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Für *Hipster

Von H&M zu White Stripes

5. Juni 2011
Von Fabian Stark

Indies brauchen Bestätigung.

Indies brauchen Bestätigung.

Wenn man aber stets versucht, sich abzugrenzen, verwirrt das doch den Indie, wenn die Hälfte der Klasse Chucks und Vans trägt.

Paul: Einerseits kann man sich freuen, dass so viele mitziehen, andererseits als Gefährdung der eigenen Identität sehen und sich angegriffen fühlen. Das war schon Anfang letzten Jahrzehnts die Frage: Wird Indie zu einer Blase, die nichts mehr Gemeinschaftliches mehr hat, werden sich mal alle daran orientieren? Oder gibt es eine Rückzugstendenz: Die Sau ist durchs Dorf getrieben, jetzt schreibt der Musikexpress über Emo oder New Rave… Das gibt der Szene die Chance sich neu zu bilden – abseits von den Leuten, die nur hingehen, weil es gerade angesagt ist. Ich glaube, heute gibt es eine Spaltung vom Alten, es gibt Indie vs. Electro Partys, Remixe von den Strokes, die elektronisch für die Tanzfläche ausgelegt sind. Außerdem baut Indie nicht nur auf flachen Schuhen und Streifen-Shirts auf, sondern auch auf breitem Band-Wissen. Wenn man jemanden mit gleichen Style trifft und ins Gespräch kommt, merkt man auch, ob er dazu gehört oder nicht.

Tilo: Da geht es immer darum, einen bestimmten Wissensstand auszuchecken.

Die Jugendkulturforscher und Autoren der Studie "Über die Indies": Tilo Grenz und Paul Eisewicht

Die Jugendkulturforscher und Autoren der Studie "Über die Indies": Tilo Grenz und Paul Eisewicht

Wenn es darum geht, ob sich Indie auflöst oder sich neue Sachen bilden, denke ich an den so genannten Hipster. Ist das der coolere, urbanere Indie?

Paul: Ich glaube nicht, dass es Leute gibt, die sich selber als Hipster verstehen. Ich glaube eher, dass es ein Konsummuster ist: Ein Hipster muss hip sein und dem Hund hinterherlaufen, der Begriff wirkt abwertend. Das ist keine Szene, sondern eine Kulturpraxis: Modisch will man vorne dran sein.

Tilo: Was ist denn das Neue, dem der Hipster hinterherläuft? Diese Parallele zum Indie scheint zu bestehen.

Die Musik ist die gleiche, die Kleidung ist ähnlich.

Paul: Ich glaube, dass Hipster sich stärker auf Mode als auf Musik bezieht. Es fällt schwer, ihn vom Dandy abzugrenzen.

Tilo: "Hipster" ist eine Außenzuschreibung, weniger eine homogene Gemeinschaft. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er vorgibt, kein Hipster zu sein.


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Kommentare

JohannesAm 13. Juni 2011

Leider wird sich der folgende Kommentar jetzt sehr indie-esk anhören, aber mit Bedauern muss ich feststellen, dass alle Versuche, das Thema "Indie" mit Begriffen wie Hipster, Mainstream und Jugendbewegung kurzzuschließen, in ein realitätsfernes Disaster von Fazit führen. Dieser Artikel schließt sich da leider an ( und fällt damit qualitätsmäßig in der Riege der sonst sehr guten tonic-Artikel aus der Reihe ). Hier wird kaum an der Oberfläche des Themas gekratzt. Und Tilo, wer die ältesten Hipsterwitze bedient, ist immer selber ein Hipster.

FabianAm 13. Juni 2011

Auch ich sehe ein Problem darin, diese Begriffe kurzzuschließen, aber warum ist das so? Was unterscheidet Indie von dem, was wir Jugendbewegung oder besser - kultur nennen? Was ist dein Fazit?

JohannesAm 13. Juni 2011

Zuallererst ist es meiner Meinung nach schwierig, Indie abzugrenzen ; wenn wir mal vom Ursprung des Begriffs ausgehen, ist jegliche Musik außer die von den Majorlabels "Indie". Macht das aber z.B. die Band MGMT zu einem Mainstreamphänomen? Wohl kaum. Und dann, da hier ja der Vergleich zum Hiphop gezogen wurde, ist Indie auch über die Jahre eher zum Sammelbegriff für Cool und Underground geworden als ein echtes Musikgenre. Die Rapgruppe OFWGKTA wird zuweilen auch als zuhöchst Indie gehandelt, wobei sie wahrscheinlich im Definitionsspektrum Indie mit dem Gitarrenrock die beiden Pole bilden.

Indie ist also eine Zecke, da es als Begriff universelle Verwendung findet. So entstand auch der optische Hipster, der meiner Meinung nach ein guter Beweis für die Nichtgreifbarkeit von "Indie" ist; Im Gegensatz zum Baggyhosen-Hopper ist der Hipster nämlich der Bastard aus einer Anbandlung mit Fashion und Modelwesen, entstanden aus mehreren Jahrzehnten guter Nachbarschaft in der Populärkultur.

Gerade aus der Tatsache, dass Indie sich immer vermischt und vermengt und immer unübersichtlicher wird, kugeln sich die Erzindies ein wie Igel ; und so entstand die Hipsterattitüde, immer individuell sein zu wollen und Musik zu hören die keiner kennt, Bücher zu lesen die keiner versteht. Aus dieser Attitüde heraus kann keine Jugendbewegung entstehen ; eine Szene, die keinen Anspruch auf Wachstum hat, zu der niemand steht, weil das dann wiederum dazu führen würde, dass die Szene größer und noch unübersichtlicher wird.

So, das wars jetzt aber auch, jetzt endlich wieder zurück zum genialen neuen Bon Iver Album. Aber davon hat ja eh noch niemand gehört.

FabianAm 13. Juni 2011

Wir tun unser bestes, dass dem bald nicht mehr so ist!

PaulAm 28. Juli 2011

Leider den Artikel und die Kommentare erst jetzt entdeckt...

Zum ersten würde ich Johannes zustimmen, dass das Problem von Indie die Vieldeutigkeit des Begriffes ist (bezüglich Label, Musik und Szene/Teilkultur), dass sehen wir von jeher als Problematik einer entsprechenden Kultur oder Szene. Allerdings sind das lediglich verschärfte soziale Mechanismen, wie sie sich in anderen Szenen auch abspielen. Das Bezeichnungen in den Augen Einiger zu Etiketten degenerieren, dass Szenen 'sterben' oder zu Sammelbegriffen werden etc.

Was sich aber immer wieder gezeigt hat ist, dass es dennoch Menschen gibt, die sich als solche (als Indie, als Punk) verstehen und zumindest auf lokaler Ebene einen Wertekonsens und ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwicklen. Inwieweit das überregional und transnational funktionieren kann und muss ist eine andere Frage, die vll. damit zu tun hat, was du unter Szene verstehst. Was für Szenen dabei aber generell zum Problem wird, ist durch das Internet die beschleunigte Verbreitung von Kulturgütern, Stilen, Ideen ... Wie soll sich ein "Erzindie" einigeln, wenn alles was er für sich entdeckt potentiell für jeden anderen auch erreichbar wird?