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Für *Abenteurer

Der cachende Anzugfuzzi

11. August 2011
Von Helena Schmidt

Ein erwachsener Mann im Anzug, der sich am hellichten Tag durch Gestrüpp und Unterholz kämpft? Helena wird neugierig und lässt sich von seiner Leidenschaft anstecken: dem Geocaching.

Für TONIC dokumentiert Helena ihre Geocaching - Erfahrungen.

Für TONIC dokumentiert Helena ihre Geocaching - Erfahrungen.

Äste knacken, Blätter rascheln, ein leises Aufstöhnen. Da pirscht einer umher. Kurz leuchtet es blau im Gestrüpp auf. Aus dem Gebüsch kommt ein Mann mittleren Alters gekrochen im indigofarbenem Regenponcho über dem Anzug. Die Augen stur auf ein kleines, schwarzes Gerät in seinen Händen geheftet, robbt er den Gehweg entlang. Blätter hängen in seinen zerzausten Haaren. Mit einem Lächeln auf den Lippen kommt er auf die Beine, um blindlings über die Straße zu rennen immer der Blackbox nach. Zielstrebig nähert er sich einem Spielstraßenschild. Prüfend tastet er die Pfeiler ab, erkundet die Zwischenräume. Auf den Knien liegend zieht er siegessicher ein Döschen, das an einer Schnur baumelt, aus der Spalte hervor. "Was machen Sie da?" Erschrocken dreht er sich um, den Fund hinter seinen Rücken verbergend. Misstrauisch beäugt er mich, schaut prüfend nach rechts und nach links. "Ich cache", wispert er. Ob ich ein Muggel sei, fragend schaut er mich an. "Keine Ahnung, wovon reden Sie überhaupt?" Schwärmend weiht er mich in seine exotische Tätigkeit ein.

Wie in alten Zeiten schleicht und schnüffelt man umher, bis der Schatz gefunden ist.

"Geocaching ist die neue Art des Nervenkitzels. Weltweit verstecken begeisterte Anhänger kleine Schätze, sogenannte Caches. In Form von Filmdosen, Schmuckschatullen, Butterbrotdosen baumeln die Caches von Bäumen, kleben unter Parkbänken, stecken in Mauerritzen oder thronen auf Hausdächern. Auf der offiziellen Website geocaching.com registriert der Besitzer seinen Cache unter Angabe der Koordinaten des Versteckes. Jeder kann nun Entdecker spielen, ob Hausfrau, Schornsteinfeger, Radfahrer, Beamter oder Hundebesitzer. Dazu braucht man nur ein GPS-Gerät. Wie in alten Zeiten kriecht man durch Büsche, erklimmt Ruinen, buddelt im Dreck, schleicht und schnüffelt man umher bis der Schatz gefunden ist. Ein Triumphzug!"

Mein cachender Anzugsfuzzi wendet sich zum Gehen. Seine Mittagspause ist schon längst vorbei. Er zwinkert mir noch verschwörerisch zu, dann verschwindet auch der letzte Zipfel seiner Regentracht um die Ecke.

Irgendwie habe ich jetzt Lust bekommen, auf das Cachen. Vielleicht sollte ich es ausprobieren. Einen Selbstversuch fände ich sehr heroisch. In meinem Kopf nimmt ein Plan Gestalt an: 15 Tage, fünf Missionen, so viele Caches wie möglich. Ich werde sie finden. Oder?

Zu Helenas erster Mission.


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