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Für *Musikfanatiker

Blood Orange – Coastal Grooves

16. August 2011
Von Ben Grosse-Siestrup

Ben aus Essen ist Autor bei TONIC

Texte von Ben
autor@tonic-magazin.de

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Das Afro-Chamäleon Devonte "Jay" Hynes hat schon wieder die Farbe gewechselt und macht jetzt japanisch-zurückhaltenden 80s Pop.

Die englische Zeitung The Guardian titelt "The Many Lives of Dev Hynes" und hat damit die perfekte Überschrift für die künstlerischen Eskapaden Devonte Hynes', kurz "Jay", gefunden. Touche, Guys. Hinter diesem Namen verbirgt sich der wohl aktuell wandlungsfähigste Musiker der Szene.

Nach dem Kurzzeit Projekt Test Icicles (Hardcore, Punk und Indie), seiner anhaltenden Lightspeed Champion-Periode (Indie-Surf-Pop mit klassischen Anleihen) und einer komplizierten Operation, ist der Genre-Grenzgänger Hynes nun stimmlich androgyner unterwegs.

Seit Jahren ist er kein unbeschriebenes Blatt mehr. Die Vielfältigkeit, die er dabei an den Tag legt, ist beeindruckend und würde dem farbflexiblen Chamäleon alle Ehre machen. Für Florence and the Machine und The Chemical Brothers hat er Hits geschrieben und produziert, er ist Autor, gestaltet Graphic Novels (hipp für Comics) und betreibt als Freizeitspaß eigene Projekte. Durch und durch Arbeitstier, bringt er nun als Blood Orange verkleidet Ende des Monats sein neues Debütalbum Coastal Grooves auf den Markt. Ganz nebenbei ist es nicht entstanden, dennoch groovt es leichtfüßig und funkig vor sich hin.

Amerika, England, Amerika: Nachdem er sich den Großteil seines Lebens in England aufhielt, kehrte der Multiinstrumentalist vor einigen Jahren in sein Geburtsland Amerika zurück und lebt nun in New York. Ein wichtiger Schritt für die Entstehung von Coastal Grooves, denn die Stadt belegt durch die nächtlichen Häuserschlucht-Spaziergänge und die urbane Geräuschkulisse einen der vorderen Plätze im Inspirations- und Referenzspektrum von Hynes. Eine schüchterne Momentaufnahme, in der die flüchtige Gitarre genauso schnell hinter der nächsten Ecke verschwunden ist, wie der Schatten, der Hynes auf Schritt und Tritt verfolgt. Der Rest besteht aus einem nicht minder farbenfrohen Mix, der von Transgender Phänomen Octavia St Laurent ("Sutphin Boulevard") über Chris Isaak bis zu japanischem Soundkitsch ("Can We Go Inside Now") reicht.

Das aus Lederjacke und Ledercapie bestehende Outfit, das zumindest mich irgendwie an Ray Parker jr. erinnert, sagt es laut und deutlich: Die Zeit ist stehengeblieben in Hynes undurchsichtigem 80s- Synästhesie-Paralleluniversum.

Formen werden zu Klang, Sinnesebenen fließen ungehemmt ineinander, Zeit wird irrelevant.

Coastal Grooves ist eigentlich kein Musikalbum, sondern eine cineastische Zusammenfassung, greift dabei Hynes Vergangenheit als Prügelknabe auf und reflektiert seine bisherigen künstlerischen Leistungen. Umwerfend.

Mit Blood Orange unternimmt Devonte Hynes eine spannende Irrfahrt, in der er uns mal mit klar akzentuierter Rhythmus-Electronica und einer gehörigen Portion Funk lockt ("S´cooled") und dann mit minimalistischen auf Schlagzeug und Bass reduzierten Songs fast verhungern lässt. Das es auch selbstbewusster und aufmüpfiger geht sehen wir in "Sutphin Boulevard", dem Pendant zu seinen einsamen Spaziergängen.

 

Interpret: Blood Orange

Albumtitel: Coastal Groove

Erscheinungsdatum: 26. August 2011

Label: Domino Records


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