TONIC ist umgezogen! Hier gehts zur neuen Seite.
Für *Abenteurer

Nachtschwärmer

17. August 2011
Von Helena Schmidt

Das Augenpaar eines wilden Tieres oder doch der nächste Hinweis?

Das Augenpaar eines wilden Tieres oder doch der nächste Hinweis?

Der zur dritten Station weisende Reflektorpfeil lässt nicht lange auf sich warten und schickt uns zu einer weiteren Plastikrohr-Konstruktion. Endlich können wir unserer Anspannung Luft verschaffen und die mitgebrachte Fahrradpumpe ansetzten. Von oben kommt eine Dose geflogen. Post für uns. Der letzte Teil des Codes, mit welchem sich der Cache öffnen lässt. Dass uns der Hinweis aus der zweiten Dose fehlt, verdrängen wir. Keine Zeit für Pessimismus. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und so besteigen wir den finalen Abschnitt des Tackebergs. Es ist ein bisschen wie bei Hänsel und Gretel. Meine Begleiter sehen zwischen den Bäumen schon zwielichtige Gestalten lauern. Hirngespinste? Vielleicht doch die böse Hexe. Ich wünschte, ich hätte Kieselsteine für den Rückweg gestreut.

Bei jedem Knacken, Rascheln, Rauschen zucke ich zusammen: Ein Überfall?

Aber zunächst müssen wir den Cache knacken. Von einer Lichtung starren zwei silberne Augen auf uns hinab. Das Zeichen, dass in unmittelbarer Nähe in einem Erdloch unter einem entwurzelten Baum die Dose versteckt ist. Wir sind umringt, eingekesselt von Wurzelwerken, die ihre krummen Fänge in die Luft strecken. Mir ist gar nicht wohl zu Mute. Nervös wandere ich umher, leuchte Erdhöhlen aus, immer darauf bedacht nicht zu weit von den anderen entfernt zu sein. Bei jedem Knacken, Rascheln, Rauschen zucke ich zusammen, in ängstlicher Erwartung überfallen zu werden. Als ich mich umdrehe, erschrecke ich. Ein Jägerstand, aber er ist verlassen. Wolkenberge türmen sich am nachtschwarzen Himmel, der Wind gewinnt an Kraft und unsere lässt nach. Ein Sturm ist im Anzug.

Ein fürchterlich schiefes "Oh, Tannenbaum" vertreibt die bösen Geister.

Erschöpft kriechen wir auf dem Boden, zwängen uns zwischen Ästen hindurch, aber wir sind auf der falschen Fährte. Es wurde ausdrücklich gesagt, man bräuchte keine Querfeldein Wanderung zu machen. Resigniert geben wir auf. Von jetzt auf gleich ist die Entscheidung gefallen, den Rückzug anzutreten. Wir eilen diesem Horrorszenario davon, überzeugt dem Bösen noch entwischen zu können. Mir ist, als ob vor uns ein Wunschbild von unserem sicheren Auto schwebt, das uns aus dem dunklen Wald lockt. Noch nie habe ich mich so sehr gesehnt, in diesem Auto zu sitzen. Um die letzten bösen Geister zu vertreiben, singen wir lauthals und fürchterlich schief Weihnachtslieder. Selbst die hartnäckigsten Gespenster müssen spätestens jetzt das Weite suchen. "Oh, Tannenbaum" scheint angesichts der Umgebung noch am passendsten. Wir ertragen den Gedanken nicht, dass Knecht Ruprecht längst vergangene Kindersünden bestrafen wollte und uns bei der heutigen Bescherung ausgelassen hat. Lieber singen wir weiter. Bis uns die roten Rückstrahler des Autos aus der Ferne fröhlich zu zwinkern. Sie glühen im Dunkeln wie Rudolfs rote Nase. Unsere Rettung.

Mission Nummer vier dokumentiert Helena in Bildern.

Info

Lob, Dank und Ehre

Dir hat der Text gefallen? Dann freuen wir uns, wenn du auf den flattr-Button klickst! Keine Ahnung, was flattr ist? Hier gibt's Infos.


«Seite  1  2

Weiterlesen

Texte, die dich auch interessieren könnten.

Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.