämlich, keinen Kampf zu starten, keinerlei Zwang zu vermitteln. Was man nicht hat, das will man haben, und was man eh nicht kriegen kann, will man umso mehr. Wer die Dame kämpfen lässt, bietet Beschäftigung und Reiz. Eine Chance zum Erfolg?

Aber was erzähl' ich hier? Ich sitze im dritten Teil meiner Kolumnenserie immer noch allein am Esstisch. TONIC ist zwar nicht das Forum für Kontaktanzeigen, aber ein Versuch wär's vielleicht wert: Ääähm, ich, männlich, süße 18, dunkelblond, suche niemanden. Ich will auch gar nichts mit dir, weiblich, zu tun haben. Du interessierst mich gar nicht! Oder doch? Verzweiflung. Na los, beiß an! Hach, ich werde wahnsinnig. Heiratsanträge und Blumenspenden bitte an die Redaktion. Ich lass mich überraschen.

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Kommentare

JonAAm 15. August 2011

herrlich geschrieben, trifft dein Fazit so ziemlich das Meine und das meiner Freunde. Weiter so :)

JulijahAm 15. August 2011

Hey man,

falls du keine NEON liest oder auch nicht von selber auf die Gedanken gekommen bist: wer (verzweifelt) sucht, findet auf keinen Fall. Jedenfalls nicht, wenn du eine Freundin suchst. Und durch einfach mal desinteressiert tun tarnst du dich auf keinen Fall, das hat meine Studie an mir selbst in den letzten 6 Monaten eindeutig ergeben. Menschen spüren, wenn du nur so tust, als wärst du nicht interessiert. Und verzweifelte Sucher...verlieren gnadenlos gegen selbstbewusste, mit ihrem Leben und sich komplett zufriedenen Singles. Die strahlen von sich selbst das gewisse Etwas aus, das uns Frauen (oder euch Kerle) so anzieht! ;) Probiers mal aus und viel Erfolg dabei!

GustavAm 4. September 2011

Wer liest denn schon die NEON? ;)

FabiAm 16. August 2011

Großartig! Ich lache Tränen :D

HolmAm 25. August 2011

Herr Gustav! Toll! Dieses Wissen! ;-)