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Für *Abenteurer

Höhenrausch und Bodenschatz

11. August 2011
Von Helena Schmidt

Gleich drei Schätze will Helena auf ihrer ersten Mission heben. Dafür erklimmt sie Bäume, wälzt sich auf dem Boden und hadert mit ihrem GPS-Gerät.

Wogende Felder, grüne Wiesen und Wälder. Beim Geocaching lernt Helena den Ruhrpott von einer neuen Seite kennen.

Wogende Felder, grüne Wiesen und Wälder. Beim Geocaching lernt Helena den Ruhrpott von einer neuen Seite kennen.

Kräftig trete ich in die Pedale. Der Tag ist wie geschaffen für mein Abenteuer. Goldene Ähren wiegen sich in der lauen Sommerbrise. Mit dem Rad rumpele ich über einen holprigen Trampelpfad. Beidseitig endlose Felder, in denen sich der Wind verfängt. Das satte Grün des Waldes scheint zum Greifen nah. Ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Das GPS-Gerät in meiner Hand piepst und lotst mich zum Wegesrand. Das muss es sein, ich steige ab und lasse das Fahrrad zu Boden sinken.

Ehrfürchtig verharre ich den Kopf in den Nacken gelegt vor einem mächtigen Baum. Durch das dichte Blätterdach sickern vereinzelt Abendsonnenstrahlen, besprenkeln das verdorrte Gras zu meinen Füßen. Dort oben in luftiger Höhe wartet in einem Schlupfloch mein erster Cache auf mich. Tief in mir breitet sich ein Kribbeln aus. Soll ich? Die Hände gleiten Halt suchend über die borkige Rinde. Ich klemme meinen Fuß in eine Kerbe, ziehe ich mich hoch, umklammere hilflos den Stamm. Es knackt, zwischen meinen Fingern bröckelt mein Haltegriff. Ich rutsche abwärts und plumpse unsanft auf den Boden. Glimpflich davongekommen. Mit Oberarmmuskeln war ich noch nie gesegnet.

Hängt der Schatz an einem Faden herab, ist er an die Rinde gebunden oder verbirgt er sich in einem Astloch?

Aber an Aufgeben ist nicht zu denken. Der Cache heißt nicht umsonst "Beweist mal Initiative". Nach der ersten unfreiwilligen Umarmung, hieve ich mich sehr unelegant hoch und schwinge mich auf den untersten Ast. Geschafft. Schön ist es hier oben. Das Schwierigste kommt noch, nämlich zwischen all dem Grün und Braun und Grau, eine Dose auszumachen. Von meinem Platz aus spähe ich umher. Die Beschreibung besagt, dass der Schatz an einem Astende versteckt ist. Nur wie? Hängt er an einem seidenen Faden herab, ist er an die Rinde gebunden oder verbirgt er sich in einem Astloch?

Irgendwo in der Baumkrone muss der Cache zu finden sein.

Irgendwo in der Baumkrone muss der Cache zu finden sein.

Neugierig erkunde ich die Baumkrone, klettere umher, begehe den Fehler nach unten zu schauen. Schwankender Boden aus vier Meter Höhe. Schnell kralle ich die Finger in die Rinde. Kein Ort für Leute mit Höhenangst. Zum Glück zähle ich mich nicht dazu. Mein Blick schweift umher, Ernüchterung macht sich breit. Der muss doch hier irgendwo sein. Vielleicht finde ich ihn nicht, das wäre eine Blamage. Das will doch keiner lesen. Durch das Astgewirr glitzert ein See, darauf schwimmt ein orangenes Boot. Halt, das ist kein Boot.

Unberührte Natur im Ruhrpott? Gibt es noch!
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