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Für *Konsumkritiker

Das ist nicht "nett", das ist Werbung!

27. Juli 2011
Von Ruth Appel

Ruth aus Berlin ist Autorin bei TONIC

Texte von Ruth
autor@tonic-magazin.de

Platzhalter

LBS, IKEA und dm überfluten Ruth und ihre Freunde mit Werbegeschenken. Sollte man dafür dankbar sein? Ruths Freunde sind es wirklich – sie selbst findet das vor allem verblendet.

Be part of it!

Be part of it!

"Wow, der USB-Stick ist ja toll, woher hast du den?", fragt mich mein Kumpel mit Blick auf den 4 GB USB-Stick, auf dem das LBS-Logo prangt.

"Oh, dein Shampoo riecht so gut, wo hast du das gekauft?", ruft meine Schwester aus, als sie an dem neusten Fläschchen riecht.

Gekauft gar nicht, sondern geschenkt bekommen.

"Geschenkt?! Das ist ja cool. Voll nett!"

Ja, stimmt. Unglaublich nett von dm, LBS, IKEA und so weiter, dass sie uns mit Werbegeschenken überschütten.

Kann man eine Handlung als "nett" bezeichnen, wenn Hintergedanken dabei eine herausragende Rolle spielen? Die Unternehmen schenken uns nichts aus purer Freundlichkeit. Red Bull hat seine Schatzsuche, bei der sie 2500 Kisten mit Red Bull Cola verschenkt haben, nicht umsonst veranstaltet. Die Begeisterung der potentiellen Kunden, die sich so über Geschenke freuen, ist für ein Unternehmen mehr wert als ein paar Kisten oder Tassen oder Probepackungen oder sonst etwas. So schafft man Neukunden heran oder verbessert die Bindung zu schon bestehenden Käufern. Gutscheine, Probepackungen, kostenlose Probestunden beim Fitnessclub in der Nähe, wir werden mit Werbeangeboten bombardiert!

Oder auch die "kostenlosen" Versionen im Geschäft mit Applikationen. Letztens habe ich mir die App TableTennis Lite heruntergeladen und muss nun andauernd aufpassen, dass ich nicht auf "Vollversion kaufen" klicke.

Alle diese Gratis-Angebote sind nur geschickte Werbemaßnahmen. Vielleicht freut sich der ein oder andere Manager auch aus purer Nächstenliebe, jemandem etwas schenken zu können, aber das ist definitiv nicht der Hauptgrund solcher Aktionen.

Werbegeschenke kann man annehmen, doch man sollte ein nüchterner Konsument bleiben und nicht nach jeder Werbeaktion "nett!" schreien!

Info

NETTER HINWEIS

Anmerkung der Marketing-Abteilung: Wenn du unsere runden, blauen TONIC-Aufkleber haben willst, schreib uns das in einer Mail an blauerpunkt@tonic-magazin.de. Garantiert ohne Hintergedanken!


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Kommentare

silvia starkAm 27. Juli 2011

und es ist mal wieder der schwarz-grau gestreifte second hand pulli aus helsinki, der das foto perfekt macht.

B.a.rAm 29. Juli 2011

und das gesicht

Matthias KoslowskiAm 29. Juli 2011

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, so ist das auch in der Werbewelt ;) - Freundschaft ist aber eher im Stile Facebooks definiert.

Aus dem Nähkästchen geplaudert; Agenturen verdienen an Werbegeschenken quasi nix und für Firmen bedeuten sie oft massige Ausgaben. Würde es sich nicht lohnen, ließen sies sein, soviel sei verraten.

Peter ZibatAm 31. Juli 2011

Ein starkes Bild!

Peter ZibatAm 8. August 2011

Oha, das Wortspiel ist mir gar nicht aufgefallen... :)

Und ich muss sagen, dass es DOCH NETT ist. Und Werbung, keine Frage. Aber inwiefern ist denn unsere Gesellschaft auf "echte" Nettigkeit ausgelegt? -Die meisten Freundschaften bleiben platonisch und oberflächlich (keine persönliche Erfahrung), zumindest wird das von Phänomenen wie Facebook etc. suggeriert. Da sind mir solche "Auswüchse " wie Werbegeschenke noch die liebsten im Vergleich