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„In 20 Jahren ist Fußball Frauensport“

7. Juli 2011
Von Anna Appelrath

Anna aus Bonn ist Autorin bei TONIC

Texte von Anna
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Anna Appelrath

Schluss mit Randsport: Die WM im eigenen Land lässt in den Frauenfußball-Vereinen die Mitgliederzahlen explodieren. Immer häufiger tauschen junge Mädchen ihre Ballerinas gegen Stollenschuhe.

1989 bekamen die Europa-Meisterinnen noch ein Kaffeeservice zum Sieg

1989 bekamen die Europa-Meisterinnen noch ein Kaffeeservice zum Sieg

Tanzen ist in Lisa Ganz' Familie Tradition. Schon die Oma hat als junges Mädchen und in schönen rot-weißen Kostümen als Funkemariechen im Karneval das Tanzbein geschwungen. Das Faible für den Tanzsport ist auch auf Lisas Mutter abgefärbt. Nur bei Lisa hält sich die Freude am Tanzen zurück. Statt Seidenstrumpfhosen und Tanzschuhen streift sie sich lieber Shorts und Stollenschuhe über. Lisas Leidenschaft ist Fußball.

Lisa Ganz ist 12 Jahre alt, Schülerin der 6. Klasse am Alexander-Humboldt Gymnasium im rheinländischen Bornheim und eingefleischter Fan des 1.FC Köln. Schon in Grundschulzeiten hätte ihr Kinderzimmer als Fanclub durchgehen können. Rot und weiß, die Vereinsfarben , zierten den Raum, dazu Fußballerposter, Autogrammkarten und ein Geißbock auf Leinwand. Mehr Fußballfan geht nicht.

Lisa ist aber nicht nur Bewunderer von Poldi & Co – seit neun Jahren spielt sie selbst Fußball. Angefangen hat sie als Dreijährige in einer gemischten Mannschaft. Seit drei Jahren nun spielt sie in einer reinen Mädchenmannschaft beim TuS Roisdorf. Als Torwärtin in der C-Jugend ist Lisa alles andere als zimperlich. Eine aufgeplatzte Lippe während eines Spiels hält sie nicht davon ab, vollen Einsatz zu geben. Und an regnerischen Spieltagen wirft sie sich auch mal absichtlich in eine Pfütze, einfach weil es lustig ist.

Mehr Fußballfan geht nicht.

Was Lisa in ihrer Freizeit so gerne macht, galt für Frauen in Deutschland noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts als moralisch verwerflich. Erst vor rund 60 Jahren bildeten sich die ersten Frauenmannschaften. Obwohl deutscher Frauenfußball ein so junger Sport ist, konnte er früh internationale Erfolge verbuchen: 1989 wurde die deutsche Nationalmannschaft erstmalig Europameister. Die Siegprämie: ein Kaffeeservice für jede Spielerin. Doch die Zeiten des Frauenfußballs haben sich seitdem rasant gewandelt. Er ist schneller, professioneller und beliebter geworden. Sollten es die Spielerinnen Kulig, Popp & Co. unter Trainerin Neid diesen Sommer schaffen, zum dritten Mal in Folge Weltmeisterin zu werden, winken immerhin schon 60.000 Euro Siegprämie. Zum Vergleich: Die Summe würde für etwa 1200 Kaffeservices ausreichen.

Der Traum von der Nationalmannschaft
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Kommentare

Lou SaloméAm 21. Juli 2011

Leider hat das mit dem WM-Titel ja nicht geklappt. Trotzdem finde ich nicht, dass Fußball per se noch kein Frauensport ist. Das kommt immer auf dei Gegend drauf an. In einigen Gegenden findet sich noch nicht mal ein Center, dass auf die unterschiedlichen sportlichen Bedürfnisse von Frauen und Männern berücksichtigt. Sobald die Infrastruktur angepasst ist, klappt das auch mit der Gleichberechtigung.