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Für *Loser

Limp Bizkit – Gold Cobra

5. Juli 2011
Von Ben Grosse-Siestrup

Ben aus Essen ist Autor bei TONIC

Texte von Ben
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Alles Motherfucker, you know, außer Mutti, you know. Mit ihrem neuen Album Gold Cobra verweisen Limp Bizkit wie schon letztes Jahrtausend auf ihre prall gefüllten Hoden.

In meinem Kopf läuft der Rocky-Soundtrack "Eye of the Tiger" von Survivor. Vorsichtig wickle ich mir die Bandage um die Finger, darauf bedacht keinen Zwischenraum auszulassen. Stramm muss es sitzen. Ich stülpe mir die Boxhandschuhe über und bin bereit, bereit um kräftig drauf los zu prügeln. (Anmerkung: Ja, ich habe den Klitschko-Kampf gesehen und mich davon inspirieren lassen) Als Musikjournalist schreibt man eigentlich nur sehr ungern Verrisse. Hin und wieder kommt dann aber doch ein Kandidat vorbei, der einen stöhnen lässt, provoziert und dadurch die verbale Tracht Prügel geradezu einfordert. Diese Woche ist die Plattenspieler-Rubrik kein musikalischer Tipp. Ding, ding, ding.

Anlass für diesen Kampf ist das neue Gold Cobra- Album von Limp Bizkit. Ja ganz recht, Fred Durst und die Seinen sind zurück. In Originalbesetzung und vor allem mit Gitarrist Wes Borland. Nicht uninteressant und die Erwartungen der Fans sind dementsprechend hoch, was die "Neue" des Crossover Nu Metal-Schwergewichts Limp Bizkit betrifft. Nichts desto trotz geht das Proletenquintett aus Nashville, das immer schon gern mit diesem Image gespielt hat, schon vor der ersten Runde fast K.O. Selber geschlagen vom phallushaften Albumtitel Gold Cobra und dem dazugehörigen Cover. Durst: "… we had a feeling some people were going to definitely think of penises". Komisch! Auf dem gemäldeähnlichen Cover räkeln sich drei leichte bekleidete Damen, die dem Betrachter die Zunge rausstrecken, die Küste und der Dreimaster deuten die einsame, wilde und unerforschte Insel an. Der klägliche Versuch über das Cover zu kommunizieren, dass man hier Neuland betritt? Grotesk ist der richtige Ausdruck für diese rätselhafte Szenerie – und über allem thront die bedrohliche überdimensionale Schlange. Nun ja, auf dicke Hose machen war schon immer ihr Ding und mit den Alben Significant Other und Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavored Water hat diese Masche 1999 und 2000 auch bestens funktioniert. Ich erinnere mich, ich war begeisterter Fan.

Das Problem ist, dass Limb Bizkit und Fred Durst, inzwischen auch 40, weiterhin an genau dieser Masche festhalten. Von Weiterentwicklung keine Spur. Was von Durst und Bandseite im Vorfeld als "the real Deal" angekündigt wird, ist lediglich das Wiederaufkochen des alten Materials. Den damals als progressiv eingestuften Trend nun künstlich wieder zu beleben und als "back to the roots" zu verkaufen, hat auch schon 2010 beim musikalischen Vorbild Korn und "KoRn III: Remember Who You Are" nicht so richtig gefruchtet.

Mit Druck, aber ansonsten ideen- und konzeptlos beginnt Gold Cobra, wie man es erwartet hätte. Drückender Rap'n'Rock halt. Dann die Überraschung, der Einsatz von Auto-Tune-Effekten in "Autotunage". Wo Jay-Z vor fast genau zwei Jahren noch den "Death of Auto-Tune" angekündigt hat, klinken sich Limp Bizkit ein. Was selbst im Pop-Bereich nur bedingt funktioniert, wirkt hier leider nur aufgesetzt und pseudo-experimentell. Scheinbar orientierungslos stürmt die Band drauf los und knüppelt, als ob es kein Morgen geben würde. "Let´s rock this place!”, "Bring it all down!” und "Another one of those days” – all diese Ansagen, kurz bevor Schlagzeug und Gitarre dann mit Nachdruck einsetzen, hat man schon zu genüge gehört und rufen maximal ein müdes Lächeln hervor. Der Lack ist ab.

Oh, yeah.

Oh, yeah.

Die textliche Komponente war noch nie ausschlaggebend für den Kauf einer LB-CD und auch Gold Cobra bildet da keine Ausnahme. Wenig aussagekräftig und belanglos geht es vornehmlich alle 5 Sekunden um "Motherfucker", darum, dass Fred Durst wirklich arm dran und missverstanden ist ("Looser") und es mit jedem aufnimmt, der die Eier dazu hat. Alles ist so wie 2000: Die Musik, die sehenswerten Kostüme von Wes Borland und auch Fred Durst ist seinem Stil treu geblieben und trägt neben den Basketballtrikots immer noch die gleiche Mütze. Die Limp Bizkit von Heute sind nicht viel mehr als die Seelenlose Hülle der Vergangenheit. Ein hängengebliebener Trend, dessen Verfallsdatum vor 10 Jahren abgelaufen ist und bei dem auch das Wiederbeleben nur mäßigen Erfolg zu versprechen scheint. Es verhält sich vielleicht wie mit Boxern, die auch mit 40 noch zuschlagen können, aber auf das Comeback dann doch verzichten sollten.

 

Interpret: Limp Bizkit

Albumtitel: Gold Cobra

Erscheinungsdatum: 23. Juni 2011

Label: Universal


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Kommentare

Joscha StrackeAm 6. Juli 2011

Limp Bizkit ist mir echt gerade unsympathisch geworden

HenrikAm 8. Juli 2011

Ich lese gerade in der aktuellen Visions, dass es kürzlich in Austin eine Initiative gegeben habe, die städtische Müllkippe umzubenennen: In "Fred Durst-Gesellschaft für Geisteswisschenschaften und Künste." - Leider ist daraus nichts geworden. Komisch, eigentlich.