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Für *Musikfanatiker

Little Dragon – Ritual Union

7. August 2011
Von Hannah Seichter

Hannah aus Essen ist Autorin bei TONIC

Texte von Hannah
autor@tonic-magazin.de

Hannah Seichter

So klingt leichtfüßige Genremischung – Little Dragon feiern mit "Ritual Union" die Hochzeit von Jazz, Pop, Elektro und Soul.

Zu viel beim Chinesen gegessen und sich dann mit vollem Magen nach dem Glücksdrachen auf den Pappkartons benannt? Ganz so schlimm war es bei der schwedischen Combo Little Dragon nicht.

Sie hat mit einem anderen "Drachen" zu tun. Er ist weiblich und bekam diesen Namen vor allem wegen seiner plötzlichen, hysterischen und feurigen Wutausbrüche. Frontfrau Yukini Nagano hat den Wink mit dem Zaunpfahl aber inzwischen verstanden, schont ihre altbekannten Bandkollegen (die vier sind seit Schulzeiten befreundet) und konzentriert sich darauf, ihre mal einlullenden, mal überspitzen gesanglichen Akzente zu setzen. Die extrovertierte Divenhaftigkeit beschränkt sich erst einmal auf glamuröse Promofotos, bevor sie destruktiv für die Musik werden könnte.

Little Dragon auf einem unglamouröseren Promofoto

Little Dragon auf einem unglamouröseren Promofoto

Zwar lassen sich Little Dragon in die Elektroszene Schwedens einordnen, allerdings sind sie weniger auf der Suche Nach DEM Ohrwurm schlechthin, wie man das etwa von ihrem Kollegen Mike Snow vermuten könnte. Mit Ritual Union haben Nagano und ihre drei Kollegen Erik Bodin, Frederik Källgren Wallin und Hakan Wirenstrand nun eine Elektropop-Platte ausgespuckt, die entspannt und gelassen daherkommt, bei der man aber gleichzeitig aufspringen und tanzen möchte.

Ritual Union – dieses Motto gilt nicht nur für die Pärchen auf dem Albumcover, sondern auch für die Scheibe selbst. Little Dragon vereinen Soul, Elektro, Pop und Lounge so selbstverständlich, als hätte es nie etwas anderes gegeben. Der einerseits verspielte, andererseits träumerische Sound mag seine Wurzeln unter anderem bei den Sideprojects der Frontfrau haben, die sich auf kein bestimmtes Genre festlegen will. Überwiegend die heimische Musikszene unterstützend macht Nagano unter anderem NuJazz, Indie Folk und Lounge; beim letzten Album der Gorillaz ist sie auf gleich zwei Tracks zu hören.

Little Dargon nehmen alle diese Genres im Gesamtpaket, wobei ihre eigene, leichte Rhythmik das prägende Element ist. Klarer und signifikanter Hi-Hat-Einsatz und unscharfe Synths in "Brush The Head" sind die Verschmelzung von Low- mit Hi-Fi; "Precious" liefert mit seinem Percussionfeuerwerk und den knartschenden Synths einen Klecks verelektonisierte Weltmusik. Ein kurzweiliges Gesamtklangbild, das leider ein wenig zu dünn und luftig bleibt. Weil es ihm an erdigen und flächigen Bas-Sounds mangelt und nah an der sopranen Oberfäche bleibt.

Das Ding hat wortwörtlich keine Tiefe. Dabei sind die Porträts von bestimmten Alltagssituationen wie dem Verlassen des Hauses über die Türschwelle ("When I Go Out") oder dem Augenblick, an dem man beim Tanzen die eigenen Füße spürt ("Nightlight") durchaus reizvoll. Ganz dem Motto der Popkultur folgend liefert Nagano in ihren Lyrics Snapshots bestimmter Momente.

Weil ihre Stimme aber von einem künstlichen Hall umgeben stets zwischen Soul und beiläufigem Gesang tänzelt, fallen diese schlicht und einfach nicht in den Fokus des Hörers. Der in der Musikpresse häufig angeführte Vergleich Naganos mit der Stimme eines gewissen Prince ist zwar durchaus berechtigt, allerdings bleibt nach mehrmaligem Weichspülgängen im Tonstudio nur eine dünne Version davon. Während Prince die Grenzgänge beherrscht, sich mit immer wieder wechselnden Namen neu erfindet und so stets undefinierbar und spartenlos bleibt, straucheln Little Dragon bei diesem Versuch. Es mag an der mangelnden Erfahrung liegen, dass man über den unzähligen Genreelementen schwebt, anstatt in die Tiefe zu gehen, sich ihnen wirklich zu widmen und sie konsequent umzusetzen.

Ein unbeschwerter, lauer Pop-Sound, der ohne Zweifel Spaß machen kann, bei dem man bei aufmerksamerenm Zuhören aber leider recht schnell ein Nickerchen machen würde – So ist Ritual Union ein wenig wie ein Fake-Diamant: Ihr gegenwärtiger Hype in den Medien ist berechtigt, wenn man ein glitzerndes, schnelles Vergnügen möchte. Echt und authentisch ist er deshalb aber noch lange nicht.

 

Interpret: Little Dragon

Albumtitel: Ritual Union

Erscheinungsdatum: 26. Juli 2011

Label: Peacefrog

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