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Für *Soldaten

Alle für einen

4. Juli 2011
Von Veronika Widmann

Veronika aus Mühldorf am Inn ist Redakteurin bei TONIC

Texte von Veronika
autor@tonic-magazin.de

Veronika Widmann

Es ist soweit: am 1. Juli endete die Wehrpflicht. Die Republik hat nun eine Freiwilligenarmee. Und während fast alle männlichen Jugendlichen in den letzten Monaten versuchten nicht doch noch eingezogen zu werden, machte Pattrick das genaue Gegenteil: Er meldet sich freiwillig.

Dunkle Zeiten für die Bundeswehr, die Reform läuft nicht wie geplant.

Dunkle Zeiten für die Bundeswehr, die Reform läuft nicht wie geplant.

"Aufstehen", dröhnt morgens um fünf die Stimme des Feldwebels durchs Treppenhaus. Sofort springt Pattrick Frey aus dem Bett, schlüpft in seine Badelatschen und rempelt in der Hektik gegen seine Kameraden. Er rennt rüber ins Bad, putzt sich die Zähne, spritzt sich etwas Wasser ins Gesicht und steht wenige Minuten später in Uniform parat. Früher hätte er sich beim Klingeln des Weckers erst noch einmal umgedreht, wäre langsam aufgewacht. Aber seit dem 3. Januar leistet der 18-Jährige in der Kaserne Speyer in Rheinland-Pfalz seinen Grundwehrdienst ab – freiwillig.

Bei der Musterung ist er mit dieser Einstellung der Exot. Als er im Kreiswehrersatzamt sitzt, kommt er sich seltsam vor in seinem Hemd. "Die anderen hatten zum Teil extra ekelige Klamotten an und fettige Haare." Nach dem Drogenschnelltest ist für den ersten Kandidaten die Prozedur vorbei – gerade mal fünf Minuten, nachdem sie begonnen hat. "Wow, was hast du dir denn reingezogen", fragt Pattrick den anderen. "Ach, alles Mögliche", antwortet dieser und verschwindet.

Sich um seinen Wehrdienst zu drücken, kam für Pattrick schon aufgrund seines Vaters nie in Frage. Der ist Amerikaner und Soldat in der US-Army. "Schau dir doch mal die Bundeswehr an", rät er seinem Sohn, als sie über dessen Zukunft sprechen. "Das hat mich auf jeden Fall beeinflusst", ist der junge Mann sich sicher "Wahrscheinlich wäre mein Vater auch etwas enttäuscht gewesen, wenn ich verweigert hätte." Pattrick wirkt aber nicht wie einer, der schlicht keine andere Wahl hatte. Vielmehr ist es für ihn "einfach eine runde Sache", seinen Wehrdienst zu absolvieren, seit er weiß, dass er nach der Realschule zur Polizei möchte.

Statt Fallschirmspringen steht erst mal Nähen auf dem Programm.
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Kommentare

UlliAm 9. Juli 2011

Jedem das Seine.