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Für *Weltenbummler

Zigaretten im Polster

1. Juni 2011
Von Veronika Widmann und Ruben Karschnick

Veronika aus Mühldorf am Inn ist Redakteurin bei TONIC

Texte von Veronika
autor@tonic-magazin.de

Veronika Widmann

Ruben aus Hamburg ist Chefredakteur von TONIC

Texte von Ruben
autor@tonic-magazin.de

Ruben Karschnick

In der Grenzregion ist fast jeder Dritte ohne Arbeit, in einigen Orten leben sogar die Hälfte der Menschen von der polnischen Sozialhilfe: 1000 Zloty, umgerechnet etwas mehr als 250 Euro.

"Wenn ich die Perspektive auf ein einfaches Einkommen hätte, würde ich nie im Leben auf diese Weise arbeiten", sagt Tomasz. "Aber es gibt keine Hoffnung – deshalb fahre ich vier bis fünf Mal die Woche über die Grenze und probiere mein Glück." Viele seiner Freunde teilten sein Schicksal.

Der Spürhund leistet ganze Arbeit.

Der Spürhund leistet ganze Arbeit.

Marek Samoszuk ist da anderer Meinung. Er ist Direktor des Grenzüberganges und sieht aus, wie man sich einen Zollbeamten vorstellt. Wenn er redet, hat er die Arme hinter dem Rücken verschränkt, seine Miene verzieht er kaum. "Es gibt hier genug Möglichkeiten, ehrlich sein Geld zu verdienen. Aber sehr viele Menschen, die nah an der Grenze leben, schauen sich gar nicht nach einer anderen Arbeit um, weil für sie die Grenze als solche eine Arbeit darstellt."

Für die Schmuggler ist das Geschäft lukrativ. In Russland kostet eine Schachtel Zigaretten 1,50 Zloty. In Polen beträgt der Preis schon 10 Zloty. Je weiter der Schmuggler nach Westen kommt, desto mehr lohnt es sich – wenn der Schmuggel nicht auffliegt.

Gänge wie in einem Labyrinth führen durch Berge von Wodkaflaschen und Tabak

Wenn. Denn Samoszuk und seine über hundert Kollegen ziehen im Monat zwischen 100.000 und 200.000 Zigarettenpäckchen aus dem Verkehr. Zum Beweis öffnet Samoszuk das Zoll-Lager mit den beschlagnahmten Waren: Behälter in der Größe von Umzugskartons stapeln sich bis an die Decke, in jeder befinden sich bis zu 500 Päckchen Zigaretten. Gänge wie in einem Labyrinth führen durch Berge von Wodkaflaschen und Tabak.

Kostbarkeiten im Auge des Schmugglers, Kompost für den Grenzschutz. "Die Zigaretten werden in einer speziellen Anlage verbrannt und anschließend kompostiert. Den Alkohol kippen wir in Kläranlagen". Samoszuk zeigt ein Foto, auf dem vier Mitarbeiter in Reih und Glied Wodka weggießen als müssten sie Wasser lassen. "Natürlich kein schönes Bild", sagt der Beamte mit einem Schmunzeln, "aber wir können nicht jede Flasche auf Unbedenklichkeit prüfen." In der Kläranlage habe der Alkohol immerhin noch den nützlichen Effekt, dass er den Reinigungsprozess beschleunige.

Der Zollhund tobt über die Rückbank
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Kommentare

HannahAm 31. Oktober 2011

Inhalt, Tiefgang, Meinung, Kontroverse, (Quer-)Bezüge, Witz, Intelligenz, Gründlichkeit bei Recherche und Aufbereitung oder gar ein roter Faden - das vermisse ich bei fast allen Artikeln hier. Der Text liest sich wie für einen seelenlosen Kabel-1 Dokumentarfilm zusammengeschustert. In Polen gibt es keine "Sozialhilfe" im deutschen Sinne, und bitte präsentiert mir die Person, die dort 250EUR im Monat bekommt... Und: Kaliningrad ist eine Exklave.

Ruben Am 31. Oktober 2011

Hallo Hannah, danke für deine Anmerkungen und die Kritik. Mich würde interessieren, welche Texte Dich genau enttäuscht haben. Das wäre für uns hilfreicher als eine Pauschalkritik. Gerne an dieser Stelle - oder auch per Mail/Telefon. Grüße, Ruben

VeronikaAm 31. Oktober 2011

Stimmt, Fehler beseitigt. Danke für den Hinweis.

HannahAm 17. November 2011

Also, genau dieser Text hier enttäuscht mich (aus den zahlreichen, o.g. Gründen) - könntest Du mir erläutern, was die Kernaussage ist? Und geht es nun um "Polnische Schmuggler" wie oben behauptet, oder eher um polnische Grenzer?! Enttäuscht haben mich auch die Artikel über Frauenfussball (oder Tennis, oder "Studenten"), und noch der von dem weinenden Spanischstudenten, und der von dem Lehrämtler, mit dem auf einer "Feier" keiner reden mag. Und der "Treffpunkt der Extremisten" ist auch arg realitätsfern (oder eben sehr realistisch, weil wohl gerade frisch mit dieser konfrontiert). Aber eine Reaktion auf konkrete Kritik kommt ja auch kaum. Wenigstens weiß ich nun, wie "man" sich einen Zollbeamten vorstellt.