TONIC ist umgezogen! Hier gehts zur neuen Seite.
Für *Facebookjunkies

Treffpunkt der Extremisten

24. Juli 2011
Von Ruben Karschnick

Ruben aus Hamburg ist Chefredakteur von TONIC

Texte von Ruben
[email protected]

Ruben Karschnick

Nach dem Massaker in Norwegen lassen Menschen auf Facebook ihrer Wut auf den Attentäter freien Lauf. Doch zwischen Rufen nach Todesstrafe und Gerechtigkeit finden sich auch Solidaritätsbekundungen mit dem Massenmörder – ohne, dass man lange suchen muss.

Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik

Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik

"Congratulations. Good job.", postet ein Tscheche mit Osama Bin Laden als Profilbild. Und etwas später: "It's a norwegian celebrity" – einer Person gefällt das. Ein anderer User, der sich "Tecktonic Fünf" nennt, hat ein Bild hochgeladen, auf dem das Gesicht des Attentäters Anders Behring Breivik mit dem Schriftzug "Island Stage: Clear" zu sehen ist. Innerhalb kürzester Zeit gibt es wütende Kommentare. Er antwortet: "Problem (...)? Take your butthurt elsewhere, moralfag."

Wer nach dem Massaker in Norwegen auf Facebook klickt, findet unerwartete Kommentare. Mitten unter "Burn"-, "Hang"- und "Die"-Rufen in Richtung des Attentäters posten auch dessen Anhänger. Unzensiert und ohne jeden Skrupel erklären sie ihre Solidarität mit dem Massenmörder.

Ein tschechischer User mit Osama Bin Laden als Profilbild postet: "Congratulations. Good job."

Gibt man den Namen Anders Behring Breivik in die Facebook-Suche ein, erhält man eine scheinbar endlose Liste mit Gruppen. Einige werden von mehreren tausend Leuten geliked – natürlich sind sie keine Anhänger, sondern Menschen, die einen Ort suchen, an dem sie ihre Wut, Verzweiflung oder ihr Mitgefühl mit den Norwegern ausdrücken können.

Doch wenige Klicks weiter unten existieren kleine Gruppen seiner Sympathisanten, sie tragen Namen wie "Anders Behring Breivik: Our New King" oder "ANDERS BEHRING BREIVIK FAN PAGE". Auf einer Pinnwand steht: "ANDERS IS A HERO" – drei Personen haben auf "gefällt mir" geklickt.

Die meisten dieser Gruppen haben nicht mehr als zehn Anhänger. Aber mit welchem Ziel sie gegründet worden sind und wer hier auf "gefällt mir" klickt, bleibt ein unheimliches Rätsel.

Bis die Sicherheitseinrichtungen des Social Web greifen, haben extremistische Beiträge längst ein Publikum gefunden

"Du wirst keine Inhalte posten, die: verabscheuungswürdig, bedrohlich (…) sind, zu Gewalt auffordern oder (…) Gewalt enthalten." heißt es in den Nutzungsbedingungen von Facebook. Doch bis die Sicherheitseinrichtungen des Social Web greifen, haben extremistische Beiträge längst ein Publikum gefunden.

Auf der Plattform selbst wird längst über die Problematik diskutiert: "facebook makes it easy for evil organizations to recrute interested people and should therefore be stopped now." , schreibt ein User. Ein anderer formuliert es noch extremer: "facebook is a psychopathic idea to instrumentalize people from all over the world, in the favor of a small group of profiteers and favors virtual zombiness".


Weiterlesen

Texte, die dich auch interessieren könnten.

Kommentare

ChrnosClockAm 24. Juli 2011

Sorry, aber der Artikel ist ja mal mehr daneben, als alle Artikel, der ach so schlechten etablierten Medien zusammen. Neben absoluter Inkompetenz in Hinblick auf die Umsetzung von "Sicherheitseinrichtungen des Social Web" bis hin zu Bereitstellen von Links zu den betreffenden Gruppen, ist der Aufruf, nein der gesamte Beitrag einfahc nur absolut schwach und sorgt dafür, dass ich jetzt sofort mein Like von eurer Facebook Page nehme. Solche Beiträge sorgen für schlechte Meinung der älteren Generationen gegenüber neuen Medien und Technik. Bringt bitte als nächstes noch den Artikel, dass der Attentäter mit Modern Warfare 2 (Call of Duty, ein Videospiel) "trainiert" hat und ruft auf, dass wir alle melden sollten, die dieses Spiel spielen. Echt... mehr als Kopfschütteln habe ich dafür nicht aufzubringen... peinliche Aktion!

Ruben KarschnickAm 24. Juli 2011

Ist diese schlechte Meinung gegenüber Neuen Medien unbegründet, wenn Extremisten hier eine Plattform geboten bekommen, um ihr abscheuliches Gedankengut zu verbreiten? Wohl kaum! Das Internet ist eine tolle Sache – ich denke, da sind wir uns einig. Aber die Gefahren zu verschweigen, damit sie bei der älteren Generation nicht in Ungnade fallen, das geht für mich zu weit. Zumal, wenn es Gefahren dieses Ausmaßes sind. Oder würdest Du mir widersprechen, dass extremistische Organisationen hier ihren Nachwuchs auf dem Silbertablett serviert bekommen?

ChrnosClockAm 24. Juli 2011

Stimmt, genau wie beim Piratenpad, als ein paar Hacker die Plattform nutzten um Daten auszutauschen auch gleich die gesamte Plattform gesprengt wurde, samt Piratenparteiservern. :goodwork:

Ich spreche von Verhältnismäßigkeit meine Damen und Herren! Und weil etwas für unlautere Propaganda genutzt wurde, sollte man also gleich eine solche Hetzaktion lostreten? Wenn ich also nun Spammails von GMX bekomme, ist GMX also eine "Treffpunkt für Werbeverteiler"? Oder wenn eine 17 Jährige für ihren Freund ein paar freizügige Fotos auf Imageshack hochläd, ist Imageshack nun eine "Plattform für Kinderpornografie"?

Ihr solltet des weiteren vielleicht noch einen Cookie zulassen, der die Daten speichert, sowie eine Checkbox, der mich bei weiteren Antworten benachrichtigt. So ist das auch alles sehr mühselig. Aber vielleicht merkt man bereits dabei die eher schlechte Auseinandersetzung mit dem Medium, auf denen ihr euch präsentieren wollt.

FabiAm 24. Juli 2011

Kritik an Tonic ist für uns wichtig - schließlich exisitiert die Seite noch gar nicht allzu lange. Konstruktiv sollte sie aber schon sein, denn das hingeschmotzte Gemecker ist für beide Seiten völlig unnütz. Schreibe doch eine konkrete Liste, wo du Verbesserungsbedarf siehst und wie du es umsetzen würdest an [email protected] und wir werden deine Vorschläge besprechen.

ChrnosClockAm 24. Juli 2011

In welcherlei Hinsicht dahingeschmotzt (wobei ich das Wort noch nicht einmal kenne?) und Kritik allgemein oder wie an diesem Beispiel an den Artikeln? Denn an eurem Gesamtsystem kann ich noch via Mail verstehen, aber Artikelbezogene Kritik, wie ich sie hier äußere, sollte öffentlich sein und nicht nur intern diskutiert werden, sondern für alle, die den Artikel liken oder lesen offensichtlich.

Aber hier gerne auch nochmal meine Kritik am Artikel zusammengefasst:

- Aufruf zu einer Facebook weitem Aktion aufgrund einiger negativer Beiträge, die nahezu zu jedem Thema zu finden sind

(mal die Reaktionen nach dem Eurovision Song Contest gelesen? Oder die Reaktion VIELER Amerikaner nach dem Tsunami in Japan?)

- Vermittlung eines negativen Bildes gegenüber neuen Medien, obwohl die eigene Publikation sich damit eigentlich identifizieren will (hier hätte ich ein aufgeklärtes Bild erwartet, anstatt gleich wieder auf den Massenzug aufzuspringen. Dachte hier sitzen junge Köpfe hinter dem Projekt? Warum dann eine Meinung aufzeigen, die genauso gut von Politikern kommen könnte, die sich noch das Internet ausdrucken lassen?)

- Schlagzeile auf BILD Niveau (Vorallem ist die Headline jetzt auch sehr unintelligent gewählt, denn derzeit kann man in meinen Lesezeichen "TONIC - Treffpunkt der Extremisten" lesen)

- Verhältnismäßigkeit nicht erkenntlich (warum plötzlich gegen ein Teilthema hetzen, wenn doch viel mehr Probleme auf solchen Plattformen vorhanden sind. Kommt als nächstes die Naziverfolgung auf FB? Die Linkenverfolgung? Die Verfolgung von Menschen mit seltsamen Profilnachrichten?)

- Medienrummel wird ausgenutzt, ohne sinnvoll zu recherchieren (nur schnell eine Nachricht draus machen, solange das Thema noch aktuell ist, anstelle ein Thema zu "Brennpunkten auf Sozialen Plattformen" zu entwerfen...

Sind jetzt nur ein paar wenige Punkte und ich hoffe, ihr sehr jetzt (endlich) warum ich hier lautstark kritisiere und vor allem gleich meine Konsequenzen gezogen habe.

AnnaAm 25. Juli 2011

Ich finde das Internet persönlich ja total super. Und ich denke, diejenigen, die hier lesen, haben genug Ahnung, um das auch zu finden. Das Problem an facebook ist: Es gibt keine "Brennpunkte auf sozialen Plattformen" und es ist auch kein "Treffpunkt der Extremisten". Facebook spiegelt die Welt, wie z.B. Werbung es auch tut. Bei Facebook gibt es schöne&hässliche Menschen, gute&schlechte, dumme&...naja. Wie in der "echten" Welt - sofern man da noch einen Unterschied machen will. Und aus dem Artikel lese ich letztendlich, dass die schlechten Menschen keine Stimme verdient haben. Das ist richtig. Oder?

Die verlinkten Gruppen sind übrigens tot. Oder auch nur die Links.

HellaAm 31. Oktober 2011

Schön dass Du das Internet so super findest, ich versuche einfach in Zukunft Deiner "Argumentation" zu folgen, nämlich "genug Ahnung" zu haben, dann finde ich's auch einfach toll... Meine Güte.

Und wenn ich (weiter unten) dann von Kategorisierungen in "falsche" und "richtige" Meinung lese, dann hoffe ich inständig, dass Du nie in eine Position der MAcht kommen wirst.

ChrnosClockAm 25. Juli 2011

Schöner Beitrag Anna!

Finde der Artikel stellt das aber zu wenig heraus. Das du dieses Verständnis besitzt, zeigt dass die bisherigen Leser von Tonic auch die Artikel hinterfragen, die sie lesen, aber wie du bereits angemerkt hast, spricht das nunmal nicht für den Großteil der Menschen. Daher habe ich einen weniger hetzerischen Artikel erwartet, der mehr aufgeklärt und genau das pranger ich an. Denn wer weiß, wer diesen Artikel in Zukunft noch alles liest?

Noch dazu das die Links JETZT tot sind, heißt nicht, dass sie es beim Online stellen des Artikels waren.

Ruben KarschnickAm 25. Juli 2011

Hallo, ich finde wir können hier gerne über das Thema diskutieren – dazu haben wir diese Kommentarfunktion eingerichtet und darüber freuen wir uns. Wenn Du aber nur daran interessiert bist, uns zu als unaufgeklärte, massengeile und computertechnisch zurückgebliebene Möchtegerns zu beleidigen, dann führt das (wie Fabi schon sagte) zu überhaupt nichts, außer gegenseitigem Unverständnis. Wenn Du an einer sachlichen Diskussion interessiert bist, schick mir doch eine E-Mail ([email protected]) – vielleicht können wir ja ein Streitgespräch zu dem Thema machen, das wir dann auf TONIC veröffentlichen? Darüber würde ich mich freuen, schließlich ist es eine Diskussion, die auf jeden Fall geführt werden muss. Und es würde allen (uns und auch den Lesern) mehr bringen als diese Hetzjagd.

AnnaAm 25. Juli 2011

Auch unhinterfragt: Was steht da drin?

1. Es gibt User auf facebook, die falsche Meinungen haben

2. facebook macht es Usern einfach, ihre Meinung zu verbreiten, weil es eine Menge Menschen erreicht.

3. Es gibt User auf facebook, die finden es nicht gut, dass es auf facebook User mit falschen Meinungen gibt. Und finden, dass man facebook deshalb abschalten sollte. Nun gut, da sind sie nicht die Ersten.

4. TONIC meint, man sollte die Menschen mit den falschen Meinungen melden und will dazu Hilfe von Lesern.

Das ist nicht sehr gehaltvoll, ich würde fast sagen, die Punkte 1-3 sind komplett banal. Erst Punkt 4 könnte man kritisieren. Und ob man es gut findet, dass Menschen mit richtiger Meinung die Verbreitung falscher Meinungen stoppen wollen, ist Geschmackssache.

deiAm 25. Juli 2011

Ist Tonic jetzt auch das Magazin für *

* Internetpolizisten

?

ChrnosClockAm 25. Juli 2011

Schöner Beitrag Anna!

Finde der Artikel stellt das aber zu wenig heraus. Das du dieses Verständnis besitzt, zeigt dass die bisherigen Leser von Tonic auch die Artikel hinterfragen, die sie lesen, aber wie du bereits angemerkt hast, spricht das nunmal nicht für den Großteil der Menschen. Daher habe ich einen weniger hetzerischen Artikel erwartet, der mehr aufgeklärt und genau das pranger ich an. Denn wer weiß, wer diesen Artikel in Zukunft noch alles liest?

Noch dazu das die Links JETZT tot sind, heißt nicht, dass sie es beim Online stellen des Artikels waren.

ChrnosClockAm 25. Juli 2011

Kann mal bitte einer meine zwei Dupes löschen? Irgendwie kamen die bei jedem Neuladen der Seite dazu. Danke.

Und auch Danke für das Einrichten der E-Mail Benachrichtigung, somit erspare ich mir häufiges Neuladen.

Und wo bitte ist das denn eine Hetzjagd? Jedes Medium sollte sich der Diskussion ihrer Beiträge oder wie im Falle von Facebook ihrer Inhalte freigeben. Und nur weil ich den Inhalt eines Artikels kritisiere und damit nicht alleine dastehe - wie man anhand der Meinung/Beiträge von Anna und dei sehen kann - ist das noch lange nicht ein komplettes Schlechtmachen eurer Arbeit, noch habe ich euch "als unaufgeklärte, massengeile und computertechnisch zurückgebliebene Möchtegerns" beleidigt, sondern nur meine Bedenken herauskristalisiert. Also bisschen mehr härteres Fell wachsen lassen, so dass man auch mit Kritik besser leben lernt.

TamaraAm 25. Juli 2011

Es ist doch wie in der Diskussionspolitik um Wikileaks: Attentäter begehen ein Schwerverbrechen - vielleicht politisch motiviert - und kritisiert werden nicht die Attentäter und deren Mitläufer, sondern diejenigen, die bestehende Missstände ans Licht befördern.

Dass Facebook Nährboden für das Äußern von Meinungsverschiedenheiten ist, überrascht niemanden. Dabei geht es nicht um falsche oder richtige Meinungen, sondern um solche, die gewaltverherrlichend, rassistisch oder den westlichen Maßstäben eines geordneten Zusammenlebens nicht angemessen sind. Solche Missstände werden auch auf anderem Weg kommuniziert, von Mund zu Mund beispielsweise oder am Telefon, und sind dort in gleichem Maß zu kritisieren. Beschuldigt und verurteilt wird in diesem Artikel nicht Facebook, sondern die Nutzung des Netzwerks für Dinge, die sich nicht gehören. Sich nach einem derart grausamen Attentat mit einem offensichtlich nicht ganz glaubwürdigen Mörder zu verbrüdern ist kein guter Gedanke.

Aus der Art des Artikels geht hervor, dass es sich hier mehr um einen (wohlgemerkt nicht gekennzeichneten) Kommentar zur Situation handelt als um einen unabhängigen Sachbericht, für den TONIC ohnehin nicht berühmt ist. Für die berechtigte Diskussion ist der Kommentarbereich gedacht, wobei hier eher das Thema im Vordergrund stehen sollte (und das kann auch bedeuten, Facebook selbst zu beschuldigen oder in Schutz zu nehmen), aber nicht die Leistung des Autors, der journalistisch subjektiv, dafür aber zielgruppenorientiert und ehrlich gearbeitet hat.