TONIC ist umgezogen! Hier gehts zur neuen Seite.
Für *Agnostiker

Karriere? Kind!

21. August 2011
Von Anja Bossow

Anja aus Hamburg ist Autorin bei TONIC

Texte von Anja
[email protected]

Platzhalter

Das mormonische Familienbild ist traditionell, Ehe und Kinder gehören fest dazu.

Das mormonische Familienbild ist traditionell, Ehe und Kinder gehören fest dazu.

Ethan hatte sich vorbereitet und etliche Liahonas, die mormonische Kirchenzeitschrift aus Utah, Bücher und Rundbriefe herausgesucht, aus denen er die oberste Präsidentschaft und den Rat der Zwölf zitiert. Diese Institutionen sind mit dem Vatikan und dem Amt des Papstes in der katholischen Kirche zu vergleichen. Die erste Präsidentschaft besteht aus einem Propheten und zwei Aposteln als Ratgeber, die auf Lebenszeit vom Rat der Zwölf gewählt werden. Stirbt der Prophet wird in der Regel der dienstälteste Apostel aus dem Rat berufen. Diese Gremien leiten und verwalten die Kirche und werden als Propheten, Seher und Offenbarer gesehen, die in direktem Kontakt zu Gott stehen.

Zufriedene Menschen ohne Sorgenfalten im Gesicht.

Während Ethan redet, lächelt er die ganze Zeit und strahlt eine bewundernswürdige Gelassenheit aus. Dabei wirkt er auf den ersten Blick vielmehr wie ein unsicherer, unsympathischer Mensch. Es ist ein Wunder, dass er noch atmen kann, so eng ist das Hemd zugeknöpft und die große Brille rutscht ihm beständig auf die Nasenspitze herunter. Sein Gesicht glänzt ölig und die Haare liegen seitlich am Kopf geklatscht. Trotz alledem besitzt er eine Ausstrahlung, so wie seine Vorredner. Es sind zufriedene, in sich ruhende Menschen, die mir hier begegnen und von ihrem Glauben erzählen. Keiner wirkt gehetzt oder hat Sorgenfalten im Gesicht. Stattdessen wirken fast alle ruhig, besonnen. Eine Wirkung, die ich nur von wenigen Menschen kenne. Meistens habe ich den Eindruck, dass niemand so recht zufrieden ist, mit dem was er hat. Es steht immer noch etwas auf der To-Do-Liste, es gibt immer noch eine bessere Alternative und Entscheidungen sind immer noch anzuzweifeln. Selten begegne ich Menschen, die genau wissen, was sie tun oder die mit sich und der Welt zufrieden sind. Ich selbst bin wohl das beste Beispiel dafür. Dass ich ausgerechnet in einer Kirche ein Gefühl von Ruhe und innerer Zufriedenheit spüre, macht mir ein bisschen Angst. Aber die Menschen hier besitzen eine Aura, die abfärbt. Ein besseres Wort finde ich nicht, obwohl ich genauso wenig an Esoterik wie an Gott glaube. Ob das nun an ihrer Erleuchtung oder an ihrem festen Glauben und einer daraus folgenden gelasseneren Lebenseinstellung liegt, weiß ich nicht. Aber ich finde es bemerkenswert.

Info

Lob, Dank und Ehre

Dir hat der Text gefallen? Dann freuen wir uns, wenn du auf den flattr-Button klickst! Keine Ahnung, was flattr ist? Hier gibt's Infos.


«Seite  1  2

Weiterlesen

Texte, die dich auch interessieren könnten.

Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.